Lockerungen in Aussicht

Corona stellt Sportler vor immense Herausforderungen

Fußball für Kinder bis 14 Jahre ist laut neuer Verordnung denkbar. Dafür müssten die städtischen Anlagen geöffnet werden. Foto: Christian Beier
+
Fußball für Kinder bis 14 Jahre ist laut neuer Verordnung denkbar. Dafür müssten die städtischen Anlagen geöffnet werden.

Lockerungen sind zwar in Aussicht gestellt, doch die Spielräume sind weiterhin gering – speziell Teamsportler leiden.

Von Thomas Rademacher und Jürgen König

Die Eishockey-Saison beim EC Bergisch Land ist mit Ausnahme von ein paar Trainingseinheiten komplett ausgefallen. Der Nachwuchs hat damit ein ganzes Jahr in seiner Entwicklung verloren.

Der Fahrplan der Bundesregierung ist die Basis, mit der Sporttreibende in diesen Tagen planen können – oder eben auch nicht. Denn die beschlossenen sportlichen Lockerungen treten abhängig vom entsprechenden Inzidenzwert des Landes in beziehungsweise außer Kraft. Da der Wert in NRW am Freitag bei 69,9 lag, sind die Ausnahmen vom Sportverbot in der ab Montag geltenden Corona-Schutzverordnung entsprechend spärlich. Weitere Öffnungsschritte erfolgen nur, wenn sich die Zahlen nicht verschlechtern – die landesweite Inzidenz also nicht über die 100er-Marke ansteigt. Was bedeutet die aktuelle Lage für Solingens Sportler?

Einer von Solingens führenden Sportpolitikern ist unzufrieden. „Der große Wurf für den Sport ist sicherlich nicht gelungen“, sagt Ernst Lauterjung (SPD) und wird das Thema in der kommenden Sitzung des Sportausschusses, dessen Vorsitz er innehat, in einem gesonderten Tagesordnungspunkt beleuchten. Lauterjung weist aber ebenso auf die Verantwortung hin: „Wir müssen die Gefahr für die Menschen weiterhin zur Kenntnis nehmen.“

Immerhin: Für Individualsportler im Freien herrscht zumindest weitgehend Klarheit. „Wir gehen davon aus, dass es beim Tennis draußen erstmal bei maximal fünf Personen aus zwei Haushalten oder einigen Trainingskindern bleibt. Aber auch darüber sind wir schon glücklich“, setzt Simone Backhaus als Vorsitzende des STC 02 auf weitere geöffnete Plätze, die gerade präpariert werden. Diesbezüglich zeigt sich der TC Ohligs 1914 noch zurückhaltend, will erst die angesagte Frostperiode abwarten. Anfang April hofft man an der Kiefernstraße auf Tennis im Freien, ab dem 22. März auch in der Halle. „Auch daran haben wir natürlich großes Interesse“, sagt Sportwart Christian Darmann. Doch wer trägt die Verantwortung und auch Haftung für Tests und deren Ergebnisse? Nicht nur das Tennis-Duo aus Widdert und Ohligs tappt diesbezüglich im Dunkeln.

„Einen fairen Wettbewerb wird es nicht geben.“

Peter Niemeyer, Solingen Alligators

Abgehakt hat man die Eishockey-Saison, die nur vorübergehend von ganz wenigen Einheiten auf dem Eis geprägt war. „Einen Spielbetrieb wird es nicht mehr geben, von daher macht es wenig Sinn, das Eis noch aufzubereiten. Zumal Mitte April ohnehin Schluss wäre“, gibt sich Wolfgang Lingen keinen Illusionen hin. Der Vorsitzende des EC Bergisch Land sieht zudem die Beschlüsse: „Trotz Lockerungen wird es ja nicht so sein, dass in Kürze alles stattfinden kann.“ Lingen befürchtet fürs Eishockey, aber auch für den gesamten Sport, dass man allen virtuellen Bemühungen zum Trotz um ein komplettes Jahr zurückgeschmissen werde – und denkt dabei besonders an den Nachwuchs.

