Interview

BHC-Geschäftsführer Föste: „Alle wollen erkennbar besser werden“

Jörg Föste (Mitte) mit den ehemaligen Handball-Nationalspielern und weiteren DHB-Vizepräsidenten Uwe Schwenker (Präsident des Männer-Ligaverbandes) und Andreas Thiel (r., Ligaverbandspräsident Frauen) am Sonntag auf dem DHB-Bundestag.
+
Jörg Föste (Mitte) mit den ehemaligen Handball-Nationalspielern und weiteren DHB-Vizepräsidenten Uwe Schwenker (Präsident des Männer-Ligaverbandes) und Andreas Thiel (r., Ligaverbandspräsident Frauen) am Sonntag auf dem DHB-Bundestag.

Was der Manager des Bergischen HC als neuer Vizepräsident des Deutschen Handballbundes erreichen will.

Das Interview führte Günter Hiege

Herr Föste, was hat Sie bewogen, sich für das zweithöchste Amt im Deutschen Handball zu bewerben?

Jörg Föste: Nun, ich bin gefragt worden, und nach kurzer Bedenkzeit habe ich zugesagt. Es liegen spannende Zeiten vor dem deutschen Handballsport. Die Delegierten haben mir das Mandat zum Mitgestalten gegeben.

Was sind konkret die Aufgaben des Vizepräsidenten? Worin sind sie konkret eingebunden?

Föste: Wir werden das in unserem Gremium zeitnah definieren und zuordnen. Generell gilt: Die Vorstandsebene agiert operativ, die Präsidiums­ebene lenkt.

Mit Bob Hanning haben Sie einen prominenten Vorgänger, der auch schon mal polarisiert hat und sich auch in die Auswahl des Bundestrainers einschaltete. Was wollen Sie übernehmen, was vielleicht anders machen als Hanning?

Föste: Zunächst einmal schätze ich Bob sehr; er hat einen bedeutenden Anteil daran, dass der DHB die aktuellen, professionelleren Strukturen entwickelt hat. Wir haben durchaus eine ganze Reihe von gemeinsamen Sichtweisen, auch wenn unser Naturell sich unterscheidet. Insofern wird sich die Herangehensweise sicher ändern. Aber das spielt ohnehin eine untergeordnete Rolle, wenn man die Sache in den Vordergrund stellt. Und das tue ich konsequent.

Wo sehen sie die Chancen für den Handball, näher an den allgegenwärtigen Fußball in der öffentlichen Wahrnehmung heranzukommen?

Föste: Sehr gut. Zunächst einmal ist das in den vergangenen Jahren bereits gelungen, wie die Reichweiten-Kennzahlen deutlich belegen. Zum anderen bietet das sogenannte „Jahrzehnt des Handballs“ einzigartige Präsentations-Möglichkeiten. Junioren-WM 2023, Männer EM 2024, Frauen WM 2025 und Männer WM 2027: allesamt Titelkämpfe auf heimischem Boden, die öffentliches und somit auch mediales Interesse auf sich ziehen werden. Darin liegen außerordentliche Chancen, die wir nutzen werden.

Wo muss der Handball insgesamt noch professioneller werden?

Föste: Nun, Deutschland – das Mutterland des Handballs – befindet sich seit einigen Jahren in einem fortwährenden Reformprozess – sowohl auf Club- und Ligenebene wie auf Verbandsebene. Die Trainer und Geschäftsführer der Clubs, HBL und HBF sowie eben der DHB machen in ihrer Gesamtheit nach meinem Dafürhalten einen sehr guten Job. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, den aktuell guten Status zu erreichen. Und alle wollen erkennbar immer besser werden. Wie stark der Zusammenhalt übrigens ist – auch mit anderen Sportarten – hat sich in den Zeiten der pandemisch bedingten Friktionen gezeigt.

Ist es realistisch, dass die deutsche Mannschaft bei der Heim EM 2024 und den Olympischen Spielen im gleichen Jahr auch sportlich mal wieder um Medaillen mitspielt?

