Sport-Gala

Als Corona den Solinger Sport erfasst

29. Februar 2020: Die heile Welt des Solinger Sports im ausverkauften Konzertsaal – danach war Schluss mit Großveranstaltungen. Foto: Christian Beier
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29. Februar 2020: Die heile Welt des Solinger Sports im ausverkauften Konzertsaal – danach war Schluss mit Großveranstaltungen.

Mit der Sport-Gala fängt ein neuer, nie vorstellbarer Abschnitt an - auch für den ST-Redakteur.

Von Jürgen König

Es ist der Vorabend der Sport-Gala, als Corona mit aller Wucht in mein Leben eintritt. Am nächsten Tag soll das große Solinger Event stattfinden, auch für die ST-Sportredaktion ist es stets einer der Höhepunkte im Jahr. Alle Vorarbeiten sind erledigt. Routine, was die 36. Auflage der Sportlerwahl angeht. Spannung mit Blick auf die erstmalige Live-Übertragung ins heimische Wohnzimmer. Dazu hat sich das ST mit seinen Partnern Stadt und Sportbund entschieden, weil die 24. Gala frühzeitig ausverkauft war. Die Vorfreude auf einen gigantischen Abend im bis auf den letzten Platz gefüllten Konzertsaal ist riesig. Nicht nur bei mir.

31. Oktober 2020: Höchste Sicherheitsauflagen in einer Klingenhalle ohne Zuschauer – ST-Sportredakteur Jürgen König beim BHC.

Die spätabendliche Ruhe am vorherigen Freitag erfährt dann eine Störung, wie ich sie nie für möglich erachtet hätte. Mein Chefredakteur ruft an und bringt seine Besorgnis angesichts der Zusammenkunft von über 600 Menschen zum Ausdruck – von einem Mund-Nase-Schutz spricht an diesem 28. Februar und auch einen Tag später am Gala-Tag noch keiner. Stefan Kob teilt mir das Ergebnis der ST-Geschäftsleitung-Zusammenkunft mit, wonach im Verlagsgebäude noch Plakate gedruckt werden. „Lächeln erlaubt, aber auf das Händeschütteln bitte verzichten“ – so lautet die eindeutige Botschaft.

Nahezu zeitgleich hat sich ein „Krisenstab“, der damals noch kein echter ist, gebildet. Unter anderem mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und dem Solinger Sportbund, vertreten durch Detlef Wagner sowie Karen Leiding. Kann man so viele Leute in einem geschlossenen Rahmen zusammenkommen lassen? Die Karnevalssitzung von Gangelt im Kreis Heinsberg, Ursache der ersten größeren Ausbreitung von Covid-19, ist in den Köpfen.

Die Entscheidung fällt, die Gala kann starten. Ich bringe das Gedruckte schon früh am Samstag ins Theater und Konzerthaus. Und tue es zu einem Zeitpunkt, wo ich auf möglichst wenige Gala-Mitstreiter treffe – die Freude an Diskussionen fehlt. Überzogen finde ich die Aktion, ich sollte mich total irren.

„Die Lage sondiert, zur Vorsicht gemahnt, aber nicht den Hauch von Panik aufkommen gelassen.“
ST-Kommentar zur Sport-Gala

Gemeinsam mit Tim Kurzbach und Detlef Wagner eröffne ich am Abend die Gala mit kurzen Reden auf der Bühne. Betrete eben jene und reiche als Erstes dem OB die ausgestreckte Hand entgegen. Vergeblich, genau das soll ja nicht passieren. Damals völlig ungewohnt, schon bald darauf wird der Verzicht aufs Händeschütteln sogar im Familien- und Freundeskreis ganz normal. Weit über Solingen sowie Deutschland hinaus. Und wer weiß, vielleicht auf Dauer.

Derweil wird die Sport-Gala der hohen anfänglichen Nervosität beim ST-Sportredakteur zum Trotz ein Volltreffer, was auch dem tatkräftigen Mitwirken der Paladins-Footballer als viertem Partner zuzuschreiben ist. Und dennoch beginnt an diesem 29. Februar eine ganz schlimme Zeit. Auch für den Sport, wenngleich es selbstverständlich wichtigere Dinge gibt. AHA-Regel, Systemrelevanz, Homeoffice, Maskenpflicht, Lockdown, Zoom-Konferenz und immer wieder Corona – zuvor eher fremde Vokabeln entern unseren Alltag. Bis heute und auch im neuen Jahr.

Und was macht der Sport? Schon bald fährt er notgedrungen sein komplettes Programm runter, kommuniziert über Online-Plattformen. Eine Saison nach der anderen wird abgebrochen, wobei es keinen Unterschied gibt zwischen dem Kreisliga-C-Kicker und dem Handball-Bundesliga-Profi des Bergischen HC. Die Vereine mühen sich nach Kräften, um ihrem Anspruch und den Partnern wenigstens einigermaßen gerecht zu werden. Ob sich der enorme Aufwand lohnt, wird man wohl erst im Laufe des Jahres 2021 sehen, wenn die Mitgliederzahlen bereinigt sind und die wirtschaftlichen Ergebnisse vorliegen.

„Die Lage sondiert, zur Vorsicht gemahnt, aber nicht den Hauch von Panik aufkommen gelassen. So soll es sein.“ Es ist die Schlusssequenz meines Kommentars, den ich für die Montag-Ausgabe am 2. März schreibe. Viele Kommentare meiner Kolleginnen und Kollegen folgen. Auch kritische, denn das richtige Maß zwischen Notwendigkeit und tatsächlicher Handlung wird nicht immer erreicht. Leider auch nicht im Sport, wo mit viel Aufwand erstellten und schlüssigen Hygienekonzepten eine zu geringe Aufmerksamkeit geschenkt wird. Beim BHC, im Fitness-Studio, in etlichen Solinger Vereinen.

Die Sport-Gala 2021 ist abgesagt. Eine Planung hat sich angesichts der gebotenen Vorsicht nicht als realistisch herausgestellt, zu wählende oder ehrende Personen und Teams sind Mangelware. Selbst die Suche nach einem späteren Ersatztermin mit einer stark abgespeckten Variante stellt sich als schwierig dar. Wie es generell sehr komplex ist, ein Ereignis im kommenden Jahr auf die Beine zu stellen.

Die Gier nach der Selbstverständlichkeit

Corona hat uns demütig gemacht, die Gier nach eigentlich selbstverständlichen Dingen wie bei einem BHC-Heimspiel in der ausverkauften Klingenhalle ohne FFP2-Maske zu sitzen, Interviews ohne Distanz zu führen, vorher die Bratwurst und später das Bier zu genießen – diese Gier ist groß. Und sie ist das vorläufige Ende einer Entwicklung, die für mich am Abend des 28. Februar begonnen hat.

Das Sport-Jahr

Rückblick: Den wird es im ST-Lokalsport in diesem Jahr in klassischer Form eher nicht geben. Wir werfen trotz Corona einen Blick auf das ganz spezielle 2020 – am 30. Dezember.

Momente: Was waren die bewegendsten Augenblicke für die Sportredaktion? Beim BHC-Spiel, auf dem Fußballplatz oder vielleicht abseits des Wettkampfbetriebs? Auflösung folgt am 31. Dezember.

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