BHC

Löwen unterliegen trotz Comeback-Qualitäten

Tom Kare Nikolaisen ersetzte Max Darj auf beiden Seiten des Spielfeldes und bot dabei eine tolle Leistung. Fotos: Mathias M. Lehmann
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Tom Kare Nikolaisen ersetzte Max Darj auf beiden Seiten des Spielfeldes und bot dabei eine tolle Leistung.

Handball-Bundesliga: Der BHC kompensiert beim 25:27 (12:13) in Leipzig den Ausfall von Max Darj erfolgreich

Solingen. Es war ein Handballspiel, das einer Achterbahnfahrt glich: Hatte sich zu Beginn der Partie beim SC DHfK Leipzig ein Verlauf wie bei der 22:30-Pleite in Wetzlar angedeutet, stellte der Bergische HC das Spiel durch einen 8:0-Lauf auf den Kopf, verlor am Ende aber trotzdem knapp mit 25:27 (12:13). Den Ausfall von Leistungsträger Max Darj bekamen die Löwen nach einem kurzen Schock-Moment hervorragend kompensiert.

Personell improvisieren musste Sebastian Hinze von Anfang an. Da mit Arnor Gunnarsson und Yannick Fraatz die beiden gelernten Rechtsaußen des BHC-Kaders verletzt sind, bot der Coach Jeffrey Boomhouwer auf dieser Position auf. Das ist auf Bundesliga-Niveau ungewöhnlich, zumal der niederländische Rechtshänder auf der für ihn falschen Außenbahn stets einen schlechteren Winkel zum Tor hat als ein Linkshänder. Doch das Rezept ging recht gut auf, obwohl Boomhouwer seinen ersten Versuch nicht verwandelte. Zwei Mal danach blieb er beim Abschluss von außen trotz des Handicaps cool.

BHC-Handballer kamen nur schleppend ins Spiel

Es dauerte allerdings eine Weile, bis der BHC ins Spiel kam. Die Leipziger übernahmen von Beginn an das Kommando und schienen auch davon zu profitieren, dass Max Darj nach einem Zusammenprall mit Luca Witzke mit einer klaffenden Wunde in der Nähe der Augenbraue vom Feld musste. Das schwedische Abwehr-Ass wurde in der Kabine mit sieben Stichen genäht und kehrte nicht mehr auf das Feld zurück.

Dafür gebührt dem Team Respekt.

Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer, zur Aufholjagd der Mannschaft

Im Deckungszentrum agierten fortan Tom Kare Nikolaisen und Csaba Szücs. Ersterer stand als Darj-Ersatz auf beiden Seiten des Spielfeldes freilich besonders im Fokus, beide agierten über weite Strecken sehr stark. Nachdem die Bergischen zunächst völlig den Anschluss verloren und mit 3:9 hinten gelegen hatten, arbeiteten sie sich erfolgreich in die Partie. Die Abwehrreihe agierte immer stabiler, und vorne fand die Mannschaft Lösungen. Durch den nach einer erkältungsbedingten Auszeit wieder zur Verfügung stehenden Fabian Gutbrod, der seine gefürchteten Rückraum-Schüsse verwandelte, durch Nikolaisen, der einige Anspiele an den Kreis verwandelte. Beim Stand von 7:13 legten die Gäste gar einen 5:0-Lauf hin, um mit einem Ein-Tore-Rückstand in die Pause zu gehen.

Vorne leistete sich der BHC Fehlpässe

Aus dieser kam die Mannschaft wie beflügelt heraus. Gutbrod, Boomhouwer per Siebenmeter und Linus Arnesson erhöhten sogar auf acht Löwen-Treffer in Serie und ließen damit die 1400 Zuschauer in der Arena verstummen – ein Zustand, der keinen Bestand hatte. Der eingewechselte Leipziger Torhüter Joel Birlehm entschärfte ein paar Bälle inklusive eines Boomhouwer-Strafwurfs. Vorne leistete sich der BHC zudem Fehlpässe, die die Hausherren bestraften, indem sie ihrerseits einen Drei-Tore-Rückstand egalisierten und die Führung übernahmen.

Max Darj musste mit einer Kopfverletzung ausgewechselt werden.

Arnesson war es, der in Unterzahl den letzten Ausgleich zum 25:25 erzielte. Bei noch knapp vier Minuten auf der Uhr und einem Treffer Rückstand benötigten die Löwen nun gute Abschlüsse. Gutbrod übernahm die Verantwortung, scheiterte aber zwei Mal beim möglichen Ausgleich. Maciej Gebala entschied die Begegnung für die Gastgeber 40 Sekunden vor Schluss mit dem 27:25. „Zu Beginn lief vieles gegen uns, dennoch haben wir uns in das Spiel hineingefuchst“, meinte Geschäftsführer Jörg Föste. „Dafür gebührt dem Team Respekt.“

Rund um den BHC

Wechsel: Daniel Fontaine wird den Bergischen HC im kommenden Sommer verlassen. Der Rückraum-Rechtshänder soll zur HSG Nordhorn-Lingen wechseln. BHC-Geschäftsführer Jörg Föste bestätigte nur, dass Fontaines Vertrag am 30. Juni 2021 endet. Das BHC-Kapitel des 31-Jährigen ist recht bitter. Er war während seiner drei Jahre im Bergischen mehr verletzt als fit. Vor seinem Achillessehnenriss war Fontaine Leistungsträger, inzwischen kämpft er sich zurück zu alter Form.

Standpunkt: Der Faktor Zuschauer

Kommentar von Thomas Rademacher

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Fast unbemerkt hat der Bergische HC den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga geschafft. Selbst wenn die Löwen ihre verbleibenden fünf Partien verlieren würden, hätten sie mit 43 Minuspunkten genausoviele wie derzeit die Eulen Ludwigshafen, die den ersten Abstiegsplatz belegen. Vor den Pfälzern bleiben die Bergischen aber in jedem Fall, da am Ende der Saison der direkte Vergleich zählt. Den hat der BHC trotz der bösen 22:28-Auswärtspleite durch einen 28:19-Heimsieg für sich entschieden. Dass die Nachricht des Klassenerhalts eine derartige Randnotiz ist, spricht für die gewachsenen Ansprüche und die Tatsache, dass man trotz zuletzt nicht nur guter Auftritte im Schnitt deutlich besser als die Schlusslichter der Liga ist. In Leipzig hätte es sogar mal wieder bei einem Top-Ten-Team reichen können. Doch nach sieben Monaten einsamer Medienspiele wurden die Gastgeber auch von ihren Zuschauern zum Sieg gepeitscht. Als Jeffrey Boomhouwer Mitte der zweiten Halbzeit einen Siebenmeter vergab und Fabian Gutbrod kurz darauf scheiterte, wirkte das. Vielleicht nicht unbedingt auf die Löwen, aber gewiss auf die in dieser Phase strauchelnden Gastgeber.

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