Föste: Ja, das ist realistisch, wenn auch ambitioniert. Bei den Männern gibt es in Europa acht, neun Nationen, die dieses Ziel ebenfalls mit Fug und Recht definieren können. Und für Olympia muss man sich bei einer WM qualifizieren, wo der Bewerberkreis nicht nur quantitativ – wie in früheren Jahren – sondern auch qualitativ größer wird. Da ist es dann schon ein knappes Dutzend. Bei den Frauen sind wir aktuell etwas weiter von der Welt­spitze entfernt.

Welche Auswirkungen hat es auf den Bergischen HC, dass dessen Geschäftsführer jetzt DHB-Vize ist? Steigt dessen Einfluss?

Föste: Die Entwicklung des Bergischen HC wird durch diesen Umstand sicher nicht gestört.

Müssen sie als BHC-Geschäftsführer Aufgaben im Bundesliga-Verein neu delegieren?

Föste: Wir haben beim BHC ohnehin in unserem „Programm 2025“ wesentliche Meilensteine der Zukunftsgestaltung bereits vor drei Jahren definiert und aktiviert. Eine Steigerung der Organisationsstärke und somit der Effizienz und Nachhaltigkeit stand und steht auf der Agenda.

Das ist Jörg Föste – und das sind die Hallenpläne des BHC

Jörg Föste ist 60 Jahre alt und Kaufmann. Geboren ist er in Solingen. Selbst hat er früher auf Bezirksliga-Niveau Fußball gespielt, war dann auch mal im Marketing beim damaligen Zweitligisten Union Solingen engagiert. 1989 wurde Föste Abteilungsleiter Handball bei Sportring Höhscheid, der 1996 zur SG Solingen wurde. 1995 verpflichtete er Bob Hanning als Trainer. 1996 gelang unter Hanning der Aufstieg in die 2. Liga, von 2000 bis 2002 war die SG Solingen sogar erstklassig. 2006 war Föste dann Gründungsgesellschafter beim Bergischen HC, der den Spitzenhandball von SG Solingen und LTV Wuppertal zusammenführte. 2011 gelang dem BHC erstmals der Aufstieg in die erste Liga, wo man sich mit Ausnahme von zwei Spielzeiten (beide Male gelang souverän der sofortige Wiederaufstieg) seitdem halten konnte. Größte Erfolge seitdem waren die Teilnahme am Pokal-Final Four im Jahr 2016 und der 7. Platz in der Liga in der Spielzeit 18/19. Seit 2012 ist Jörg Föste ehrenamtlicher Geschäftsführer Sport des BHC, war damals Nachfolger von Stefan Adam, der zum THW Kiel wechselte, bevor der zum Eishockey-Erstligisten Düsseldorfer EG ging.

Neubau Am Mittwoch werden in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Oberbürgermeistern Tim Kurzbach (Solingen) und Uwe Schneidewind (Wuppertal) ab 9 Uhr im Haus Müngsten in Solingen die Pläne für einen Hallenneubau im Bergischen Land vorgestellt. Diese neue Halle soll dann absehbar neue Heimat des Handball-Erstligisten Bergischer HC werden. Und sie wird wohl in Solingen erstellt. Die Stadt Wuppertal jedenfalls verfolgt den Bau einer Mehrzweck- und Event-Arena auf Wuppertaler Boden nicht weiter. Stattdessen, hieß es bislang in offizieller Lesart, werde es eine „bergische Lösung“ geben. Man sehe sich nicht in der Lage, sich an „nötigen Investitionskosten“ zu beteiligen, hatte Wuppertals Stadtdirektor Johannes Slawig gesagt, nachdem ein Gutachten einen Standort im Wicküler Park begutachtet hatte. Alles deutet nun auf einen Standort neben der Solinger Klingenhalle (die müsste zu aufwendig saniert werden) hin. Aktuell ist sie, wie die Wuppertaler Uni-Halle noch eine von drei Spielorten des BHC.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

BHC-Podcast: Pleite, Pläne, Personalien - viel drin in der neuen Löwenzeit
BHC-Podcast: Pleite, Pläne, Personalien - viel drin in der neuen Löwenzeit
BHC-Podcast: Pleite, Pläne, Personalien - viel drin in der neuen Löwenzeit

Kommentare