Handball-Bundesliga

BHC: Das Konzept ist nach wenigen Minuten hinüber

Emil Hansson startete für den angeschlagenen Arnor Gunnarsson auf der rechten Außenbahn und war mit sechs Toren ein Lichtblick des Bergischen HC. Foto: Mathias M. Lehmann
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Emil Hansson startete für den angeschlagenen Arnor Gunnarsson auf der rechten Außenbahn und war mit sechs Toren ein Lichtblick des Bergischen HC.

Der Bergische HC kassiert beim SC Magdeburg einen frühen 0:7-Lauf und verliert 25:38 (12:18).

Aus Magdeburg berichtet Thomas Rademacher

Um beim Tabellenführer der Handball-Bundesliga eine Chance zu haben, muss es nahezu perfekt laufen. Das gilt fast immer für jede Mannschaft, doch insbesondere in dieser Saison, in der der SC Magdeburg herausragend agiert und mit zwei Minuspunkten die Spitze belegt. Dass der Bergische HC in der Getec-Arena bereits früh ganz und gar nicht für eine Überraschung in Frage kam, lag an einer verkorksten ersten Viertelstunde, in der die Löwen nicht nur mit dem Gegner und knapp 3500 Zuschauern zu kämpfen hatten. Es setzte eine 25:38 (12:18)-Niederlage.

Gleich beim ersten SCM-Tor durch Philipp Weber flog Max Darj für zwei Minuten vom Feld. Ihm folgten Lukas Stutzke, der beim Gegenstoß zum 2:1 von Omar Magnusson zu spät kam, und wenig später auch noch Simen Schönningsen, der erneut Weber entscheidend gefoult haben soll. Ob alle drei Hinausstellungen Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns Ramesh und Suresh Thiyagarajah waren? „Sicher bin ich mir da gar nicht“, haderte BHC-Trainer Sebastian Hinze. „Aber wir mussten es akzeptieren.“ Zumindest waren es kleinliche Pfiffe, die den BHC früh aus dem Konzept brachten und Magdeburg entsprechend auf den Weg halfen.

Unterstützt von zahlreichen technischen Fehlern – etwa durch Simen Schönningsen und Jeffrey Boomhouwer – sowie Fehlpässen von Linus Arnesson oder Lukas Stutzke gelang den Gastgebern ein 7:0-Lauf zum 10:3. Ein solcher Vorsprung gleicht sogar nach 15 Minuten bereits einer Vorentscheidung – zumindest wenn der krasse Außenseiter beim aktuell tonangebenden Team der Handball-Bundesliga zu Gast ist.

Da bin ich dann schon etwas angefressen.

Sebastian Hinze, BHC-Trainer, mit Blick auf die Schlussphase.

Was folgte, war Schadensbegrenzung. Tomas Babak absolvierte auf der Spielmacher-Position eine starke Partie. Der Tscheche hatte nicht nur ein gutes Auge für seine Mitspieler, er zog auch selbst mehrere Male erfolgreich durch. Emil Hansson, der den angeschlagenen Arnor Gunnarsson auf der Rechtsaußen-Position vertrat, kam häufiger frei zum Abschluss und nutzte viele dieser Chancen. Eine davon vollstreckte er mit einem spektakulären Dreher.

Doch die Gelegenheit zu einem Außenseiter-Sieg hatten die Bergischen zu keinem Zeitpunkt mehr. Zur Pause lagen die Löwen trotz einiger schöner Paraden von Christopher Rudeck bereits 12:18 hinten. Unbeirrt machte der Spitzenreiter danach weiter. Gerade defensiv bekamen die Gäste wenig Zugriff. Dazu dominierten die Hausherren das Geschehen, wenn sie ins Tempospiel kamen. Je länger die Partie dauerte, desto mehr mussten die Löwen darum kämpfen, den Rückstand unter zehn Treffern zu halten.

Aber auch dies gelang nicht. Hatte Alexander Weck zehn Minuten vor Schluss noch auf 23:31 verkürzt, ging der BHC danach komplett unter und verlor die Schlussphase noch mit 2:7. „Da bin ich dann schon etwas angefressen“, sagte Trainer Sebastian Hinze. „Wir hätten hier schon noch ein paar positive Dinge für uns mitnehmen können, ziehen dann aber in den letzten zehn Minuten nicht mehr durch.“ An der Niederlage hätte freilich auch ein konsequenterer Auftritt nichts mehr geändert. „Aber so endet das Spiel dann auch noch enttäuschend.“ Was auch an überragenden Magdeburgern lag, die bis zum Schluss gnadenlos weitermachten.

