Handball-Bundesliga

BHC beim ASV Hamm-Westfalen: Trio dominiert bei ersehntem Auswärtserfolg

Linus Arnesson beobachtet die Vollendung einer seiner acht Vorlagen – hier durch Tom Kare Nikolaisen.
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Linus Arnesson beobachtet die Vollendung einer seiner acht Vorlagen – hier durch Tom Kare Nikolaisen.

Handball-Bundesliga: Der Bergische HC sammelt beim 31:27 (17:14) in Hamm die Punkte vier und fünf im November.

Aus Hamm berichtet Thomas Rademacher

Die Spiele im November sind für den Bergischen HC die Wochen der Wahrheit. Und diese nehmen aktuell einen positiven Verlauf für die Löwen. Bei Bundesliga-Schlusslicht ASV Hamm-Westfalen setzten sich die BHC-Handballer mit 31:27 (17:14) durch und sammelten die Punkte vier und fünf im dritten Spiel diesen Monat.

Ob das intern gesetzte Ziel damit bereits vor der Partie gegen Frisch Auf Göppingen (Sonntag, 27. November, 16.05 Uhr) erreicht ist? „Im Dezember verrate ich es“, sagte Trainer Jamal Naji, der angesichts des Erfolgs zunächst einmal sehr froh war.

Einfach hatten es die Bergischen schließlich nicht. „Die Hammer sind viel besser, als die Punkte es aussagen. Sie haben eine gute Spielkultur. Daher war unser Respekt groß“, meinte Naji, der einen holprigen Start seiner Mannschaft erlebte.

So bekam Frederik Ladefoged bereits in der sechsten Minute seine zweite Zeitstrafe. Da eine dritte Hinausstellung das vorzeitige Ende der Partie für den Dänen bedeutet hätte, nahm der Coach seinen Innenblock-Spieler zunächst runter und ersetzte ihn durch Tom Bergner. Der hielt die nächsten 30 Minuten zusammen mit Tom Kare Nikolaisen die Stellung.

Probleme im Deckungszentrum hätte auch Hamm bekommen können. Doch Remi Leventoux hatte gleich zwei Mal Glück. Marian Orlowski flog doppelt vom Feld – einmal nach Schubser gegen Tomas Babak, einmal nach einem Gesichtstreffer gegen Linus Arnesson. Beide Aktionen waren allerdings von Leventoux ausgegangen. „Für uns Trainer ist manchmal die Frage, ob wir lieber wollen, dass der Falsche runtergeht und dafür der Innenblocker bleibt“, räumte Hamms Coach Michael Lerscht ein und erklärte damit indirekt die ausgebliebenen Beschwerden. „Das Spiel war durch die Intensität schwierig zu leiten. Dass in den Trauben, die entstehen, Fehler passieren, ist dann eben so.“

Verdient hätte sich der zwei Mal zu Unrecht verwiesene Orlowski die Zeitstrafe hingegen beim Foul gegen Noah Beyer. Der BHC-Linksaußen brachte den Ball aber trotzdem per Dreher noch im Tor zum 23:19 unter, so dass das Schiedsrichter-Duo auf die Hinausstellung verzichtete. Insgesamt gelang es Philipp Dinges und Tobias Schmack beidseitig nicht, eine Linie ins Spiel zu bekommen, und machten einen eher geforderten Eindruck.

Noah Beyer absolvierte eine herausragende Partie auf der linken Außenbahn. Der 25-Jährige nutzte auch schlechte Winkel zum erfolgreichen Abschluss und erzielte das schönste Tor des Tages – einen kaum für möglich gehaltenen Dreher zum 23:19.

Der BHC ging mit der Situation und der von 2385 Fans in der Westpress-Arena zusätzlich aufgeheizten Stimmung jedoch sehr reif um. Insbesondere Beyer hatte mehrere Male Anlass, sich von seinem Gegenspieler provoziert zu fühlen. Der 25-Jährige schaute ihn aber einfach nur verdutzt an und machte weiter. Noah Beyer war auch zu Gast im Podcast - den gibt´s unten im Text.

