Rückblick

Das sind unsere Momente des Sport-Jahres 2022

Ende Oktober startet eine neue Ära bei der Eissporthalle – reichlich Besucher kommen in den Südpark.
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Ende Oktober startet eine neue Ära bei der Eissporthalle – reichlich Besucher kommen in den Südpark.

Die ST-Sportredaktion schaut auf Szenen zurück, die sie in den vergangenen zwölf Monaten am meisten bewegt haben.

21. September: Besonderer Ausschuss - Viel Mut prägt die neue Eissporthalle

Von Jürgen König

Kann eine Sitzung des Sportausschusses den Sport-Moment des Jahres bereithalten? Zugegeben, passiert eher selten, aber am 21. September ist es der Fall. Wolfgang Lingen bringt den staunenden Politikern die Eissporthalle näher. Zwischen Trauerspiel beim Blick zurück und riesigem Wagnis für die Zukunft referiert der Vorsitzende des EC Bergisch Land und Geschäftsführer der neuen Betreibergesellschaft über die traditionsreiche Sportstätte. Eishockey-Euphorie um Ivan Krook & Co., Weihnachtszauber und vieles mehr stehen für die Halle im Südpark, wo der Zahn der Zeit sehr genagt hat.

Unglaublicher Mut zeichnet die ehrenamtlich arbeitende Crew um Lingen aus. In einer Stadt, die unter dem Bädersterben leidet, wo Golf nie eine echte Chance gehabt hat oder zu viele die gesellschaftliche Bedeutung von Spitzensport in Form der BHC-Handballer unerkannt lassen. Rund einen Monat nach der sportpolitischen Zusammenkunft öffnet eine aufgewertete Eissporthalle ihre Pforten. Sie steht für weitaus mehr als Puck-Jagd, sie erfüllt wichtige soziale Ansprüche – mit etlichen schönen Momenten.

5. Juni: BHC-Mädchen in der Bundesliga - Ein Meilenstein des Solinger Handballs

Von Lutz Clauberg

Everswinkel? Wo liegt das denn? Nie gehört! Seit Anfang Juni wissen die sportinteressierten ST-Leser zumindest, dass in der beschaulichen westfälischen Gemeinde im Kreis Warendorf, die aus den Ortsteilen Everswinkel und Alverskirchen besteht, Handball gespielt wird. In der rund 130 Kilometer von der Solinger City entfernten Kehlbachhalle geht es für den Bergischen HC nämlich darum, einen Premieren-Platz für Solingen in der A-Mädchen-Bundesliga zu ergattern. Trainerin Assina Müller, die sich gerade einmal acht Wochen im Amt befindet, ist sehr optimistisch in die Vergleiche gegen die DJK Everswinkel und den TV Verl gegangen. „Wir sind der Favorit“, sagt sie selbstbewusst – und sie behält recht.

Die A-Mädchen des BHC bejubeln den Aufstieg in die Bundesliga – das ist eine Premiere.

Fokussiert und heiß wie Frittenfett sichert sich das Team das Ticket. Zwei Zähler hat der Qualifikationssieger bereits durch das 31:20 gegen den HSV Minden-Nord mitgebracht. 30:23 heißt es dann gegen Everswinkel mit der elf Mal erfolgreichen Lucy Krahwinkel, beim 25:20 gegen Verl zeigt Torhüterin Lena Lindemann (die neuerdings mit Bayer Leverkusen in Verbindung gebracht wird) eine Glanzleistung. „Erfolg ist kein Zufall“, freut sich Müller nach dem Meilenstein des Solinger Handballs.

12. Juni: DV steigt in die Landesliga auf - Aufstiegsheld Hacisalihoglu

Serkan Hacisalihoglu (r.) trifft zum 2:1. Kurz darauf kennt der Jubel keine Grenzen.