Rund um den BHC

Personal: Wie im Vorfeld erwartet musste der BHC auf drei Spieler verzichten: Yannick Fraatz (Corona), David Schmidt (Oberschenkelverletzung) und Kapitän Fabian Gutbrod (Schulterprobleme).

Erinnerung: Am Sky-Mikrofon gestand Trainer Sebastian Hinze, dass ihn der BHC-Erfolg in Magdeburg vor 17 Monaten doch noch bewegt. „Als wir ins selbe Hotel eingecheckt haben, kamen die Erinnerungen“, sagte Hinze.

Christopher Rudeck zeigte in der ersten Hälfte zwar ein paar schöne Paraden, musste aber dennoch unheimlich oft hinter sich greifen. Der Frustlevel war hoch.

Löwen treten nicht so auf wie sie sich vorgenommen haben: „Die Magdeburger müssen nie nachdenken“

Die Linie der Schiedsrichter fand bei Christopher Rudeck wenig Anklang. Das hatte der Torhüter des Bergischen HC in der ersten Halbzeit zum Ausdruck gebracht und dafür prompt die Gelbe Karte gesehen. „Magdeburg geht gerne Vollgas ins Eins-gegen-Eins, und wenn die Unparteiischen dann nicht helfen und beim vierten oder fünften Schritt unterbrechen, wird es schwierig, das zu verteidigen. Dafür ist die Qualität des Gegners zu hoch“, sagte der Keeper. Angesichts der deutlichen 25:38-Niederlage ließ Rudeck aber keinen Zweifel daran aufkommen, dass seine Mannschaft verdient ohne Punkte nach Hause fuhr: „Die Magdeburger müssen nie nachdenken. Wir haben nicht so gespielt, wie wir uns das vorgestellt hatten.“

Das stand auch für Tomas Babak fest, der mit sieben Toren zu den besseren BHC-Spielern gehörte. „Wir waren von Anfang an nicht ganz da“, ärgerte sich der Tscheche. „Da sind mir persönliche Leistungen dann auch erstmal egal.“ Der 0:7-Lauf gleich zu Spielbeginn sei entscheidend gewesen. „Wir machen als Profis natürlich weiter und glauben auch daran, dass noch etwas gehen kann. Aber letztlich muss man sagen: Ob Angriff, Abwehr, Rückzug, erste oder zweite Welle – wir waren in allen Bereichen des Spiels schlechter als der Gegner.“

Geschäftsführer Jörg Föste hob zumindest zwei positive Aspekte hervor: „Die Entschlossenheit von Tomas Babak und die Quote von Emil Hansson.“ Letztgenannter erzielte sechs Treffer, was seine Bestleistung in dieser Saison war. Als Team seien die Löwen allerdings vor allem im Angriff und bei Wechseln nicht wach genug gewesen. „Es war ein verdienter Sieg des SCM – auch in der Höhe“, zog Föste daher ein ernüchterndes Fazit. „Punkten müssen wir gegen andere – beispielsweise gegen Hannover.“ Die Niedersachsen kommen am Donnerstag (19.05 Uhr) in die Klingenhalle.

Kommentar: Kein Wunder 2.0

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Unvergessen ist der Tag des Restarts in der Handball-Bundesliga vor mehr als 17 Monaten. Auf den 1. Oktober 2020 hatte der Bergische HC genauso wie der SC Magdeburg hingefiebert. Auch damals waren die Ostdeutschen hoch favorisiert, doch der BHC sprengte die Party und gewann 31:27. Es war ein kleines Handballwunder und gleichzeitig ein historischer Tag für die Löwen. Und so ein ganz kleines bisschen war auch diesmal die Hoffnung da, dass die Bergischen dem inzwischen noch stärkeren SCM einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Was wäre das für eine Geschichte gewesen, wenn ausgerechnet der BHC als erstes Auswärtsteam in dieser Saison die Getec-Arena geknackt und damit das Wunder wiederholt hätte. Doch solche Tage sind eben auch deshalb geschichtsträchtig, weil sie so ungemein selten sind. Daher ist die Partie trotz mäßiger Leistung wohl einfach und schnell abzuhaken.

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