Handball

BHC ist offensiv völlig neben der Spur - Stimmen zum Spiel im Podcast 

Die Enttäuschung steht den Handballern des Bergischen HC nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben. Foto: Mathias M. Lehmann
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Die Enttäuschung steht den Handballern des Bergischen HC nach dem Schlusspfiff ins Gesicht geschrieben.

Handball-Bundesliga: Die Löwen haben beim 20:28 (9:13) in Hannover fast keine Chance.

Aus Hannover berichtet Thomas Rademacher.

Solingen/Hannover. Zwei Mal war der Bergische HC ganz kurz bei der TSV Hannover-Burgdorf am Drücker. Beim 5:6 in der ersten und – völlig unverhofft – 12:14 in der zweiten Hälfte. Beide Male jedoch gelang es den Löwen überhaupt nicht, Kapital aus den Situationen zu schlagen, während die Gastgeber auf emotionale Auszeit-Appelle ihres Trainers reagierten, davonzogen und einen letztlich völlig ungefährdeten 28:20 (13:9)-Erfolg feiern durften. Für den BHC war es die erste Niederlage der noch jungen Bundesliga-Saison und gleichzeitig ein herber Dämpfer.

Christian Prokop nahm seine erste Auszeit beim 6:5. Der Coach der Niedersachsen hatte deutlich größere Vorteile bei seiner Mannschaft gesehen und nutzte die Situation, um seine Truppe auch kämpferisch neu einzustellen. Diese Qualität war auch nötig, hatte David Schmidt doch gerade für den BHC getroffen und dabei auch noch eine zweiminütige Hinausstellung gegen Fabian Böhm herausgeholt. Da zuvor auch Jonathan Edvardsson vom Feld geschickt worden war, bedeutete das für die Gäste mehr als 100 Sekunden in doppelter Überzahl – eine exzellente Gelegenheit, um wieder auszugleichen.

Doch es gelang nicht. Hannover nahm Torhüter Domenico Ebner zugunsten eines fünften Feldspielers runter und traf durch Martin Hanne zum 7:5. Auf der anderen Seite zog Schmidt an den Kreis durch, und der zurückgeeilte Ebner parierte spektakulär. Die Gastgeber füllten personell wieder auf, stellten wenige Momente später auf 8:5. Der Vorteil der Löwen verpuffte also nicht nur, die Hannoveraner waren es, die die Lage zu ihren Gunsten nutzten – auf der Anzeigetafel und emotional.

David Schmidt war der Roten Karte sehr nah

Und es blieben die Hausherren, die in den Schlüsselszenen da waren. In Unterzahl warf Linus Arnesson Vincent Büchner den Ball in die Hände, der nur ins leere Tor verwerten musste. Selbiges gelang Böhm bei 12:7-Zwischenstand. Gleich zu Beginn der Partie hatten die Löwen außerdem einen Anwuf direkt zum Gegner geworfen, der das konsequent ausgenutzt hatte. Der BHC agierte insgesamt fehlerbehaftet und zudem mit deutlich weniger Durchschlagskraft im Angriff als die Gastgeber, so dass der 9:13-Halbzeitrückstand logische Folge war.

Auch in der zweiten Halbzeit schien der BHC zunächst klar im Nachteil zu sein. Die Gäste ließen die nächste Überzahl-Situation ungenutzt. Böhm stellte auf 14:9, Johan Hansen stahl den Ball, scheiterte aber beim Gegenstoß an Christopher Rudeck, der bereits in der ersten Halbzeit häufig stark eingegriffen hatte und einer der Lichtblicke beim BHC war. Auch durch ihn sowie eine offensiv gute Phase kamen die Löwen wieder auf 14:16 heran. David Schmidt hatte Glück, dass er bei einem Foul gegen Vincent Büchner an der Mittellinie nicht mit der Roten Karte vom Feld flog, wenig später übersahen die Unparteiischen einen klaren Einwurf für die Hausherren, die sich daran aufzureiben schienen.

Die große Chance, das Spiel noch mal zum Kippen zu bringen, verpassten die Bergischen aber dennoch. Auch Prokops zweite emotionale Auszeit-Ansprache wirkte. Ebner hielt frei gegen Jeffrey Boomhouwer und Sebastian Damm. Nachdem Simen Schönningsen auch noch angeschlagen das Feld verlassen hatte, waren die Weichen eine Viertelstunde vor Schluss wieder klar in Richtung der ersten Saisonniederlage gestellt.

Dabei blieb es: Im gebundenen Angriff fehlte den Löwen die erfolgsbringende Idee, beziehungsweise sie erlaubten sich Fehler um Fehler. Da nutzte es auch nichts, dass Hannover zwischenzeitlich selbst kaum überragend agiert hatte. Alexander Weck beendete einen 0:6-Lauf. An der klaren Niederlage konnte er freilich nichts mehr ändern. „Die erzielten Tore haben in diesem Spiel eine Aussagekraft“, meinte Kapitän Fabian Gutbrod. „Wir haben leider von Anfang an zu viele einfache Fehler gemacht.“

Rund um den Bergischen HC

DHB-Pokal: In der zweiten Runde müssen die Bergischen bei der SG VTB / Altjührden spielen. Das Duell gegen die SG Langenfeld winkte bereits, doch die Rheinländer entschieden das Finale des Amateurpokals gegen Altjührden mit 22:19 für sich. Die Löwen treten damit beim etwa 300 Kilometer entfernten Finalisten voraussichtlich am Dienstag, 5. Oktober, an.