Von Moritz Jonas

Mindestens genauso besonders wie mein Sportmoment des Jahres ist die Reise, die diesen Moment erst möglich gemacht hat. Denn hätte man am 07. November 2021 jemanden gefragt, ob DV am 12. Juni 2022, einen Spieltag vor dem Saisonende, die Chance haben würde, den Aufstieg in die Fußball-Landesliga klarzumachen, hätten wohl nur die größten Optimisten mit „Ja“ geantwortet.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Ditib-Vatanspor zwölf Punkte Rückstand auf den Aufstiegsplatz. Eine Serie von 13 Spielen ohne Niederlage eröffnet den Weyersbergern am vorletzten Spieltag allerdings die Chance, den Sprung in die sechsthöchste Spielklasse unter Dach und Fach zu bringen. Dazu benötigen sie zwingend einen Dreier gegen den SSV Berghausen oder Schützenhilfe des TSV, der beim Zweitplatzierten Eller zu Gast ist. Denn am letzten Spieltag hat der Spielplan ein spielfreies Wochenende für DV vorgesehen, so dass ein späterer Eingriff ins Aufstiegsrennen nicht mehr möglich sein wird.

Diese Alles-oder-Nichts-Stimmung ist an diesem Tag auch zu spüren. Über 1500 Zuschauer wollen ihren DV bei diesem historischen Schritt begleiten. Zunächst scheint die große Unterstützung die Spieler allerdings zu hemmen, es ist nicht viel zu sehen vom erfrischenden Offensivfußball der vorangegangenen Wochen. Somit bekomme ich immer häufiger die Frage gestellt: „Wie steht's bei Eller?“ Die stellen die Weichen aber recht schnell auf Sieg gegen den TSV.

So heißt es hoffen, bangen, beten, bis Kapitän Tayfun Uzunlar einen Foulelfmeter nach 50 Minuten zur Führung verwertet. Ein Aufschrei aus Freude und Erleichterung bringt den Weyersberg zum Beben. Eine Viertelstunde vor Schluss treten die Gäste mit dem Ausgleich jedoch auf die Euphoriebremse. Bis ausgerechnet Routinier Serkan Hacisalihoglu in seinem letzten Spiel als Aktiver drei Minuten vor Schluss die erneute Führung bringt. Ab da gibt es kein Halten mehr. Die Ersten klettern auf und über die Balustrade und streifen sich die Aufstiegsshirts über. Der Spielfeldrand ist so überfüllt, dass das 3:1 von Tarkan Türkmen und der Anschluss des SSV fast untergehen.

12. Juni: Sebastian Hinze verabschiedet sich von seinem Verein - Beim Bergischen HC endet eine Ära

Ein letztes Mal bedankt sich Sebastian Hinze als BHC-Trainer bei den Fans in der Klingenhalle.

Von Thomas Rademacher

Der Bergische HC hat in diesem Jahr für das eine oder andere sportliche Highlight gesorgt. Die beiden Auswärtssiege gegen den SC DHfK Leipzig und die TSV Hannover-Burgdorf im Dezember gehören gewiss dazu. Doch ausnahmsweise überragt 2022 ein Moment abseits der Ergebnisse. Am 12. Juni absolviert Sebastian Hinze sein letztes Spiel als BHC-Trainer. Nach dem 26:22-Erfolg im Bundesligaspiel gegen den TuS N-Lübbecke fällt in der Klingenhalle der Vorhang für den 43-Jährigen nach zehn Jahren im Amt.

Zuvor war er bereits als Jugendkoordinator sowie Spieler für den BHC beziehungsweise Vorgängerverein SG Solingen aktiv. Sein Abgang Richtung Rhein-Neckar Löwen, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit anderthalb Jahren feststeht, ist ein Einschnitt. Hinze verlässt mit dem BHC ganz sicher auch seinen Lieblingsverein. So sind die Momente der Verabschiedung ganz besondere.

