Fußball

Daniel Redmer: Wenn Schalke anruft, geht er nicht dran

Als Trainer des TSV Aufderhöhe durfte Daniel Redmer 2017 zu einem Meisterschaftsheimspiel in der Veltins-Arena antreten. Unter Profibedingungen in der Schalker Kabine schwor der Coach sein Team auf das Duell gegen Dormagen ein und hatte Erfolg – der TSV gewann 2:0. Foto: Moritz Alex
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Als Trainer des TSV Aufderhöhe durfte Daniel Redmer 2017 zu einem Meisterschaftsheimspiel in der Veltins-Arena antreten. Unter Profibedingungen in der Schalker Kabine schwor der Coach sein Team auf das Duell gegen Dormagen ein und hatte Erfolg – der TSV gewann 2:0.

Der ehemalige Knipser trainiert jetzt Kinder und setzt dabei auch auf die Vermittlung von Werten und Grundtugenden.

Von Timo Lemmer

Auch in Diensten des VfB Solingen bewies Daniel Redmer Woche für Woche seinen Torhunger.

Daniel Redmer hat sein kleines Stück Fußballglück gefunden: Der 41-Jährige trainiert inzwischen seit anderthalb Jahren den Jahrgang 2014 beim TSV Solingen. Begonnen hatte es wie so oft: Einer der Elternteile sollte es machen. Inzwischen hat Redmer riesigen Gefallen an der Aufgabe gefunden. „Für das Alter sind echt ein paar Jungs dabei, die schon sehr, sehr gut mit dem Ball umgehen können“, schwärmt der Coach. Und auch als Vater ist Redmer begeistert, denn Sohn Ben hat augenscheinlich einiges geerbt: „Er hat tatsächlich einen linken Fuß, und auch die Schusstechnik passt schon ganz gut. Daran ist aber auch Corona nicht ganz unschuldig. Als man im ersten Lockdown quasi nichts machen konnte, sah unser Garten hier in Aufderhöhe aus wie ein reiner Bolzplatz.“

„Ich glaube, ich bin in der Arena der einzige verlustpunkt- und gegentorfreie Trainer.“

Daniel Redmer

Es ist das, was Redmer an der Arbeit mit Kindern fasziniert: Die Begeisterung für das Spiel, das Ursprüngliche – niemand verkörpert das besser als seine 2014er Jungs. In der eigenen Betätigung hat Redmer, der zuletzt 2019/20 mit Michael Becker Trainer bei den Männern des Post SV Solingen war, eben dieses Ursprüngliche in den vorigen Jahren immens vermisst. Der Ex-Stürmer geht sogar so weit, zu sagen: „Mit dem Seniorenfußball habe ich erstmal abgeschlossen. Ich will nicht sagen, dass mir daran komplett die Lust vergangen ist, aber die Zeiten und Charaktere haben sich einfach geändert.“

Daniel Redmer war schon in jungen Jahren als Stürmer des damaligen BSC Aufderhöhe brandgefährlich.

Eine Anekdote aus seiner Trainerzeit, die 2014 beim VfB Solingen 2 begann und ihn später auch zum TSV Solingen führte, stehe nur exemplarisch dafür: „Zum Treffpunkt kam mal ein 19-jähriger Spieler, der die Nacht offensichtlich sonst wo verbracht hat, mit offener Tasche und nur einem Schuh. Er ist dann auf die Suche gegangen und kam zehn Minuten vor dem Anpfiff zurück.“ Da er zu dieser Zeit einen Mini-Kader hatte, konnte nicht mal eine Bestrafung her. Redmer: „Als ich angefangen habe, hätten uns damals die älteren Spieler gehörig die Ohren langgezogen.“ In der heutigen Generation seien gewisse Grundtugenden – und sei es nur Pünktlichkeit – nicht mehr so ausgeprägt wie damals: „Ich versuche jetzt, diese Werte, die ich über den Fußball gelernt habe, an die Kinder zu vermitteln. Sei es das Gruppengefühl, das man auch außerhalb des Platzes etwas zusammen macht, oder einfach, dass man im Mannschaftssport seinen Mitspielern gegenüber auch Pflichten hat.“

Dabei denkt Redmer, jahrelang der Goalgetter im Solinger Fußball und bis heute mit unfassbarer Klebe gesegnet, nicht nur an seine Spieler-Jahre gerne zurück. Mit Bezirksligist TSV Solingen sei er damals zum Beispiel im absolut Guten auseinandergegangen: „Da gibt es ja auch Erinnerungen, die einem niemand mehr nimmt. Wenn ich allein an das Schalke-Spiel denke.“

Als Gewinner eines Preisausschreibens sahnte der TSV unter Redmer ein Heimspiel in der Bundesliga-Arena ab und schlug dann dabei Dormagen 2:0. „Ich glaube, ich bin in der Arena der einzige verlustpunkt- und gegentorfreie Trainer. So einen suchen sie auf Schalke noch heute. Aber bei der Telefon-Vorwahl 0209 gehe ich nicht dran“, flachst Redmer.

Stattdessen gehört er jetzt zur Clique vieler (Ex-)Aufderhöher, die regelmäßig auf der Kiefernstraße Tennis spielen. So hatte es Redmer, ehe er den Fokus voll auf den weißen Ball gelegt hatte, auch schon in der Jugend getan. Und auch die letzte, eigene Aktivität im Fußball könnte bei Redmer enden, wenn die pausierte Spielzeit einmal weitergehen sollte: Im Hobbyfußball hielt der Knipser bei Birkenweiher bis zuletzt seinen Ein-Tor-pro-Spiel-Schnitt. „Hobbyliga montags war immer toll. Da bist du meistens erst dienstags nach Hause gekommen“, stehen auch im aktuellen BW-Team die Aktivitäten rund um den Sport im Fokus. „Aber wenn es mal weitergeht, habe ich vielleicht anderthalb Jahre nicht auf dem Platz gestanden, bin dann 42 Jahre alt. Vielleicht lasse ich es dann allein aus Sicherheitsgründen lieber sein.“

Daniel Redmer

Geboren am 1. November 1979, war der einst gefürchtete Torjäger (unter anderem beim Sport-Ring, VfB oder dem damaligen BSC Aufderhöhe) zuletzt 2018 eine Halbserie Trainer des Post SV. Nach ersten Trainererfahrungen beim VfB Solingen 2 war er 2016 zum TSV Aufderdöhe (heute TSV Solingen) gekommen.

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