Dies war eine der großen Stärken des BHC. Ein früher Rückstand beeindruckte die Mannschaft nicht. Tomas Babak, der auf der Mitte angefangen hatte und einmal mehr eine starke Vorstellung bot, bekam beim 8:10-Rückstand Linus Arnesson an seine Seite. Mit beiden Spielmachern auf dem Feld lief es für die Löwen offensiv herausragend. Babak traf nach gewonnenen Zweikämpfen, Arnesson war für die Vorbereitungen und Siebenmeter zuständig. Der 17:14-Pausenvorsprung war folgerichtig.

Linus Arnesson war der Floor General.

Trainer Jamal Naji

In der zweiten Hälfte kamen die Gastgeber vom 20:25 auf 23:25 heran, begruben ihre Hoffnungen aber kurz darauf wieder. Arnesson und Beyer stahlen den Ball, im Angriff war der erstgenannte Schwede nun das Maß aller Dinge. Er schraubte seine Bilanz auf acht Vorlagen herauf und stieß bei seinem Treffer zum 27:24 selbst in die sich bietende Lücke. „Noah, Tomas und Linus haben ein überragendes Spiel gemacht“, lobte Geschäftsführer Jörg Föste das Trio. Naji bemühte einen Begriff aus seiner zweiten Lieblingssportart, dem Basketball: „Linus Arnesson war der Floor General – jemand, der das Spiel an sich zieht, gute Entscheidungen trifft und starke Pässe spielt. Er hat uns in dieser Phase mitgetragen.“ Den Jubel mit etwa 150 angereisten BHC-Fans hatte sich nicht nur Arnesson redlich verdient.

Stimmen zum BHC-Sieg beim ASV Hamm-Westfalen

Jörg Föste war vor einer Woche nach dem 30:30 gegen den VfL Gummersbach noch sehr angefressen gewesen. Einen schlechten Rückzug, vergebene Chancen und unnötige Zeitstrafen hatten dem Geschäftsführer des Bergischen HC die Laune verhagelt. Nach dem 31:27-Erfolg in Hamm war davon nichts mehr zu spüren – im Gegenteil.

„ Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft, weil es für den Kopf ein schweres Spiel war.“ Das Team trotzte der hitzigen Atmosphäre, der Rückschläge und des tabellarischen Drucks. Schließlich hatte GWD Minden mit einem 29:26-Sieg in Göppingen überrascht. Vor der Partie bei Schlusslicht Hamm hatte der BHC nur drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge, im Falle einer Niederlage wären auch die Westfalen näher gekommen.

„Es ist komplett naiv zu glauben, dass die Teams unten keine Punkte holen. Wir sind gut beraten, darauf vorbereitet zu sein“, betonte Föste. Die bisher fünf Punkte im November, die die Saisonbilanz auf neun Zähler verbessert, seien nicht nur für die Tabelle gut, „sondern auch für das Selbstwertgefühl“, wie der Geschäftsführer betonte. „Wir hinken in dieser Saison ein bisschen hinter dem her, was wir uns vorgenommen hatten. Das hat den Druck erhöht, und die Jungs haben das toll gelöst.“

Trainer Jamal Naji legte zwar Wert darauf, sich zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nicht mit der Tabelle beschäftigen zu wollen. „Aber ich merke schon, dass es eine Rolle spielt“, räumte er ein. Zum Glück müsse er sich nun mit dem Szenario, nur drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge zu haben, aber nicht beschäftigen, „weil wir ja gewonnen haben“.

Zufrieden war auch Linus Arnesson nach dem Schlusspfiff. In Bezug auf seine eigene Leistung blieb der Kapitän gewohnt bescheiden, spielte Monster-Pässe einfach ganz locker herunter, sagte aber: „Das war ein ganz wichtiger Sieg. Ich hatte das Gefühl, dass wir das Spiel die ganze Zeit im Griff hatten, auch wenn nicht alles geklappt hat. Diese zwei Punkte genießen wir jetzt.“

Personal

Csaba Szücs stand überraschend auf dem Spielberichtsbogen und wäre für einen Kurzeinsatz bereit gewesen. Es kam aber genauso wenig dazu wie bei den als Ergänzungen mitgefahrenen Tobias Schmitz und Ben Büscher.

Verletzt sind beim BHC weiterhin Simen Schönningsen, Lukas Stutzke und Tim Nothdurft.

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