Csaba Szücs: Das Abwehr-Ass des BHC musste in Hannover passen, nachdem er sich einer ambulanten Operation am Finger hatte unterziehen müssen. Ob Szücs länger ausfällt, ist noch unklar.

Tom Bergner: Der Kreisläufer war zwar am Freitag beim 29:26-Erfolg des Tusem Essen über den ASV Hamm dabei, doch er gehörte auch in Hannover zum BHC-Kader.

Stimmen zum Spiel: Löwen graben sich ein Loch zu viel

Alexander Weck erzielte in der Schlussphase noch einige Tore, konnte die klare Niederlage aber nicht mehr abwenden.

Für Sebastian Hinze war nach Spielschluss sofort klar: „Das war ein völlig verdienter Sieg für Hannover, obwohl wir mit Ausnahme der letzten zehn Minuten ordentlich decken.“ Der Trainer des Bergischen HC haderte mit der Angriffsleistung seiner Mannschaft. „Uns ist ganz wenig aus dem Tempospiel gelungen, dazu hatten wir eine Phase, in der wir gegen die 3:2:1-Deckung ohne Druck den Ball weggeschmissen haben. Wir haben insgesamt viele Fehler gemacht.“

Bemerkenswert war für den Coach zudem, dass sich der Gegner in der besten BHC-Phase des Spiels absetzte. Beim 14:16 kassierten die Löwen einen 0:6-Lauf, der die Partie frühzeitig entschied. „Da haben wir es eigentlich gut gemacht, nutzen die Konter aber gar nicht“, sagte Hinze. „Man kann zusammenfassend sagen, dass wir in der ersten Hälfte die Bälle viel zu leicht hergegeben haben und in der zweiten die Effektivität nicht gut genug war, um das Spiel noch zu drehen.“

Ähnlich sah es Jörg Föste: „Gerade mit Blick auf die Torhüterleistungen war das ein ungewöhnliches Resultat“, meinte der BHC-Geschäftsführer. Christopher Rudeck und Domenico Ebner hatten je 13 Paraden auf ihrem Konto. „Trotzdem haben wir mit acht Toren verloren. Dann ist auch klar, woran es gelegen hat.“ Der 60-Jährige bezog sich die Angriffsleistung. „Fehlende Konzentration, viele technische Fehler, aber auch viele freie Würfe, die wir nicht im Tor untergebracht haben, waren hauptverantwortlich dafür, dass das Ergebnis so deftig ausfiel.“

Positiv wertete Föste den Kampf und das Comeback in der zweiten Halbzeit, aber „wir haben uns heute mehrere Löcher gegraben haben, und das letzte war einfach zu tief“. Nachdem die Mannschaft in der zweiten Hälfte ihre Gelegenheiten nicht mehr genutzt hatte, habe sie natürlich gehadert. „Wir haben so gut gedeckt, hatten so eine gute Torhüterleistung, sind aber trotzdem deutlich ins Hintertreffen geraten. Das macht etwas mit einem Sportler. Das ist klar.“

Standpunkt: Es regiert der Frust

Kommentar von Thomas Rademacher

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Gegen die beiden Aufsteiger Tus N-Lübbecke und HSV Hamburg war der Bergische HC hervorragend in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen die Außenseiter-Siege am Sonntag. Bei der TSV Hannover-Burgdorf aber setzte es für die Löwen einen Dämpfer. Das 20:28 war schon ziemlich deutlich und in einigen Phasen sogar erschreckend. Nicht etwa, weil der BHC keinen Zugriff in der Deckung hatte oder Christopher Rudeck die Hände nicht an den Ball bekam. Die Defensivleistung stimmte weitgehend, und Rudeck knüpfte an seine guten Vorstellungen aus den ersten beiden Partien an. Genauso häufig wie Rudeck – 13 Mal – hielt auch Domenico Ebner für Hannover. Er war ein Grund, dass der BHC nur 20 Tore zustande brachte. Aber es gab weitere: Die Löwen warfen dem Gegner einige Bälle in die Hände, doch sie wirkten vor allem dann mental nicht auf dem Feld, wenn sie eigentlich am Drücker waren. Eine doppelte Überzahl verpuffte komplett, eine Aufholjagd wurde durch einen Fehlwurf zügig beendet. Beim BHC regierte schnell der Frust – zumindest sah dies von außen so aus. Paradebeispiel dafür war David Schmidts Foul an Vincent Büchner an der Mittellinie. Hier hätte es sogar die seltene Blaue Karte geben können.

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