Handball

Corona-Frust trübt die Liga-Freude

Bange Blicke nach oben: Mandy Reinarz (von vorne), Carina Senel, Cassandra Nanfack und Luca Tesche hoffen, dass sich bald wieder das Publikum vor Ort von den HSV-Fähigkeiten überzeugen kann. Foto: Moritz Alex
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Bange Blicke nach oben: Mandy Reinarz (von vorne), Carina Senel, Cassandra Nanfack und Luca Tesche hoffen, dass sich bald wieder das Publikum vor Ort von den HSV-Fähigkeiten überzeugen kann.

Bilanz und Perspektive zu Frauen-Zweitligist HSV Solingen-Gräfrath.

Von Jürgen König

Solingen. Stefan Bögel ist ehrlich, wenn er in der Rückschau das Handball-Jahr 2020 des HSV Solingen-Gräfrath einordnet. „Ob es ohne den Abbruch zum Klassenerhalt gereicht hätte, ist schwierig zu sagen. Von daher war die Einstellung des Spielbetriebs in der vergangenen Saison schon glücklich für uns“, sagt der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH des Frauen-Zweitligisten. Fakt ist, dass aus einem Abstiegskandidaten in dieser Spielzeit ein starkes Team wurde, das sich hinter den vier Top-Clubs eingenistet hat. „Von daher kann man nicht unzufrieden sein“, sieht Bögel viel mehr Lockerheit in den Reihen und deutlich attraktiveren Handball. „Letztlich gab es nur ein Rumpelspiel“, so sein Fazit – ausgerechnet kürzlich beim Saisonfinale mit dem deutlichen 24:38 in Waiblingen.

Die akribische Arbeit von Trainerin Kerstin Reckenthäler ist ein Schlüssel zum Erfolg. Frühzeitig waren die meisten Weichen über das kommende Saisonende hinaus gestellt – möglich ist sogar, dass der komplette Kader inklusive der noch nicht eingesetzten Melina Fabisch auch 2021/22 das rot-weiße Trikot tragen wird. „Wir werden alles noch analysieren und gegebenenfalls eine gezielte Verstärkung vornehmen“, stellt Stefan Bögel eine qualitative Aufwertung in Aussicht, betont aber ganz klar die wirtschaftliche Machbarkeit. „Harakiri-Aktionen wird es nicht geben.“

„Beim großen Rest und bei der Jugend sieht es düster aus.“

Stefan Bögel, Geschäftsführer der HSV-Spielbetriebs-GmbH

Die Pandemie hat den HSV in seinen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Anfangs der Saison durften noch bis zu 300 Zuschauer in die Klingenhalle kommen, dann war auch damit Schluss. „Die vergangene Saison haben wir gut hingekriegt, aber dieses Jahr haut richtig rein“, weiß Stefan Bögel, dass der Verein den Gürtel noch enger schnallen muss. Gerade die sportlichen Erfolge hätten für eine große Resonanz auf den Rängen gesorgt, aber auch am 9. Januar im Spitzenspiel gegen Tabellenführer Füchse Berlin wird die Null stehen – und damit fehlt einmal mehr Geld. Im Schnitt dürften es 3000 Euro sein, die dem HSV aufgrund der Besuchersperre pro Spiel durch die Lappen gehen. Und natürlich geht auch bei dem einen oder anderen wirtschaftlichen Partner einiges an Substanz verloren. Bögel: „Es wird sehr schwierig, gerade auch durch den erneuten Lockdown.“

Stefan Bögel ist auch Trainer des HSV-Männer-Teams, das sich den Aufstieg in die Landesliga zum Ziel gesetzt hat.

Die Pandemie ist zudem in anderer Hinsicht ein Begleiter. So sieht sich der Manager durchaus bestätigt, in schweren Zeiten wie diesen Sport bieten zu können. „Wir sind mit den 14 Mannschaften gut auf Kurs“, betont er – wohl wissend, dass auch die Gräfratherinnen von Corona-Erkrankungen heimgesucht waren. Das ist Schnee von gestern, Stefan Bögel und seine Mitstreiter im Vorstand richten den Blick nach vorne und gehen davon aus, dass vor Ende März keine Zuschauer in die Sporthallen dürfen. Die Alternative: das Streaming-Angebot bei Sportdeutschland.TV. Die Übertragung gegen Rödertal hat gute Zahlen erbracht, in der Rückrunde sollen alle Heimbegegnungen des Tabellenfünften übertragen werden. „Wir arbeiten intensiv an einer technischen Aufwertung, das wird sich dann schon gut sehen lassen können“, verspricht Stefan Bögel ein anspruchsvolles Format.

Mehr Sorgen bereitet ihm das Geschehen rund um den Nachwuchs und damit um die Sportart insgesamt. „Wir selbst dürfen uns glücklich schätzen, zu spielen, aber beim großen Rest und bei der Jugend sieht es düster aus“, fehlen dem Geschäftsführer zum Beispiel Initiativen im Handballkreis. „Wir haben keine Arbeitsgemeinschaften, kein Training – da ist ein Aderlass zu befürchten“, wünscht sich der 55-Jährige mehr Kommunikation auf verschiedenen Ebenen.

Dies läuft beim Aushängeschild bestens, auch ohne Publikum sind beispielsweise die Heimspiele eine runde Sache. Stefan Bögel mahnt dennoch: „Wir müssen uns strukturell besser aufstellen.“ Und das für die 2. Bundesliga – Corona zum Trotz.


Corona

Hygienekonzept: Zum Spitzenspiel gegen Berlin findet auch beim HSV erstmals eine kostenträchtige Corona-Testung statt. Stefan Bögel sieht gute Konzepte auf internationaler Basis – derzeit bei der EM der Frauen und auch bei der WM der Männer.

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