Handball

Szücs sieht Perspektive für BHC-Talente

2,03 Meter groß und seit knapp 20 Jahren in der Bundesliga: Csaba Szücs vom Bergischen HC.
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2,03 Meter groß und seit knapp 20 Jahren in der Bundesliga: Csaba Szücs vom Bergischen HC.

Interview mit dem Bundesliga-Routinier über die Handball-EM in seiner Heimat Slowakei

Das Gespräch führte Thomas Schulz

Seit 2017 trägt Csaba Szücs das Trikot von Handball-Bundesligist Bergischer HC. Davor spielte der seit nun fast 20 Jahren in Deutschland lebende Slowake für den HC Erlangen, die HSG Nordhorn-Lingen, den TV Großwallstadt sowie die TSV Hannover-Burgdorf. Mit 138 Einsätzen hat Szücs inzwischen die meisten seiner insgesamt 359 Partien für den BHC bestritten. Die Handball-EM in seiner Heimat allerdings erlebt der 34 Jahre alte Abwehrspezialist nur aus der Ferne. Dennoch hat Szücs viel über Land, Menschen, das Turnier und die Perspektiven seiner Teamkollegen zu erzählen.

Herr Szücs, wie gerne wären Sie jetzt in der Slowakei?

Csaba Szücs: Da bin ich ein wenig zwiegespalten. Ich hatte lange Kontakt mit unserem Nationaltrainer und wir haben uns dann dahingehend verständigt, dass es rein von der Gesundheit her besser für mich ist, nicht mehr für die Nationalmannschaft zu spielen. Die freien Tage sowie keine Reisen sind sehr gut. Nicht nur körperlich, sondern auch um mental mal abzuschalten. Darüber hinaus habe ich mehr Zeit für meine Frau und unsere zwei Kinder. Andererseits ist es natürlich eine Heim-EM, da wäre man schon gerne dabei gewesen. Zumindest zum zuschauen wäre ich mal hingeflogen – ich hatte auch eine Anfrage vom Fernsehen, um als Experte tätig zu sein. Die habe ich jedoch ebenso abgesagt, gerade in Corona-Zeiten muss man Pro und Contra genau abwägen.

Wie bewerten Sie Ihre Länderspiel-Karriere?

Szücs: Ich habe das Nationaltrikot fast 100 Mal getragen und war bei WM wie EM dabei. Leider habe ich es nicht geschafft, die 117 Länderspiele meines Vaters zu knacken. Das wollte ich allerdings auch nur so aus familiärem Spaß, nicht aus Ehrgeiz. Einige Verletzungen haben dann aber dazu geführt, dass ich seit 2016 unglücklicherweise nicht mehr berufen werden konnte.

Wie ist der Stellenwert des Handballs in der Slowakei?

Szücs: Der hat sich leider seit dem zehnten Platz bei der WM 2009 in Kroatien und der recht ordentlichen EM 2012 in Serbien verschlechtert. Über allem Sport im Land thront der Fußball, dann kommt eine große Kluft bis zum Eishockey. Handball konkurriert mit Volleyball um Rang drei. Seit zehn Jahren hat es keinen Popularitätsschub mehr gegeben. Der Nachwuchs stagniert, die Euphorie hat sich seit den erfolgreichen Jahren stark zurückgebildet. Das macht einen Neuaufbau von der Jugend her sehr schwer.

„Dieses Turnier kann sich ganz speziell entwickeln.“

Csaba Szücs zu Corona-Einflüssen

Geboren sind Sie in Kosice, neben Bratislava zweiter EM-Spielort und seit dem 22. Mai 1980 Partnerstadt von Wuppertal. Was erwartet den Wuppertaler, wenn er die 1312 Kilometer entfernte Partnerstadt besucht?

Szücs (lacht): Das mit der Partnerstadt war das erste, was mir bei der Unterschrift beim BHC gesagt wurde. Seit 1980 ist in Kosice viel verändert und modernisiert worden, es war 2013 dafür ja sogar europäische Kulturhauptstadt. In der Innenstadt lässt sich herrlich Zeit verbringen. Viele Läden laden zum Schlendern ein, in Cafés wie Biergärten kann man entspannen und die Altstadt ist wunderschön. Dort steht der gotische Dom, das Wahrzeichen von Kosice. Ein Gebäude auf höchstem Niveau. Außerhalb gibt es natürlich auch Plattenbauten. Die Stadt liegt eben sehr weit östlich, bis zur Ukraine sind es nur rund 80 Kilometer. Es gibt schon eine Kluft zwischen reich und arm, weil sich Kosice stetig und inzwischen rasant westlich orientiert.

Zurück zum Handball: Die deutsche Mannschaft wird ob ihres Umbruchs noch nicht einmal zu den Medaillenkandidaten gezählt. Wie ist Ihre Meinung über das DHB-Team?

Szücs: Die große Frage ist, wie schnell und gut das Zusammenspiel funktioniert. 2016 hatte die Deutschen auch keiner auf der Rechnung und dann sind sie Europameister geworden. Das 35:34 gegen Frankreich im letzten Test vor der EM hatte sicherlich Schwung gegeben, und dieses Turnier kann sich gerade auch durch Corona ganz speziell entwickeln. Mit einer stabilen Abwehr sowie Timo Kastening als einem der besten Rechtsaußen traue ich Deutschland schon etwas zu.

Sind Sie überrascht, dass Bundestrainer Alfred Gislason trotz Umbruchs keinen Spieler des BHC eingeladen hat?

Szücs: Ich dachte, dass David Schmidt zumindest ein Kandidat für die Vorbereitung gewesen wäre, aber der Bundestrainer wird seine Gründe haben und die gilt es zu respektieren. Lukas Stutzke war weniger ein Thema, er ist durch seine Verletzung im Dezember drei Wochen ausgefallen. Aber er ist noch jung und er wird seine Chance bekommen. Genau so sehe ich Tom Bergner am Kreis perspektivisch mit Möglichkeiten und Alexander Weck ist ja sogar noch jünger. Von daher sollten wir die Kirche im Dorf lassen. Die Jungs sollen sich zunächst mal in der Bundesliga etablieren, in hektischen Hallen sowie stressigen Situationen bewähren und so in tragende Rollen hineinwachsen.

Wer holt sich den Europameistertitel?

Szücs: Der, der das Finale gewinnt (lacht). Es ist schwer zu prognostizieren. Dänemark hat großes Potenzial, aber Tagesform und besonders äußere Umstände sind als Faktoren nicht zu unterschätzen. Das gilt für mögliche Corona-Erkrankungen genau so wie für Ausfälle wegen Verletzungen oder sogar einer normalen Erkältung. Die Spieler müssen schließlich zwischen Hotel, Trainingshalle sowie Arena ja auch immer wieder raus. Und in der Slowakei ist es gerade eisekalt.

EM aktuell

Die Niederlande haben in Gruppe B durch die 28:29 (13:15)-Niederlage gegen Island Boden eingebüßt, aber noch alle Chancen auf das Erreichen der Hauptrunde. „Schade, da war mehr drin“, meinte BHC-Linksaußen Jeffrey Boomhouwer, der leer ausging. Island (4 Punkte) trifft am Dienstag abschließend auf Gastgeber Ungarn (2), Niederlande (2) auf Portugal (0). Die ersten beiden Teams kommen weiter.

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