Warten und Bangen bei den Solingen Alligators. Der Baseball-Bundesligist darf nach wie vor nicht trainieren.

Der könnte allerdings im Fußball und in anderen Freiluftsportarten zeitnah wieder auf dem Platz stehen. An Wettkämpfe ist zwar nicht zu denken, doch für Gruppen bis zu 20 Kindern bis einschließlich 14 Jahre sieht die Verordnung eine Ausnahme vor. „Das sind generell erstmal gute Neuigkeiten“, sagt Rafael Naczynski, Jugendleiter des Post SV. „Wir sind derzeit mit anderen Vereinen dabei, eine Lösung zu finden, damit wir unsere Sportplätze öffnen können.“ So sind die Verantwortlichen der Post dazu bereit, ihren Platz zu bestimmten Zeiten aufzuschließen und die Einhaltung der Regeln zu überwachen. „Das Konzept sieht vor, den Zugang zu kontrollieren, das Angebot aber an alle zu richten. So könnte sich unabhängig von einer Vereinszugehörigkeit jeder anmelden, um den Platz zu nutzen“, erläutert der Jugendleiter. „Wir sind schließlich ein gemeinnütziger Verein. Durch diese Möglichkeit könnte es nebenbei ja auch gelingen, neue Mitglieder zu werben.“ Naczynski hofft, dass möglichst viele Vereine bei dem Projekt dabei sind: „Sonst besteht die Gefahr, dass wir überlaufen werden.“ Denn: Eigenverantwortlich wird die Stadt ihre Fußballplätze mangels Personal nicht öffnen.

Dasselbe gilt auch für die Baseball-Anlage am Weyersberg. „Wir könnten die Öffnung bei der Stadt beantragen, dürften mit unserem Bundesliga-Team aber weiterhin nicht normal trainieren“, erläutert Peter Niemeyer, Vorsitzender der Solingen Alligators. „Zu zweit wäre es denkbar. Aber dann müssten wir aufpassen, dass die Paare jeweils Abstand voneinander halten. Das ist schon dann kaum umzusetzen, wenn nur mal ein Ball irgendwo landet, wo er nicht hin soll.“

Niemeyer hält einen Trainingsbeginn ab dem 22. März für realistischer. Dann soll, so sich der Inzidenzwert nicht drastisch verschlechtert, Kontaktsport außen wieder möglich sein – eventuell wird dazu ein tagesaktueller Schnelltest nötig sein. Die Saison in der 1. Bundesliga geht eigentlich Anfang April los. „Im Süden trainieren fast alle Teams schon länger. Dort wird das wohl wirklich passieren“, meint Niemeyer. In der Nord-Gruppe indes wird man wohl erst Mitte Mai starten und dann nur die Rückrunden-Spiele absolvieren. „Die Lage ist vertrackt“, sagt der Vorsitzende. „In Bonn und Paderborn sind sie schon lange aktiv. Andere haben erhebliche Rückstände. Einen fairen Wettbewerb wird es nicht geben.“ Dass es in dieser Saison keine Absteiger geben wird, ist daher so gut wie beschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Beim TC Ohligs entwickelt sich einiges
Beim TC Ohligs entwickelt sich einiges
Beim TC Ohligs entwickelt sich einiges
Sportvereinigung drängt mit Macht aufs Finale
Sportvereinigung drängt mit Macht aufs Finale
Sportvereinigung drängt mit Macht aufs Finale
Trainer-Trio genießt die Atmosphäre
Trainer-Trio genießt die Atmosphäre
Trainer-Trio genießt die Atmosphäre
Fontaine zieht es nach Nordhorn
Fontaine zieht es nach Nordhorn
Fontaine zieht es nach Nordhorn

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare