Handball-Bundesliga

Der Bau einer Sportarena ist für Jörg Föste zweifellos

BHC-Geschäftsführer Jörg Föste blickt optimistisch in die Zukunft. Die Planung läuft in Richtung einer Saison mit Zuschauern in den Hallen, und der 60-Jährige ist überzeugt, dass das letzte Löwen-Jahr von Trainer Sebastian Hinze sowie Kreisläufer Max Darj ein großes wird. Foto: Andreas Fischer
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BHC-Geschäftsführer Jörg Föste blickt optimistisch in die Zukunft. Die Planung läuft in Richtung einer Saison mit Zuschauern in den Hallen, und der 60-Jährige ist überzeugt, dass das letzte Löwen-Jahr von Trainer Sebastian Hinze sowie Kreisläufer Max Darj ein großes wird.

Der Geschäftsführer des Bergischen HC analysiert die gerade beendete Saison und blickt nach vorn.

Das Gespräch führte Günter Hiege

Eine intensive, von der Pandemie geprägte Saison in der Handball-Bundesliga ist nach 38 Spieltagen wie geplant zu Ende gegangen. Wie beurteilen Sie unter den besonderen Umständen den zwölften Platz des BHC?

Jörg Föste: Tatsächlich ist der zwölfte Platz eine gute Platzierung. Wir haben vor der Spielzeit bereits reflektiert, dass das eine Saison werden kann, in der alles möglich ist, alle Verwerfungen, die man sich vorher nicht hätte vorstellen können. Daher war unsere erste Zielsetzung, gut in die Saison hineinzukommen. Das ist uns formidabel gelungen. Davon haben wir gezehrt und bis März eine herausragend gespielt. Dann das ist eingetreten, was wir befürchtet hatten. Die doppelte Quarantänezeit hat uns ein wenig den Stecker gezogen. Unter dem Strich sind die Leistung der Mannschaft und der zwölfte Platz, der letztlich herausgesprungen ist, sehr positiv.

Sie kommen gerade aus dem Barmer Rathaus. Welche Nachricht bringen Sie von dort mit?

Föste: Mein Kollege Philipp Tychy und ich sind erstmals persönlich mit dem Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal zusammengetroffen. Vorher hatten wir das über digitale Meetings bewerkstelligt. Wir haben natürlich im Wesentlichen über den Ausblick des Bergischen HC und die Standortsituation der Heimspielstätte gesprochen.

Sie haben bei der Sponsorenveranstaltung bereits angedeutet, dass sie Fortschritte im Entgegenkommen der Städte Wuppertal und Solingen sehen. Gibt es da Konkreteres, etwa zu einem möglichen Hallenstandort?

Föste: Beide Oberbürgermeister sind sich einig, dass es zeitnah eine Lösung geben muss. Es wird im dritten Quartal eine Entscheidung darüber geben, ob in Wuppertal oder Solingen eine Arena gebaut wird. Dass sie gebaut wird, daran zweifle ich jetzt nicht mehr.

Ist der Wuppertaler Standort Wicküler-Park noch im Rennen?

Föste: Das ist zunächst intern zu klären. Wir haben die Standorte mal verglichen. Es liegt dann auch an den Oberbürgermeistern, die Entscheidung zu verkünden. Wir sind flankierend zur Stelle, wenn es darum geht, die Dinge nach vorne zu bringen.

Wie viele Standorte kommen denn infrage?

Föste: Ich kann so viel sagen: Es gibt einen favorisierten Standort in Solingen und einen in Wuppertal.

Würde so lange Düsseldorf als dritter Standort bleiben?

Föste: Tendenziell ja. Wir haben uns jetzt für die nächste Spielzeit wieder verständigt. Die Sportstadt Düsseldorf ist sehr interessiert daran, die Sportart Handball zu den Leistungssportarten zählen zu dürfen, die auf ihrem Terrain geboten werden. Wir haben perspektivisch die EM 2024, deren Auftaktspiel in der großen Arena in Düsseldorf stattfinden wird, mit einem möglichen Weltrekord an Zuschauern. Diese Perspektive macht deutlich, dass Düsseldorf sich im Handball stark engagiert.

Vor eineinhalb Jahren haben Sie die Vertragsverlängerungen der Schweden Max Darj und Linus Arnesson als weiteren Entwicklungsschritt des BHC hervorgehoben. Ist es ein Rückschritt, wenn 2022 Darj nach Berlin und Trainer Sebastian Hinze zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln?

