Handball

Weck führt starke Löwen ins Achtelfinale

Was sich Alexander Weck beim Werfen vorgenommen hatte, funktionierte. Der Rückraumspieler feuerte zehn Mal aufs Tor – der Ball zappelte bei jedem Versuch im Netz. Es war nicht nur für ihn ein herausragender Abend.
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Was sich Alexander Weck beim Werfen vorgenommen hatte, funktionierte. Der Rückraumspieler feuerte zehn Mal aufs Tor – der Ball zappelte bei jedem Versuch im Netz. Es war nicht nur für ihn ein herausragender Abend.

Deutscher Handball-Pokal: Bergischer HC schaltet Göppingen mit 32:26 (15:12) aus.

Von Jürgen König
und Thomas Rademacher

Wenn Mitte April 2023 das Final Four im Deutschen Handball-Pokal erstmals in der Kölner Lanxess Arena steigt, könnte der Bergische HC mit von der Partie sein. Die Löwen erreichten am Donnerstagabend in der Klingenhalle den Sprung ins Achtelfinale – 32:26 (15:12) hieß es nach einer klasse Vorstellung gegen Frisch Auf Göppingen. „Wir haben über 60 Minuten ein ausgezeichnetes Spiel gemacht“, sagte der sichtlich gelaunte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste.

Das Pokalspiel hielt gleich drei Premieren bereit. Fabian Gutbrod und überraschend auch Csaba Szücs feierten nach langer Verletzungspause ihr Comeback auf dem Spielberichtsbogen, Ben Büscher aus dem Regionalliga-Team vergrößerte die Breite im Kader. Auf der Gegenseite waren die Augen auf David Schmidt gerichtet, dem Ex-Löwen gelang auch der erste Treffer der Partie. Seine Göppinger bestimmten die Anfangsphase, ließen dem 2:0 (3. Minute) das 4:2 (7.) folgen.

Dass der BHC trotz nicht unbeträchtlicher Fehlerquote im Aufbau und Abschluss dran blieb und in der 15. Minute erstmalig selbst mit 7:6 in Führung ging, lag maßgeblich an seinem Keeper: Peter Johannesson entschärfte zwei Siebenmeter von Marcel Schilller und einen Gegenstoß durch Kresimir Kozina – vorausgegangen war einer jener Offensiv-Fehler durch den insgesamt sehr wirkungsvollen Djibril M'Bengue. Gleiches widerfuhr dem aus der Distanz wurfstarken Alexander Weck, dennoch gelangen dem Duo bis zur Pause drei beziehungsweise fünf Feldtreffer.

Ein Manko war lange Zeit das Spiel über den Kreis, was sich nach der Auszeit durch Trainer Jamal Naji mit Verzögerung (8:10 nach 8:7, 22.) grandios ändern sollte. Hatte der einsatzfreudige Frederik Ladefoged kein Spielglück besessen, klappte nun bei Tom Bergner alles. Vier Mal in kurzer Zeit traf der Kreisläufer, der zudem im Innenblock der Abwehr wertvolle Arbeit verrichtete. Bergner hatte damit ebenso wie Johannesson, der einen weiteren Siebenmeter von Axel Goller abwehrte und selbst nicht ins leere Frisch-Auf-Tor traf, großen Anteil an der komfortablen 15:12-Führung zur Pause.

