Handball

Beste Hälfte der HSV-Geschichte

Franziska Penz gehörte zu den treffsichersten Spielerinnen des HSV Solingen-Gräfrath. Die Außenspielerin war oft letzte Station des erfolgreichen HSV-Tempospiels. Insgesamt erzielte die 29-Jährige sechs Tore. Foto: Christian Beier
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Franziska Penz gehörte zu den treffsichersten Spielerinnen des HSV Solingen-Gräfrath. Die Außenspielerin war oft letzte Station des erfolgreichen HSV-Tempospiels. Insgesamt erzielte die 29-Jährige sechs Tore.

2. Handball-Bundesliga: 31:22 gegen Bremen

Von Thomas Rademacher

Vanessa Brandt hat gerade per Siebenmeter die große Chance zum 9:2 für den HSV Solingen-Gräfrath vergeben, da nimmt Robert Nijdam bereits seine zweite Auszeit. Der Trainer des SV Werder Bremen, der in den frühen 2000ern bei der SG Solingen als Spieler tätig war, kann überhaupt nicht zufrieden mit den ersten 15 Minuten seiner Mannschaft sein. Tatsächlich könnten die Solinger Zweitliga-Handballerinnen sogar noch deutlicher führen als mit 8:2. Brandts Strafwurf war nicht die erste vergebene freie Chance.

Doch der HSV präsentierte sich defensiv so stark, dass ausgelassene Gelegenheiten kaum noch wehtaten. Mandy Reinarz und Carina Senel bildeten das Zentrum einer extrem kompakten Deckung, die in Natascha Krückemeier auch noch einen starken Rückhalt hinter sich wusste. Die Torhüterin entschärfte neben mal mehr, mal weniger zwingenden Abschlüssen aus dem Feld in der ersten Hälfte auch noch zwei Siebenmeter. Stefan Bögel kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Was für ein Zugang“, sagte der HSV-Macher nach einer weiteren Parade über die Schlussfrau. „Langsam bin ich beeindruckt“, lobte er, nachdem Merit Müller zum 16:6 einnetzte.

Der HSV präsentierte sich speziell in den ersten 30 Minuten als perfekt eingespielte Mannschaft. In der Deckung legte sie den Grundstein, kam zu vielen Ballgewinnen, die unmittelbar im Gegenzug zu klaren Chancen per Gegenstoß oder zweiter Welle führten. Franziska Penz war eine der sichersten, wenn es darum ging, den Ball aus dem Tempospiel im Bremer Gehäuse unterzubringen. Die Linksaußen markierte fünf ihrer sechs Treffer in der ersten Hälfte. Merit Müller allerdings stand ihr auf der anderen Außenseite in nichts nach. Auch die 20-Jährige verwandelte wie Penz sechs ihrer insgesamt acht Abschlüsse erfolgreich.

„Unser Ziel bleibt der elfte Platz.“

Kerstin Reckenthäler, HSV-Trainerin

Gekrönt wurde die starke Vorstellung vom gebundenen Angriff. So strahlten die Gräfratherinnen nicht nur durch die stets gefährliche Vanessa Brandt Torgefahr aus, sondern auch durch Luca Tesche und Lara Karathanassis, die im späteren Verlauf der Partie jeweils drei Mal trafen. Die erste Hälfte jedoch dürfte als beste in der 2. Liga überhaupt für die HSV-Handballerinnen in die Clubgeschichte eingehen. Mit 19:8 ging es in die Pause.

„Meine Konzentration habe ich da aber ganz sicher nicht verloren“, meinte Trainerin Kerstin Reckenthäler. „Erst in der 55. Minute ist auch mir klar geworden, dass wir das Spiel wohl nicht mehr verlieren würden.“ Zwei Mal wirkten die Gastgeberinnen in der mit 298 Zuschauern gefüllten Klingenhalle in der zweiten Hälfte etwas nachlässiger. Sogar die sichere Penz ließ einen freien Ball liegen. Zu verdanken hatten das die Bremerinnen ihrer eingewechselten Torhüterin Victoria Nigbur, die es auf 15 abgewehrte Bälle brachte.

Es blieb dennoch ein aus Solinger Sicht perfekter Abend, der durch Lisa Fahnenbrucks Treffer zum 29:18 das i-Tüpfelchen bekam. Die Keeperin traf aus dem eigenen Torkreis ins aus taktischen Gründen verwaiste Gehäuse auf der anderen Seite. Kurz darauf bejubelte die Truppe den 31:22-Erfolg ausgelassen. „Das haben sich die Mädels verdient. Sie sollen das jetzt auch genießen“, meinte Kerstin Reckenthäler, die ihre Mannschaft nicht nur spielerisch lobte, sondern auch ihren „unglaublichen Zusammenhalt“ hervorhob. Dass die Solingerinnen nun mit 4:0-Punkten oben mitmischen irritiert die Trainerin nicht: „Wir wissen, woher wir kommen. Es ist eine tolle Momentaufnahme, aber unser Ziel bleibt der elfte Platz.“ Der genügt zum sicheren Klassenerhalt.

Rund um den HSV Solingen-Gräfrath

HSV-Statistik: Krückemeier, Fahnenbruck (1); Penz (6), Müller (6), Brandt (5, 1), Reinarz (4), Tesche (3), Karathanassis (3), Senel (2), Bohnen (1), Nanfack, Bongartz, Winkelhoch.

Zuschauer: 300 Fans durfte der HSV Solingen-Gräfrath maximal in die Klingenhalle lassen. 298 waren letztlich dabei. Alle Tickets wurden personalisiert und am Eingang erfasst.

Genesungswünsche: Melina Fabisch muss sich einer Operation unterziehen und fällt daher eine Weile aus. Der Zugang erhielt vor der Partie von HSV-Chef Stefan Bögel nicht nur Genesungswünsche, sondern auch einen Strauß Blumen.

Robert Nijdam: Der Bremer Trainer war wenig überraschend unzufrieden: „Ich bin enttäuscht über das Spiel meiner Mannschaft.“

Meinung: Beim HSV passt’s

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Es hat ein wenig gedauert, doch der HSV Solingen-Gräfrath ist endgültig in der 2. Liga angekommen. Nachdem es in der vorigen Saison eine gefühlte Ewigkeit gedauert hatte, bis die Handballerinnen den ersten Zähler auf ihrem Konto hatten, liegen sie jetzt mit 4:0-Punkten in der Spitzengruppe. Einem überzeugenden 29:23 beim TVB Wuppertal folgte ein noch viel überzeugenderer 31:22-Erfolg über Werder Bremen.

Dabei agiert der Club derzeit nur mit einem kleinen Kader von zehn Feldspielerinnen. Doch die funktionieren einfach perfekt zusammen. Die Mannschaft macht einen unheimlich eingespielten Eindruck – und jede Handballerin kämpft für die andere. Kurzum: Beim HSV passt es einfach. Trainerin Kerstin Reckenthäler drückt aber zu Recht auf die Euphoriebremse. Der Klassenerhalt ist noch einige Punkte entfernt, und gegen die starken Gegner hat das Team noch nicht gespielt. Dennoch ist es eine tolle Momentaufnahme.

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