Handball-Bundesliga

Nikolaisen erfüllt sich in Kiel einen Traum

Tom Kare Nikolaisen hat sich beim BHC zu einer festen Größe entwickelt. Gegen Leipzig traf er vier Mal und überzeugte defensiv. Foto: Moritz Alex
+
Tom Kare Nikolaisen hat sich beim BHC zu einer festen Größe entwickelt. Gegen Leipzig traf er vier Mal und überzeugte defensiv.

Der Bergische HC ist am Donnerstagabend beim Deutschen Rekordmeister zu Gast.

Von Thomas Rademacher

Solingen. Überraschungen gab es in dieser Handballsaison schon viele. Doch die dickste gelang ohne Zweifel am vorigen Spieltag dem Tus N-Lübbecke. Der Aufsteiger besiegte den THW Kiel mit 29:25. Der amtierende Deutsche Meister agierte hektisch und ungeduldig, schaffte es daher nicht – wie in der Vergangenheit eigentlich immer –, die stets in der Luft liegende Wende herbeizuführen und blieb im vierten Bundesligaspiel in Folge ohne Sieg. Ob der Bergische HC nun den Zorn angesichts dieses Auftritts abbekommt? Trainer Sebastian Hinze formuliert es anders: „Es ist grundsätzlich ein schlechter Zeitpunkt, in Kiel zu spielen.“ Die Löwen sind am Donnerstagabend (19.05 Uhr) zu Gast in der Wunderino-Arena.

Der THW Kiel gehört nicht zu den Lieblingsgegnern des BHC. 15 Mal sind die beiden Teams aufeinandergetroffen – 15 Mal blieb der Deutsche Rekordmeister Sieger. Der THW ist damit der einzige Bundesligist, gegen den die Löwen noch nie gewonnen haben. „Statistisch passiert es wohl in einem von 20 Spielen, dass Kiel ein Match wie in Lübbecke verliert. Natürlich wären wir auch gerne mal dabei“, sagt Hinze, weiß aber auch, dass seine Mannschaft eine nahezu perfekte Leistung benötigt, um eine Chance zu haben – das gilt umso mehr in einer aktuell mit etwa 9300 Zuschauern ausverkauften Wunderino-Arena.

Während in diesen Tagen viele Vereine Probleme haben, ihre Hallen zu füllen, ist in Kiel der Andrang trotz aller bestehender Auflagen groß. Die Stimmung erinnert an die Zeit vor Corona und ist über die Bundesgrenzen hinaus berüchtigt. So sagte Tom Kare Nikolaisen kurz nach seinem Wechsel zum BHC: „In Kiel in einer ausverkauften Halle anzutreten, ist etwas ganz Spezielles. Ich kann es kaum erwarten, diese Atmosphäre zu erleben – auch wenn wir das Auswärtsteam sind.“

BHC tritt mit Siegerkader an

Diesen Traum wird sich der norwegische Kreisläufer nun erfüllen. „Vorige Saison habe ich dort gefehlt, aber es durften eh keine Fans in die Halle. Jetzt freue ich mich umso mehr, dass es klappt“, betont Nikolaisen, der offensiv wie defensiv eine Schlüsselrolle einnimmt. Denn in Max Darj fehlt nach wie vor die Erstbesetzung am Kreis mit einer Bauchmuskelverletzung.

„Tomas Babak fällt mit seinen Rückenproblemen ebenfalls weiterhin aus, aber sonst ist zum Glück niemand mehr hinzugekommen“, sagt Hinze. Es ist also zu erwarten, dass die Bergischen mit demselben Kader antreten, der zuletzt den SC DHfK Leipzig mit 30:20 aus der Unihalle gefegt hat. „Aus dem Spiel können wir natürlich einige gute Dinge mitnehmen. Gerade im Positionsangriff ist uns viel gelungen, das auch gegen Kiel wichtig sein wird.“

Beide Gegner verfügen über sehr kompakte Deckungsblöcke. „Wir haben es geschafft, die Abwehr zu trennen. Das wird auch diesmal eine Aufgabe sein“, meint der Trainer, der sich Chancen ausrechnet, wenn „wir eine hohe Zahl an Toren auf die Anzeigetafel bekommen.“ Freilich ist eine Bestätigung der starken Abwehrleistung ein wichtiger Grundstein, aber „ohne eine hohe Effektivität im Abschluss werden wir wohl nicht für Punkte in Frage kommen. Kurz gesagt: Wir müssen die Dinge, in den wir gut sind, perfekt machen.“

Wir müssen die Dinge, in denen wir gut sind, perfekt machen.

Sebastian Hinze, BHC-Trainer

Die individuelle Qualität des THW ist bekannt. Sie verfügen in Sander Sagosen über den wohl besten Handballer der Welt und dürften nach zuletzt einigen coronabedingten Ausfällen vollständig antreten. Komplett aufzuhalten werden die Kieler gewiss nicht sein.

Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt Hinze auch nicht. Erst am Dienstag kehrten alle international aktiven BHCer ins Mannschaftstraining zurück. Hinze selbst war am Wochenende in Magdeburg bei einer Trainerfortbildung zur Verlängerung seiner Lizenzen. „In der Woche vorher konnten wir in Kleingruppen trotzdem gut arbeiten, aber wir waren auch draußen und haben viel im athletischen Bereich gemacht“, sagt der Coach, für den nun der Liga-Alltag wieder beginnt – wobei die Situation dennoch außergewöhnlich ist. Denn auf die 484 Kilometer in den Norden folgen bereits drei Tage später 476 Kilometer in den Süden nach Balingen, wo der BHC am Sonntag (16 Uhr) antritt. Hinze: „Ich weiß kaum, wann wir dazwischen noch trainieren sollen.“

Bilanz

Bei 15 Versuchen hatte der Bergische HC den THW Kiel noch nie am Rande einer Niederlage. Zwei Mal verloren die Löwen nur mit drei Toren Unterschied. Das Weihnachtsspiel 2015 endete in der Kölner Lanxess Arena 28:31, vorige Saison hieß es in Kiel 30:33.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Markus Pütz gibt spannende Trainings-Einblicke
Markus Pütz gibt spannende Trainings-Einblicke
Markus Pütz gibt spannende Trainings-Einblicke
Gustavsson ist Torwart-Mentor des Bergischen HC
Gustavsson ist Torwart-Mentor des Bergischen HC
Gustavsson ist Torwart-Mentor des Bergischen HC
BHC ist beim Spitzenreiter gefordert
BHC ist beim Spitzenreiter gefordert
BHC ist beim Spitzenreiter gefordert
Mathias Fuchs: Eine Legende des Solinger Profihandballs
Mathias Fuchs: Eine Legende des Solinger Profihandballs
Mathias Fuchs: Eine Legende des Solinger Profihandballs

Kommentare