Föste: Für den Bergischen HC ist es zunächst mal wichtig, dass beide erst 2022 wechseln. Das macht auch deutlich, dass der Stellenwert des BHC sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat. Dass solche Akteure auch während der Vertragslaufzeit gebunden bleiben, ist ein wesentlicher Faktor sowie ein wichtiges Signal an die Liga und international, dass wir sie nicht abgeben und auch keine Not haben. Das Zweite ist: Es ist der Geist des BHC, der weitergetragen werden muss. Ich bin sehr, sehr sicher, dass dieser Geist über den Sommer 2022 hinaus Fortbestand haben wird. Wir haben ein sehr junges Team, das sehr entwicklungsfähig ist – Tom Kare Nikolaisen am Kreis, Yannick Fraatz auf Rechtsaußen, der sehr jung ist, Alexander Weck als Eigengewächs, Lukas Stutzke als sehr hoffnungsvollen Rückraumspieler. Und wir haben Tim Nothdurft für 2022 auf der linken Seite verpflichtet, haben Tom Bergner am Kreis, der großes Talent besitzt. Vor der Zukunft ist uns nicht bange.

In der Fußball-Bundesliga gab es in dieser Saison gleich mehrere Beispiele, dass vorher angekündigte Trainerwechsel sich nicht unbedingt leistungsfördernd auf die Teams ausgewirkt haben, Stichwort Rose, Hütter, Nagelsmann. Fürchten Sie nicht Ähnliches?

Föste: Ich rechne mit dem Gegenteil. Zunächst einmal ist es so, dass Sebastian Hinze BHCer durch und durch ist. Er wird das nächste Jahr sehr positiv gestalten wollen. Die Mannschaft folgt ihm ohnehin. Ich bin sogar der Überzeugung, dass das nächste Jahr ein großes BHC-Jahr werden wird. Es wird das letzte Jahr von Sebastian und Max. Die Mannschaft ist eingespielt, ist auch aufgrund des Verlaufs der Spielzeit ein wenig angefressen, weil der Erfolgslauf gestoppt wurde.

Trauen Sie ihr sogar zu, in Richtung Europa zu gehen, so wie es zwischenzeitlich ja sogar aussah?

Föste: Wir haben eine Mannschaft, die sehr wettbewerbsfähig ist. Wir haben viele Spiele dominiert, sehr deutlich gewonnen, zum ersten Mal in der Geschichte des Bergischen HC. Und die Spiele, die verloren gingen, sind das bis zur zweiten Quarantäne sehr knapp. Das ist die Phase, die man auch werten kann und zeigt sehr deutlich, dass wir gefestigt sind, unsere Abläufe sich verbessert haben, unser Selbstverständnis gewachsen ist. Der Bergische HC ist weiter als vor einem Jahr.

Was kann man aus der schwierigen Endphase der alten Saison vielleicht doch an Positivem für die neue mitnehmen?

Föste: Gar nichts! Das war einfach verlorene Zeit. Wir haben fünf Wochen nicht trainieren können. Wir haben uns in irgendeiner Weise mental fit halten müssen, was nur sehr eingeschränkt funktioniert hat. Wenn es irgendetwas Positives gibt, dann vielleicht den Trotz, sich in der neuen Saison einmal mehr beweisen zu wollen, auch durchziehen zu wollen bis zum letzten Spieltag.

Das Thema Zuschauer scheint trotz sinkender Inzidenzahlen noch nicht ganz geklärt. Wie planen Sie da?

Föste: Was Einschränkungen hinsichtlich der Sars-Covid-19-Verordnung angeht, haben wir ja wirklich alles durch. Wir haben ohnehin die Einschränkung, dass wir unserer Trainingslager in Österreich aufgrund der Einreise-/Ausreise-Unsicherheit wieder nicht absolvieren können. Zum Zweiten werden wir auch die Kontakte der Spieler in unseren Schulprojekten, in unseren Partnerprojekten wiederum einschränken müssen. Und wir werden einen Eingangstest zu Beginn der Vorbereitungszeit Ende Juli haben. All das ist schon Einschränkung genug. Wir wollen uns nicht an Spekulationen beteiligen, wie es im Herbst oder Winter werden könnte. Wir planen so, dass wir fest daran glauben, eine hohe Impfquote zu haben – und damit auch relativ volle Hallen.

Wie fangen Sie den Ausfall des Trainingslagers auf?

Föste: Durch zwei Dinge. Erstens lässt sich jetzt einmal mehr deutlich sagen, dass unser Trainingszentrum ein Segen ist. Wir können ja jederzeit unsere Einheiten dort selbst vergeben. Darüber hinaus planen wir noch einen Kurztrip im Lande. Wir wissen aber noch nicht ganz genau, wohin es gehen wird.

Jörg Föste

Der Solinger ist seit 1989 auf verschiedenen Führungsebenen Lenker der Vorgängervereine des Bergischen HC. Bei diesem gehörte er 2006 zu den Gründungsmitgliedern und übernahm 2013 erstmals die Geschäftsführung, die er mit einer kurzen Unterbrechung bis heute innehat.

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