Handball

„Unser Team ist das wertvollste, das wir je hatten“

BHC-Geschäftsführer Jörg Föste (l.) und Oliver Roggisch, Sportchef der Rhein-Neckar Löwen, haben zumindest offiziell eines gemeinsam: Sie suchen einen neuen Trainer. Foto:
+
BHC-Geschäftsführer Jörg Föste (l.) und Oliver Roggisch, Sportchef der Rhein-Neckar Löwen, haben zumindest offiziell eines gemeinsam: Sie suchen einen neuen Trainer.

Handball-Bundesliga: Jörg Föste, der Geschäftsführer von Handball-Bundesligist Bergischer HC, spricht über den Abgang des Trainers.

Es ist eine Nachricht, die die Handballwelt bewegt: Sebastian Hinze wird seinen Vertrag beim Bergischen HC nicht über den 30. Juni 2022 hinaus verlängern. Die Löwen müssen sich einen neuen Trainer suchen. Was dies für den Club bedeutet, verrät Geschäftsführer Jörg Föste im ST-Interview.

Im Sommer 2022 wird eine zehnjährige Ära beim BHC zu Ende gehen. Wird das einen der größten Umbrüche der Vereinsgeschichte darstellen?
Jörg Föste: Ganz sicher nicht. Strategie, Philosophie und Zielsetzung des Clubs bleiben bestehen. Das gilt auch, wenn Einzelne sich anderweitig orientieren – selbst, wenn es wie in diesem Fall zentrale Leistungsträger sind.
Hat Sie die Entscheidung des Trainers, seinen Vertrag nicht zu verlängern, überrascht?
Föste: Es hatte sich über Monate hinweg angedeutet, die Anzeichen haben sich gemehrt; also nein.
Haben Sie eine Rückmeldung aus der Mannschaft bekommen? Wie hat diese auf die Nachricht reagiert?
Föste: Die Mannschaft hat es am Mittwochmittag digital von Sebastian Hinze erfahren, im Quarantänestatus. Es ist also kein guter Zeitpunkt, um einen persönlichen Austausch zu pflegen. Mit Kapitän Fabian Gutbrod und anderen telefoniere ich. Den Eindruck fasse ich nach zwei positiven Fällen in unserem Team einmal so zusammen: Wir haben derzeit dringendere Sorgen als eine Demission per Juni 2022. Und das sage und meine ich völlig wertfrei.
Befürchten Sie größere Unruhe in der weiteren Amtszeit Hinzes, wenn es sportlich mal nicht wie erhofft laufen sollte?
Föste: Nein. Wir analysieren bekanntlich jedes einzelne Spiel sehr umfassend. Das wird auch weiterhin der Fall sein – gewohnt sachorientiert.
Die Suche eines Nachfolgers hat begonnen. Könnten Sie noch einmal das Anforderungsprofil definieren?
Föste: Der Weg des BHC ist gekennzeichnet durch harte Arbeit, Verlässlichkeit, Beständigkeit und Zielorientierung. Diese Idee muss auch der Trainer verkörpern. Hinzu kommt: Es herrscht ein ganz einzigartiger Geist in unserem Team – dazu muss er passen. Die Entwicklung der Spielphilosophie und der Kaderqualität sind weitere Kriterien.
Sie sagten, der BHC will zum Top-Ten-Club reifen. Heißt das, der neue Trainer muss bereits über ein höheres Level an Erfahrung verfügen, als es Sebastian Hinze bei Amtseinführung 2012 hatte?
Föste: Wir stecken selbst im Reifeprozess. Ein Mitwachsen ist da durchaus vorstellbar. Im Vordergrund steht die Fähigkeit, die ganz spezifischen BHC-Stärken zu mehren. Dazu braucht es Qualitäten, die nicht ganz zwangsläufig über jahrzehntelange Berufserfahrung herzuleiten sind.
In den Entscheidungsprozess werden Sie die Mannschaft einbeziehen. Ist das auch als Vertrauensbeweis ins Team zu sehen?
Föste: Unser Team ist in jeder Hinsicht das wertvollste, das wir je hatten. Daher ist die Mitwirkung selbstverständlich und entspricht der besonderen Atmosphäre im Club. Zudem wäre es ganz einfach töricht, auf so viel Sachverstand zu verzichten. Und zuletzt: Dem Zeitalter einsamer Entscheidungen sind wir bereits seit langem entwachsen.
Wie sieht die Einbindung der Mannschaft denn genau aus?
Föste: Das möchten wir zunächst intern besprechen – mit der Mannschaft selbstredend.
Angenommen Sie würden nun doch sehr zeitnah den perfekten Kandidaten finden, der auch schon frühzeitig verfügbar wäre: Ist ein vorzeitiger Abgang Hinzes dann weiterhin absolut ausgeschlossen?
Föste: Die klassische Konjunktiv-Frage. Das Ziel lautet, den perfekten Kandidaten zu finden, der frühzeitig – also zum 1. Juli 2022 – verfügbar ist.

Rund um den Bergischen HC

Rhein-Neckar Löwen: Wo Sebastian Hinze ab der Saison 2022/23 Trainer sein wird, ist zumindest offiziell noch nicht bekannt.  Die Zeichen verdichten sich, dass es sich um die Rhein-Neckar Löwen handelt. Der Bundesliga-Spitzenclub bestätigt dies indes aber genauso wenig wie der Coach selbst. Dennoch sickerte aus Mannheim inzwischen durch, dass der Club die Suche nach einem neuen Trainer nun abgeschlossen habe, dieser aber noch nicht bekannt gegeben würde, weil er einen laufenden Vertrag habe. Oliver Roggisch, Sportchef der Rhein-Neckar Löwen, ließ unlängst verlauten, dass man einen Trainer suche, der die Arbeit vom scheidenden Coach Martin Schwalb „auf dem Niveau weiterführt oder sogar noch weiterentwickelt. Da gibt es nicht so viele auf dieser Welt, und die müssen dann auch noch frei sein. Das ist das Problem.“ Holen die Mannheimer Hinze, müssen sie eine Saison überbrücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

BHC-Profis schaffen die Basis für die Saison
BHC-Profis schaffen die Basis für die Saison
BHC-Profis schaffen die Basis für die Saison

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare