Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Bergischer HC: Die Wahrheit liegt in der Mitte

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Vier Mal hatte der Bergische HC in Folge verloren, bevor er gegen den HSC 2000 Coburg ein lang ersehntes Erfolgserlebnis feierte.

Das 28:24 war ein Arbeitssieg gegen den punktlosen Tabellenletzten der Handball-Bundesliga. Dass das so ist, hat sich der Club erarbeitet. Die Entwicklung ist so weit vorangeschritten, dass die Mannschaft eben nicht mehr gegen jeden Gegner Außenseiter oder maximal auf Augenhöhe ist. Diverse Konkurrenten des BHC sind nicht nur in der Breite, sondern auch qualitativ schwächer besetzt – und Coburg gehört gewiss dazu.

Gleiches gilt für die Eulen Ludwigshafen und den Tusem Essen, die im Dezember ebenfalls noch in der Klingenhalle zu Gast sein werden. Auch hier sind Siege der Anspruch, aber sie sind eben auch keine Selbstverständlichkeit. Dass einige dies erwarten, ist in den sozialen Medien erkennbar. Es herrscht offenbar ein wenig Unmut, weil die Löwen Schlusslicht Coburg nicht komplett pulverisiert haben. Freilich hat der BHC keine glanzvolle Leistung geboten, doch auch die Coburger – in der vorigen, abgebrochenen Saison immerhin klarer Tabellenführer der 2. Liga – müssen erst einmal besiegt werden. Speziell, wenn der Druck angesichts des 1:11-Negativlaufs höher als sonst ist.

Geschäftsführer Jörg Föste brachte es nach der Partie gut auf den Punkt: „Es ist ein imminent wichtiger Sieg für uns. Denn im Umkehrschluss hätten bei einer Niederlage auch Selbstzweifel aufkommen können. Diese Geister wären schwer zu vertreiben gewesen.“ In der Bundesliga kommen die Zähler nicht von alleine. Immer wieder patzen Favoriten, das zeigt sich Woche für Woche. Daher ist es viel wert, wenn beim BHC keine größere Verunsicherung aufkommt – sonst würde man am Ende trotz des großen Potenzials noch in Abstiegsnot geraten. Bei vier Teams, die nach dieser Saison den Gang nach unten antreten müssen, darf sich in der unteren Tabellenhälfte niemand sicher fühlen.

Insofern war der Sieg gegen Coburg vielleicht keiner zum Genießen, doch ihm war Positives abzugewinnen. Etwa, dass sich das Team von einer schlechten Anfangsphase nicht aus dem Konzept bringen ließ, dass die Truppe auch als Favorit den Kampf annahm, und, dass sie die Partie am Ende souverän runterspielte.

Umgedreht aber gibt es nach (erwarteten) Niederlagen gegen Spitzenteams, wovon der BHC vier in Serie kassierte, auch keinen Grund, die Dinge zu beschönigen. Speziell bei der MT Melsungen und gegen die Füchse Berlin war mehr drin als zwei knappe Niederlagen. Gegen beide Gegner fehlten in unterschiedlichen Phasen Sicherheit im Angriff und Zugriff in der Abwehr. Und auch im individuellen Bereich gibt es Anlass zu Freude und Kritik: So absolvierte Yannick Fraatz, der rechtsaußen bislang zumeist nur eine Vertretung war, in Melsungen eine hervorragende Partie. Sebastian Damm, auf der linken Außenbahn in einer ähnlichen Situation wie Fraatz, nutzte seine Chance bei weitem nicht so souverän. Doch auch das sind nur Momentaufnahmen. Das Schlüsselwort ist Differenzierung. Sie fehlt leider manchmal. Speziell in den sozialen Medien gewinnt man schnell den Eindruck, es gäbe nur Hopp oder Top. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

TOP Trotz Corona-Pandemie und Lockdown-light kann man sich in diesen Tagen sportlich mit dem BHC freuen, mit ihm leiden oder über ihn ärgern – je nach Perspektive.

FLOP Der für Sonntag geplante Nikolaus-Lauf muss leider ausfallen.

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