Tennis

Binus träumt von einer Profi-Karriere

Der Solinger Tennisspieler Philip Binus lebt auf Mallorca seinen sportlichen Traum, der große Anstrengungen erfordert. Foto: PB
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Der Solinger Tennisspieler Philip Binus lebt auf Mallorca seinen sportlichen Traum, der große Anstrengungen erfordert.

17-jähriges Tennis-Talent trainiert an der Rafa Nadal Academy auf Mallorca.

Von Sonja Bick

Seit fast fünf Monaten lebt Philip Binus auf Mallorca. Von entspannten Tagen am Strand kann der 17-Jährige aber nur träumen. Denn sein Tag ist von 6.30 bis 23 Uhr ziemlich vollgepackt: Tennis-Training, Schule, Hausaufgaben und vieles mehr. „Alles ist so eng getaktet, dass man es nur durchhält, wenn man es wirklich will“, sagt der Solinger. Seit September ist der mittlerweile 17-Jährige Teil der Rafa Nadal Academy in Manacor. Der Elftklässler lebt im Internat und besucht die American International School of Mallorca. „Es war seit Jahren mein Wunsch. Immer wenn wir in den Sommerferien auf Mallorca waren, haben wir die Academy besucht“, sagt das Talent, das davon träumt, eines Tages Profi zu werden. „Das hier ist eine andere Welt. Die Academy ist für mich der Inbegriff an professionellem Training und ein Ort, an dem leidenschaftliche und ambitionierte Spitzensportler aus der ganzen Welt zusammenkommen – darunter auch Dani Rincon, Gewinner der US Open Junioren 2021.“

Es war nicht immer alles rosig. Ich hatte auch Tiefpunkte und habe ans Aufgeben gedacht.

Philip Binus, Tennis-Talent

Als Philip Binus die zentralen Prüfungen der Klasse 10 im vergangenen Frühsommer mit 1,0 bestanden hatte, fiel die Entscheidung, sich für das Internat zu bewerben. „Philip hat auf seine Weise jeden Tag in der Schule und auf dem Tennisplatz für den Traum gekämpft“, sagt sein Vater Stefan. Weil er keine großen Ergebnisse vorzuweisen hatte, wurde er in Trainingsgruppe 6 von 12 eingestuft. Mittlerweile spielt er in Gruppe 3 – zusammen mit Nils Pottbecker, Verbandsmeister des Tennis-Verbandes Niederrhein. „Er ist ein guter Freund von mir. Und ich habe neue Freunde aus aller Welt gewonnen, zum Beispiel Jin Peng Tang, die Nummer eins aus China, oder Ahaarwin aus Indien. Wir sprechen alle Englisch, damit jeder jeden verstehen kann. Und alle werden gleich behandelt – keiner ist ein Star.“

Einige Highlights hat Philip Binus bereits erlebt: „Ich habe mit Alex Eala, weltweit Nummer 2 der Juniorinnen, trainiert. Und Toni Nadal saß auf meiner Bank.“ Der Onkel und langjährige Trainer des 21-maligen Grand-Slam-Siegers Rafael Nadal ist Chef-Trainer der Akademie. „Rafael Nadal sehe ich, wenn er trainiert. Ein persönliches Gespräch mit ihm bleibt eines der Highlights“, sagt der Solinger, der zudem ein ATP-Turnier hautnah erlebt hat und eine Turnierserie, unter anderem in Barcelona, gespielt hat. „Ich werde oft von Tomeu Salva, dem Coach von Jaume Munar, trainiert. Er ist der strengste Trainer, den man sich vorstellen kann. Es wird 100-prozentiger Einsatz erwartet, sonst muss man in eine schlechtere Gruppe oder Strafübungen machen.“

Auch das Internat hat exakte Regeln und lebt Werte wie Anstrengung, Demut, Toleranz, Geduld, Respekt, Disziplin und Engagement. Trotzdem sagt Philip Binus: „Ich bin glücklich. Es war nicht immer alles rosig. Ich hatte auch Tiefpunkte und habe ans Aufgeben gedacht. Die größte Herausforderung ist das umfassende Pensum, das wir zu bewältigen haben. Wenig Schlaf und eigentlich keine Zeit mehr für mich. Auch die Schule war unglaublich schwer, aber sich auch hier zu beweisen, stärkt mich im Alltag.“

Eigentlich sollte seine Zeit Ende Januar zu Ende sein. „Ich wollte aber noch bleiben“, sagt der 17-Jährige. „Uns wurde zunächst eine Absage erteilt, da alle Plätze belegt waren. Ich stand mit 13 weiteren Jugendlichen auf der Warteliste. Aufgrund der Fürsprache meiner Lehrer und Trainer kann ich bleiben.“ Nun hat er einen Platz bis zum 20. Juni. Seine Ziele bis dahin: „Ich möchte mein Spiel weiter verbessern und Profi werden. Ob ich das schaffe, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich lasse mein Ziel aber nicht aus den Augen.“ Dafür benötigt er ein gutes Abitur und muss sich in der deutschen Rangliste weiter nach vorne arbeiten. Dann erhält er vielleicht ein Stipendium in den USA.

Wie es auch weitergehen wird, auf seine Familie kann sich der 17-Jährige verlassen. Alle haben zusammengeschmissen, um die nicht unerheblichen Kosten zu stemmen: „Meine Eltern haben mich immer unterstützt, auch wenn sie eigentlich möchten, dass ich meinen zweiten Wunsch, Jura zu studieren, umsetze oder eventuell Medizin wie meine Mutter Stefanie und mein Bruder Moritz.“

Hintergrund

Tennis: Nachdem Philip Binus beim Solinger TC 02 als Balljunge die Profis gesehen hatte, wollte er genauso werden. Mit 11 Jahren startete er bei Karsten Saniter, trainierte zudem bei Gero Kretschmer. Es folgten Siege gegen langjährige Kaderspieler, aber auch Rückschläge.

Schule: Vater Stefan beschreibt seinen Sohn als „durchschnittlich sportliches, faules Kind, das nie die Notwenigkeit sah, schnell zu laufen oder den Ball anzusehen“. Umso überraschender der Werdegang des 17-Jährigen: Erst in der 9. Klasse wechselte der Fals-Schüler in die Sport-Klasse, nachdem er zwei Jahre lang am Frühtraining teilnehmen durfte.

Bewerbung: Um einen der 240 Plätze in der Rafa Nadal Academy zu bekommen, muss man sich einem Auswahlverfahren stellen: unter anderem mit Prüfung der Tennistechnik, sportpsychologischem Test per Skype, anderthalbstündiges Interview mit dem Direktor der Akademie, Kopien der Schulzeugnisse.

Tagesablauf: 6.30 Uhr Aufstehen, 7.15 Uhr Frühstück, 8 Uhr Ernährungslehre, Sportphysiologie, Trainingslehre und mehr, 9.15 Uhr Athletiktraining, 10 Uhr Tennistraining, 13.30 Uhr Mittagessen, 14.45 Uhr Schule, 18 Uhr Hausaufgaben, 19.20 Uhr Abendessen, 20.15 bis 23 Uhr Hausaufgaben und Freizeit.

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