„Es hat sich angefühlt wie eine Erlösung.“

Alexander Weck, BHC-Rückraum

Der Trend setzte sich zunächst in Hälfte zwei fort: Johannesson parierte den nächsten Siebenmeter von Schiller, Weck traf zwei Mal gekonnt in Bedrängnis und avancierte mit zehn Treffern aus dem Feld heraus zum Mann des Abends. Linus Arnesson versenkte derweil seine Siebenmeter sicher. Unterzahl-Situationen überstand der BHC zudem schadlos, weil er als Kollektiv vorne wie hinten top funktionierte. Folgerichtig führten die Löwen ab der 35. Minute (18:14) ständig mit drei oder vier Toren, steuerten einem sicheren Weiterkommen im Pokal entgegen, zumal Arnor Gunnarsson die prächtig mitgehende Kulisse mit dem 22:17 (43.) in Wallung brachte. Was erst recht für die finale Auszeit der Schwaben galt, deren Niederlage spätestens beim 20:26 (49.) Fakt war. Die Klingenhalle bebte, die Kür mit sehenswerten Toren in Serie konnte beginnen.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor des BHC: Coach Naji steuerte die Belastung nach den krankheitsbedingten Schwächungen der vergangenen Tage mit vielen Wechseln geschickt, so fanden auch Szücs vorübergehend sowie Gutbod und Büscher in den Schlussminuten den Weg aufs Feld. Und durften nach 60 Minuten mit den euphorisierten Fans feiern. Wie freilich auch Alexander Weck: „Es hat sich angefühlt wie eine Erlösung“, sagte der Rückraumspieler mit Blick auf die Mannschaft und auch sich selbst. Bei beiden hatten die Ergebnisse zuletzt nicht immer gestimmt. „Heute ist der Knoten geplatzt.“

Stimmen: zum Spiel: „Einzelleistungen, die wie Explosionen wirkten“

Die Sorgen waren angesichts der Personalprobleme vor Spielbeginn groß gewesen beim Bergischen HC. „Wir hatten eigentlich nur zwölf Spieler zur Verfügung“, sagte Geschäftsführer Jörg Föste und war daher umso begeisterter, dass in seinem Team auch Handballer herausragten, die noch nicht ganz so oft in dieser Form auftrumpften. „Wir hatten Einzelleistungen, die wie Explosionen wirkten. Alexander Weck und Tom Bergner haben beide ein Riesenspiel gemacht“, lobte Föste nach dem 32:26-Erfolg über Göppingen, der den Einzug ins Achtelfinale des DHB-Pokals bedeutete.

Trainer Jamal Naji hob außerdem Rückraum-Linkshänder Djibril M'Bengue hervor: „Wir kriegen immer mehr die Version von Djibi, die wir uns erhoffen.“ Insgesamt sei es ein Sieg des Glaubens gewesen. „In der Besetzung waren wir Underdogs, und alles, was wir uns vorgenommen hatten in Bezug auf die Einsatzminuten von Einzelnen, ist aufgegangen. Wir sind froh, dass wir so eine Leistung gezeigt haben.“

Tom Bergner wurde von der Göppinger Deckung in die Mangel genommen, doch der Kreisläufer war kaum zu stoppen.

Erleichterung machte sich auch in der Mannschaft breit. „Dieses Spiel gibt uns Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben“, meinte der fünffache Torschütze Tom Bergner, der am Kreis auch Siebenmeter herausholte. „Vor zwei Wochen hatte ich Corona, am Montag bin ich wieder ins Training eingestiegen. Dass es dann so läuft, ist umso schöner. Ich bin glücklich, dass ich dem Team nicht nur neben, sondern auch auf dem Feld helfen konnte.“

Einig waren sich alle Beteiligten über eines: Der Gegner im Achtelfinale, das am Freitag um 11 Uhr (live auf der Facebook-Seite der Handball-Bundesliga) ausgelost wird, ist egal. „Hauptsache ein Heimspiel“, lautete die einhellige Antwort nach einem Wunsch-Los von Föste, Naji und Bergner.

Christopher Rudeck verlängert seinen Vertrag bis Sommer 2026

Ein Lob von Föste erhielt einmal mehr Torhüter Peter Johannesson für seine mitunter spektakuläre Leistung. Vor der Partie hatte sein Spannmann im Fokus gestanden. Christopher Rudeck hat seinen Vertrag um drei Jahre bis Sommer 2026 verlängert. „Rudi ist ein BHCer durch und durch“, sagte Föste. „Ich finde, es ist von beiden Seiten eine große Wertschätzung, dass die Verlängerung von so langer Dauer ist. Wir freuen uns sehr, auf Sicht ein so gutes Torhüter-Gespann zu haben.“

Personal

Nachdem Lukas Stutzke verletzt vom Nationalteam zurückgekehrt war, ereilte den Bergischen HC nun kurzfristig eine weitere Hiobsbotschaft: Simen Schönningsen zog sich eine Ellenbogenverletzung zu und wird eine Weile nicht spielen können. Zudem musste Tom Kare Nikolaisen entgegen der ursprünglichen Prognose doch mit Rückenbeschwerden passen.

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