Handball

Europameisterschaft mit Happy-End für Max Darj

In der Vorrunde kurz vor dem Aus, mit Corona infiziert und am Ende doch Europameister: Max Darj (l.) erlebte eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Foto: imago
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In der Vorrunde kurz vor dem Aus, mit Corona infiziert und am Ende doch Europameister: Max Darj (l.) erlebte eine Achterbahnfahrt der Emotionen.

Der Bergische HC war mit neun aktuellen oder künftigen Spielern international vertreten.

Von Thomas Rademacher

Solingen. Mehr als 100 Spieler haben sich während der Handball-Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei mit dem Coronavirus infiziert – alleine 18 davon gehören der deutschen Delegation an. Vom Bergischen HC erwischte es Max Darj, Jeffrey Boomhouwer sowie unmittelbar vor der Abreise auch noch Lukas Stutzke. Doch trotz der turbulenten Zustände werden die meisten BHC-Profis die Veranstaltung wohl in positiver Erinnerung behalten. Allen voran Max Darj, der sich mit Schweden Gold holte.

„Max hat seiner Mannschaft weitere Stabilität verliehen – gerade mental, als er wieder eingestiegen ist“, blickt BHC-Geschäftsführer Jörg Föste auf das Turnier seines Kreisläufers zurück. Darj hatte sich in der Vorrunde infiziert, fiel dann bis zum Hauptrundenspiel gegen Deutschland aus, in dem er zum ersten Mal wieder auf der Bank saß. Im Endspiel erzielte der 30-Jährige einen Treffer auf dem Weg zum 27:26-Erfolg gegen Spanien. Nach Silber bei der EM 2018 und der WM 2021 gewann Darj damit zum ersten Mal bei einem großen Turnier die Goldmedaille.

Die deutsche Mannschaft kehrte zwar nicht mit Edelmetall, aber als Siebter mit hinzu gewonnenem Respekt vom Turnier zurück. Es war auch für Föste ein besonderes Event. Schließlich war er als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zum ersten Mal Teil der Delegation. Der 61-Jährige berichtet von ereignisreichen Tagen. „Mit Mark Schober und Benjamin Chatton (beide DHB-Vorstand) habe ich mich im Wesentlichen in Kopplung mit der medizinischen Abteilung um unsere bestmögliche Besetzung gekümmert“, beschreibt Föste seinen Alltag in Bratislava.

Schmidt und Stutzke kamen bei der EM zum Einsatz

Da sich das Virus konsequent den Weg durch die Mannschaft bahnte, hatten Föste und Co. alle Hände voll zu tun. Zahlreiche Spieler mussten nachnominiert werden. Zur Hauptrunde kamen schließlich auch David Schmidt und Lukas Stutzke vom Bergischen HC hinzu. „Die Aufgabe bestand auch darin, nicht zu viele Spieler herzuholen, weil immer die Gefahr gegenwärtig war, bereits infizierte Handballer einzufliegen“, sagt Föste. „Das ist uns mit ein bisschen Fortune über die Tage hinweg gut gelungen.“

Bezüglich der Fortführung der EM hatte Föste mit Blick auf das deutsche Team keine Bauchschmerzen. „Wir haben einen Herzspezialisten einfliegen lassen, der sichergestellt hat, dass die erkennbar flachen Verläufe keinen Anlass zur echten Besorgnis gegeben haben“, berichtet der BHC-Geschäftsführer. „Daher stand die Herstellung der sportlichen Leistungsfähigkeit im Fokus. Das war – ganz nüchtern betrachtet – unsere Aufgabe. Daher stand bei uns nicht zur Debatte, die Waffen zu strecken.“

Daher stand bei uns nicht zur Debatte, die Waffen zu strecken.

Jörg Föste, DHB-Vizepräsident und BHC-Geschäftsführer, zu einem möglichen EM-Abbruch

Mit dem Auftritt des Teams ist Föste extrem zufrieden: „Spürbar war der Geist, der von der deutschen Mannschaft ausgegangen ist. Sie haben ausgestrahlt, dass sie ein Team sind, sich in jeder Phase gegenseitig gepusht und erkennbar das Bestmögliche rausholen wollen. Mehr kann man unter diesen Umständen nicht erwarten.“ Ein Gewinner der EM ist zweifelsohne Lukas Stutzke, der ein hohes Maß an Überzeugung zeigte und auch in kritischen Phasen das Vertrauen von Bundestrainer Alfred Gislason bekam. „Er hat seine Chance gesucht und gefunden“, lobt Föste, der auch den Auftritt von David Schmidt speziell gegen Russland überzeugend fand.

Aus dem aktuellen Kader des BHC waren außerdem dem Jeffrey Boomhouwer sowie Tomas Babak und Tomas Mrkva dabei. Erstgenannter Niederländer, der zwischendurch durch das Virus außer Gefecht gesetzt wurde, landete mit seinem Team auf einem überraschenden zehnten Platz. „Jeffrey hat Hoch und Tief des niederländischen Teams komplett dokumentiert“, findet Föste, der die beiden Tschechen überragend fand. Torhüter Mrkva und Spielmacher Babak schieden nach der Vorrunde trotz guter Leistungen maximal unglücklich aus. „Tomas Mrkva war der Turm in der Schlacht, Tomas Babak der Turbo im Angriff.“

Bei der EM waren zudem drei Spieler, die ab Sommer zum BHC stoßen. Djbril M’Bengue (FC Porto) fiel im deutschen Team ebenfalls mit Corona aus, bekam daher nicht so viele Chancen, sich zu beweisen. „Als er gebraucht wurde, war er da“, urteilt Föste. Zum Kader des Europameisters zählen zudem Peter Johannesson (TBV Lemgo) und Isak Persson (Lugi HF). „Spätestens im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Norwegen hat Peter gezeigt, dass er seine Hütte zunageln kann“, sagte der BHC-Geschäftsführer über seinen künftigen Torhüter. Der nachnominierte Persson habe gezeigt, „was er für ein Talent ist“. Der Rechtsaußen musste vorzeitig mit einer Handverletzung abreisen. Föste: „So schlimm scheint sie nicht zu sein, aber ein weiteres Mitwirken war wohl unmöglich.“

Rund um den Bergischen HC

Überbrückungshilfe: Jörg Föste bemängelt die in NRW schleppende Zahlung der Gelder für Unternehmen, die von der Corona-Pandemie betroffen sind. „Es funktioniert überall flüssiger“, sagt der BHC-Geschäftsführer. „Wären wir nicht so gut vorbereitet gewesen, wäre ein derartiges Verhalten der Staatskanzlei existenzvernichtend.“

Heimspiele: Für das Duell gegen Kiel in Düsseldorf (13. Februar, 16 Uhr) sind mehr als 1700 Tickets verkauft. Der BHC hofft, dass die Zuschauerbeschränkungen (aktuell 750) bis dahin gelockert werden. Aus organisatorischen Gründen wurde das folgende Heimspiel gegen Lemgo (20. Februar, 16 Uhr ) von der Unihalle in die Klingenhalle verlegt.

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