Fußball

Kevin Brechmann schafft den Durchbruch

Eine klasse Technik ist es, die Kevin Brechmann neben seiner Geschwindigkeit und seinem Zug zum Tor unter anderem auszeichnet. Dadurch ist die Fortuna auf ihn aufmerksam geworden. Foto: Christian Verheyen
+
Eine klasse Technik ist es, die Kevin Brechmann neben seiner Geschwindigkeit und seinem Zug zum Tor unter anderem auszeichnet. Dadurch ist die Fortuna auf ihn aufmerksam geworden.

Der Solinger Fußballer strebt nach dem Wechsel zu Fortuna Düsseldorfs U23 eine Profi-Karriere an.

Von Fabian Herzog

Es hat etwas von einem modernen Fußball-Märchen. Eigentlich hatte Kevin Brechmann geplant, in diesem Sommer im Ketzberger Kindergarten eine Ausbildung zum Erzieher zu beginnen. „Ich wollte immer schon etwas mit Menschen machen“, erzählt der 19-jährige Solinger. Doch stattdessen lebt er seit wenigen Wochen einen ganz anderen Traum: den von einer Profikarriere. Brechmann hat bei Fortuna Düsseldorf einen Vertrag bis Sommer 2023 unterschrieben und ist seitdem Teil der U23, die in der Regionalliga spielt.

Zu verdanken hat er dies einer kometenhaften Entwicklung. Beim VfB Hilden schaffte Brechmann im vergangenen Jahr den Sprung von der U19 direkt in die erste Mannschaft. Also von der Jugend-Niederrheinliga in die Senioren-Oberliga. „Ich habe in der Sommer-Vorbereitung gut und viel gespielt“, erzählt der Rechtsfuß, der sich im linken offensiven Mittelfeld am wohlsten fühlt. Auch in der Meisterschaft bekam er das Vertrauen von Trainer Tim Schneider geschenkt und zahlte dies zurück. Bis zum Winter schoss er in zwölf Spielen fünf Tore und bereitete drei weitere Treffer vor. Von Anpassungsschwierigkeiten keine Spur. „Es lief einfach“, sagt er lächelnd.

Auch Rückschläge steckte Brechmann weg. Als er mal auf der Bank landete, ließ er nicht den Kopf hängen, sondern kämpfte sich zurück. „Das kannte ich aus der Jugend nicht“, erzählt der talentierte Fußballer, „habe mich dann aber schnell wieder gefangen.“ Vor allem stellte er ein Gefühl fürs perfekte Timing unter Beweis. Als Brechmann am neunten Spieltag mit dem VfB bei der Spvg. Schonnebeck zu Gast war, steckte ihm im Vorfeld ein Mitspieler, dass ein Düsseldorfer Scout vor Ort sein würde. Prompt erzielte er seinen zweiten Saisontreffer.

Wenige Wochen später bekam er die Anfrage wegen eines Probetrainings Anfang Januar. Dort profitierte er von einer anderen Eigenschaft: „Wenn ich Fußball spiele, bin ich eigentlich nie nervös. Dann mache ich einfach mein Ding.“ Damit wusste er derart zu überzeugen, dass die Fortuna ihn sofort und nicht wie zuerst angedacht im Sommer verpflichten wollte. „Das ging plötzlich alles sehr schnell“, erzählt Brechmann, der nicht lange überlegen musste, um den Sprung in die vierthöchste deutsche Spielklasse zu wagen. Wobei er auch sagt: „Wenn ich mit Hilden im Abstiegskampf gehangen hätte, wäre ich bis zum Sommer geblieben.“ Zu groß sei die emotionale Bindung zum VfB.

Dort gelandet war der Solinger erstmals schon mit zehn Jahren – nach Stationen beim TSV, der Union, Höhscheid und Wald 03. Wobei: Angefangen hat er streng genommen auf dem Bolzplatz am Kastanienspielplatz. So, wie es für einen Aufderhöher schon fast üblich ist.

„Für mich ist der Wechsel zur Fortuna ein ganz großer Schritt.“

Kevin Brechmann

In der U17 wechselte Brechmann zum Wuppertaler SV, hatte aber Verletzungspech und kehrte nach Hilden zurück. Parallel machte er nach dem Realschulabschluss (Albert-Schweitzer) bei Hugo Monheimius eine Ausbildung zum Straßenbauer, konzentriert sich jetzt aber auf den „Bau“ der eigenen Fußballkarriere. „Für mich ist das ein ganz großer Schritt“, sagt Kevin Brechmann nach den ersten knapp zwei Monaten in Düsseldorf, in denen fast jeden Tag trainiert oder gespielt wurde. „Ich bin super aufgenommen worden“, schwärmt er.

Und das von einer Mannschaft, in der sich viele junge Spieler wie er – und mit Georgios Siadas ein weiterer Solinger – an der Seite und unter der Leitung erfahrener Bundesliga-Größen entwickeln können. Oliver Fink, langjähriger Kapitän der Profis, ist als Routinier im Spielerkader unverzichtbar, Andreas „Lumpi“ Lambertz und Lukas Sinkiewicz gehören dem Trainerteam an. „Das ist schon geil“, sagt Brechmann.

Sechs Einsätze, einer davon in der Startelf, und eine Torvorlage stehen für ihn bislang zu Buche. Zuletzt wurde er allerdings übel ausgebremst. Zunächst von einem Bänderriss im Sprunggelenk, dann auch noch von einer Corona-Infektion. „In zwei Wochen will ich wieder fit sein“, sagt er. Das bisherige Highlight hat er von der Bank aus erlebt. Im Spiel bei Spitzenreiter Rot-Weiss Essen waren – neben einem Großteil seiner Familie – mehr als 7500 Zuschauer an der legendären Hafenstraße dabei und sorgten beim Solinger für die eine oder andere Gänsehaut. „Das ist nicht normal.“

Alles, was ihm noch zu seinem Glück fehlt, ist das erste Tor im F95-Trikot. Unter Druck setzt er sich diesbezüglich aber nicht. „Bis zum Sommer will ich richtig ankommen und mich beweisen. In der nächsten Saison greife ich dann an.“ Zuzutrauen ist es ihm, dass in seinem Fußball-Märchen noch lange nicht das letzte Kapitel geschrieben ist.

Lars Ricken

Das Talent hat Kevin Brechmann von seinem Vater vererbt bekommen. Mike Brechmann, der in Münster aufgewachsen ist, weiß ebenfalls mit dem Ball umzugehen und war in der Jugend-Westfalenauswahl gar Mitspieler von Lars Ricken. In Solingen spielte er „nur“ in der Hobbyliga (Kegelcenter/Solagon).

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“
Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“
Sascha Franz: „Viel Arbeit in familiärem Umfeld“
Vor dem Pokalfinale: Kevin Kampl über RB Leipzig, das Finale und seine Heimat Solingen
Vor dem Pokalfinale: Kevin Kampl über RB Leipzig, das Finale und seine Heimat Solingen
Vor dem Pokalfinale: Kevin Kampl über RB Leipzig, das Finale und seine Heimat Solingen
Bergischer HC bleibt in der Bundesliga
Bergischer HC bleibt in der Bundesliga
Meier und Bienefeld erhalten Lawrence-Gough-Preis
Meier und Bienefeld erhalten Lawrence-Gough-Preis
Meier und Bienefeld erhalten Lawrence-Gough-Preis

Kommentare