Im Vorfeld hat der Coach angekündigt, nicht emotional werden zu wollen. Doch er ist dann trotzdem angefasst. Vom Zuspruch der 2261 Fans in der Klingenhalle, die ihm zeigen, dass sie ihn vermissen werden. Von den Worten Jörg Föstes, der betont: „Es ist kaum vorstellbar, dass unsere Reise heute zu Ende geht. Sie war intensiv – mit allen Höhen und Tiefen. Vielen Dank für etwas, das nur ganz wenige schaffen: Dir ist es gelungen, alle immer ein bisschen besser zu machen. Wir wären ohne Dich niemals da, wo wir jetzt sind.“ Der BHC-Geschäftsführer sagt in dieser aufwühlenden Situation genau das Richtige.

Nicht immer war es einfach mit Hinze – ganz sicher auch nicht für Journalisten, die mit ihm gearbeitet haben, einschließlich des diese Zeilen verfassenden. Der Wuppertaler weiß, was er will, hat immer seine Linie, von der er sich nicht abbringen lässt. Er ist kantig und streitbar. Aber wenn der Rauch erstmal verzogen ist, kann man sich weiter in die Augen schauen. Auch das ist Hinze wichtig. „Danke für diesen Moment“, spricht der Trainer ins Hallenmikrofon. Er verdrückt dabei keine Träne, doch für seine Verhältnisse ist er nah dran. Für ihn und den Verein endet in diesen Minuten eine Ära. Eine neue Zeitrechnung hat für beide bereits erfolgreich begonnen. Doch dieser Moment wir bleiben.

19. November: Der HSV punktet gegen den Spitzenreiter - Vanessa Brandt bringt die Klingenhalle zum Beben

Die Handballerinen des HSV Solingen-Gräfrath können ihr Glück nach dem Schlusspfiff gegen Frisch Auf Göppingen kaum fassen.

Von Fabian Herzog

Zweimal Klingenhalle, zweimal HSV Solingen-Gräfrath gegen Frisch Auf Göppingen, zweimal absolute Gänsehaut – und doch zwei ganz unterschiedliche Erlebnisse. Im März 2022 ist es das mit Spannung erwartete Spitzenspiel der 2. Handball-Bundesliga der Frauen, in dem der vom Aufstieg ins Oberhaus träumende Tabellenführer den Topfavoriten zu Gast hat. 750 Zuschauer sorgen für eine Rekordkulisse und ganz besondere Atmosphäre, sehen aber einen lange Zeit chancenlosen HSV, der trotz Aufholjagd samt 14:5-Lauf ab Minute 45 verdient mit 32:34 unterliegt. Weil unter anderem Sina Ehmann, deren Wechsel in die Klingenstadt zu diesem Zeitpunkt schon feststeht, im gegnerischen Team nicht zu stoppen ist.

Im November kommt es zum Wiedersehen beider Mannschaften, diesmal aber in anderer Konstellation. Kerstin Reckenthälers Truppe hat schon drei Miese auf dem Konto, geht mit zwei Zählern Rückstand in das Duell mit dem verlustpunktfreien Spitzenreiter aus Göppingen und läuft 30 Minuten lang der Musik größtenteils hinterher. Nichts deutet beim 14:20 zur Pause auf ein Erfolgserlebnis des Gastgebers hin. Aber dann! Die Solingerinnen kämpfen sich wieder ran, kommen Tor um Tor näher – und haben drei Sekunden vor Schluss einen letzten Freiwurf beim Stand von 30:31. Jetzt muss alles passen. Vanessa Brandt steigt hoch und packt eine ihrer berühmt-berüchtigten Fackeln aus. Der Ball schießt in die Maschen. Und während die Göppingerinnen, in der Hoffnung, die Zeit könnte bereits heruntergetickt sein, verzweifelt Richtung der Unparteiischen schauen, gibt es beim HSV kein Halten mehr. Die Klingenhalle steht kopf und feiert das 31:31-Remis wie einen Sieg.

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