Frauenhandball

Das Ende stimmt dann doch alle versöhnlich

Auf ein baldiges Wiedersehen in der Klingenhalle: HSV-Trainerin Kerstin Reckenthäler gratulierte Sina Ehmann zu ihrer tollen Vorstellung. Fotos (2): Lars Breitzke
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Auf ein baldiges Wiedersehen in der Klingenhalle: HSV-Trainerin Kerstin Reckenthäler gratulierte Sina Ehmann zu ihrer tollen Vorstellung.

HSV verliert Top-Spiel mit 32:34.

Von Lutz Clauberg

Das Herz schien den Gräfratherinnen mit dem Anpfiff in die Hose gerutscht zu sein. Die erstligareife Kulisse, alles war am Samstagabend gegen Frisch Auf Göppingen eine Nummer größer als sonst. Ein Top-Spiel, in dem es schlicht und einfach darum ging, die Tabellenführung zu verteidigen und im Titelkampf ein weiteres Ausrufezeichen zu setzen. Druck eben. „Den ich nicht vermittelt habe“, sagte Trainerin Kerstin Reckenthäler nach dem 32:34 (11:19) vor offiziell 750 Zuschauern, „sich aber offensichtlich einige gemacht haben. Und damit nicht klar gekommen sind.“

„Der Rückstand war einfach zu groß.“

HSV-Torjägerin Vanessa Brandt

Dennoch schnupperte der vom gegen die Füchse Berlin siegreiche VfL Waiblingen verdrängte Ex-Spitzenreiter dank eines phänomenalen Schlussspurts an einem Punktgewinn. Knapp 20 Sekunden vor Ultimo setzte Hannah Kamp einen Heber an den Pfosten – ein 33. HSV-Tor hätte womöglich ein Wunder in der Klingenhalle Realität werden lassen. So oder so: Das Ende stimmte versöhnlich – danach sah es bis zum 21:31 überhaupt nicht aus.

Haupttorschützin Vanessa Brandt hat hier – beobachtet von Lisa Borutta und Carina Senel – eine Lücke gefunden. Sie scheiterte aber auch einige Mal an der famosen Göppinger Torhüterin Oliwia Kaminska.

„Wir haben 50 Minuten super gespielt“, sagte der sehr aufgeräumte Göppinger Trainer Nico Kiener. „Unsere Taktik ist voll aufgegangen.“ Ohne gelernte Linksaußen, ohne Linkshänderin Klara Schlegel (Kreuzbandriss) und ohne die kranke Haupttorschützin Janne-Lotta Woch schockte der neue Tabellendritte und nach Minuspunkten am besten aufgestellte Favorit den arg passiven HSV mit einer zunächst perfekten Ausbeute. Die dynamische Sina Ehmann lief zu großer Form auf. „Das beste am Spiel war, dass sie nächste Saison bei uns spielt“, lobte Kerstin Reckenthäler den HSV-Neuzugang, der an nahezu jeder guten Aktion beteiligt war und in der Deckung ebenfalls Großartiges leistete. Auf dem gleichen Niveau agierte die Schweizer Nationalspielerin Louisa Wolf – vorne als Ideengeberin und Torschützin sowie hinten als direkte Gegenspielerin von Cassandra Nanfack. Die sonst so zweikampfstarke Halbrechte sah kaum Land. „Das hatten wir uns so vorgenommen“, meinte Kiener. „Die Tore von Vanessa Brandt waren einkalkuliert.“

Der HSV erholte sich vom blitzschnellen 0:4-Rückstand (5. Minute) zunächst prima, schaffte es aber nur, mehrmals auf ein Tor zu verkürzen. Nach dem 6:7 war Göppingen wieder komplett am Drücker. Auch, weil Oliwia Kaminska eine herausragende Leistung zwischen den Pfosten zeigte. Die Überlegenheit des in der Breite beeindruckend stark besetzten Gastes setzte sich bis zur 50. Minute fort.

Dann aber ging es Schlag auf Schlag. Die 5:1-Deckung mit Vanessa Brandt auf der Spitze sorgte für Balleroberungen. Jule Polsz ging energisch in jede Lücke und streute sehenswerte Treffer ein. Plötzlich wankte Göppingen. Brandt legte nach. Nanfack zeigte mit drei Treffern in Serie, warum sie so wichtig für den HSV ist. Natascha Krückemeier hielt Bälle. Die Klingenhalle war on fire. Brandts Treffer zum 31:33 machte Hoffnungen – die Lisa Frey mit ihrem Durchbruch in offener „Manndeckung“ zunichte machte. Letztlich reichte die Zeit nicht mehr.

„Der Rückstand war einfach zu groß“, räumte Torjägerin Vanessa Brandt ein. „In der ersten Halbzeit haben wir einfach zu schlecht und nicht hart genug verteidigt.“ Die „Spielerin des Spiels“ Sina Ehmann war natürlich überglücklich: „Wir sind auswärts weiter ungeschlagen, das hatten wir uns vorgenommen. Probleme hatten wir erst mit der 5:1-Deckung des HSV. Da haben wir zu viele Fehler gemacht.“ Dass die Gräfratherinnen bei ihrer ersten Heimniederlage über weite Strecken chancenlos waren, ärgerte die Trainerin sehr. „Zu ängstlich, ohne Selbstvertrauen, im Zentrum haben wir im Verbund schlecht verteidigt“, lautete Reckenthälers Urteil über die erste Halbzeit. Der 14:5-Lauf ab Minute 45 stimmte aber auch sie wieder versöhnlich.

HSV: Krückemeier, Gün; Brandt (11, 1), Nanfack (6, 2), Polsz (5), Reinarz (5), Kamp (3), Senel (1), Weyh (1), Penz, Jörgens, Tesche

Göppingen: Kaminska, Bocka; Ehmann (8), Wolf (8, 4), Wyder (4), Borutta (4, 1), Brugger (3), Tinti (2), Krhlikar (2), Frey (1), Hrbkova (1), De Bellis (1), Scherer

2. Bundesliga

Stefan Bögel: Für den Macher des HSV stellt die Niederlage keinen Beinbruch dar. „Wir haben uns erstligareif präsentiert, das haben mir ganz viele Leute bestätigt.“ 750 Zuschauer bedeuten Saisonrekord. Bögel: „Das zeigt, dass Frauenhandball in Solingen funktioniert.“

Merit Müller: Die HSV-Rechtsaußen musste coronabedingt passen. Auch Jette Clauberg war nicht im Kader, schaute aber zu.

Michaela Hrbková: Göppingen reaktivierte die Bundesliga-Torschützenkönigin 2017, die 34-Jährige sorgte mit zwei Kurzeinsätzen pro Halbzeit für Entlastung.

Michael Biegler: Der weitgereiste Trainer und HSV-Freund weilte ebenso unter den Zuschauern wie HSV-Neuzugang Pia Adams. Die Rückraumspielerin war am Sonntag mit Sachsen Zwickau bei der HSG Blomberg-Lippe im Einsatz war.

Lisa Kunert: Am kommenden Samstag trifft der HSV in Lintfort auf den dritten bereits feststehenden Neuzugang.

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