Interview

Sebastian Hinze: „Wir tun alles für Profi-Sport in der Region“

In Kooperation von Westdeutscher Zeitung Wuppertal und Solinger Tageblatt sprachen Jürgen König (ST, v. l.), Sebastian Hinze (BHC) und Günter Hiege (WZ) miteinander. Foto: Stefan Fries
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In Kooperation von Westdeutscher Zeitung Wuppertal und Solinger Tageblatt sprachen Jürgen König (ST, v. l.), Sebastian Hinze (BHC) und Günter Hiege (WZ) miteinander.

Der Trainer des Handball-Bundesligisten Bergischer HC beantwortet viele Fragen.

Von Günter Hiege und Jürgen König

Vorbereitung, Corona, Kader, Leistungszentrum – diese und viele andere Themen waren Inhalt des Interviews, das bei der Westdeutschen Zeitung Wuppertal in Kooperation mit dem Solinger Tageblatt geführt wurde. Das gesamte, längere Gespräch können Sie als Video auf den Facebook-Auftritten des ST und des ST-Sports sehen.

Sie haben mit ihrer Mannschaft aktuell noch einmal für zwei Wochen eine Trainingspause eingelegt. Wie geht es Ihnen?

Sebastian Hinze: Mir geht es wunderbar, wir haben die erste Trainingsphase überragend gestaltet. Die Jungs haben super mitgezogen und sich jetzt noch einmal zwei freie Wochen verdient. Sie haben natürlich Hausaufgaben bekommen, damit wir dann ab übernächster Woche Montag in die zweite Trainingsphase einsteigen können.

Wenn es am 1. Oktober in der Liga losgehen soll, wird das letzte Bundesligaspiel sieben Monate zurückgelegen haben. Wie haben Sie die lange Spielpause erlebt?

Hinze: Für die Spieler, für mich und alle Beteiligten war es schwer, dass wir unserem Job eine Zeit lang nicht nachgehen konnten. Seit der neue Saisonstart feststeht, haben wir ein Stück weit Normalität zurück, auch wenn die Vorbereitung durch die Umstände zweigeteilt und mit zwölf Wochen auch etwas länger ist. Im Grund sind wir aber jetzt in einem normalen Rhythmus. Ich hoffe, dass wir in diesem bleiben können. Und, dass wir den 1. Oktober als Starttermin behalten und bis dahin die zweite Vorbereitungsphase auch mit Testspielen so gestalten können, wie wir das gewohnt sind.

Jennifer Kettemann, Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen, hat gerade geäußert, dass sie ohne Zuschauer das Geschäftsmodell auf der Kippe sieht. Wie groß ist Ihre Sorge um die Zukunft des Profihandballs?

Hinze: Ich kann nur für den BHC sprechen. Wir sind der Profi-Sportverein in der Region, der einzige, der hier überregional stattfindet. Wir tun alles dafür, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich, dass wir das auch weiter sein werden. Wirtschaftlich ist es sicherlich ein sehr schweres Jahr für alle Vereine. Wir sind uns der Verantwortung bewusst. Mein Job ist es, das sportlich zu lösen. Wir tun alles dafür, dass wir gut durch die Krise gehen.

Was glauben Sie, inwieweit sich der Profi-Handball nachhaltig durch Corona verändern wird?

Hinze: Man muss es getrennt sehen. Die Sportart Handball wird es ja weiter geben. Das sehe ich auch, wenn ich die Jungs in der Halle sehe, mit welchem Engagement sie dabei sind. In diesem Jahr wird sich sicherlich der Profi-Sport, wie wir ihn mit vollen Hallen gewohnt sind, ändern. Da werden wir neue Wege suchen müssen, weil die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß ist, dass wir mit vollen Hallen starten. Wir haben die Hoffnung, dass wir Zuschauer hereinlassen dürfen, dass wir das Stück für Stück aufbauen, aber wir wissen alle nicht, wie es sich entwickelt. Deshalb ist auch das Wichtigste in diesem Jahr, dass wir Handball spielen können, es schaffen, eine Saison zu Ende zu bringen. Für alles andere werden wir sehr hart arbeiten, um es zu lösen, dass auch der Profi-Sport überlebt.

„Wir haben jetzt eine Heimat, kurze Wege.“
Sebastian Hinze zum neuen Leistungszentrum

An die Emotionen der Zuschauer will der BHC am 12. September in Düsseldorf im Test gegen Tusem Essen kommen. Es soll auch für die Liga ein Pilotprojekt werden. Welche Bedeutung hat das Spiel für Sie?

Hinze: Für mich zählt in diesem Spiel nur die sportliche Vorbereitung. Wir wussten nicht, in welchem Rahmen abgemachte Testspiele stattfinden können. Wir wissen jetzt, dass wir innerhalb der Bundesliga spielen dürfen, weil alle dasselbe Testkonzept fahren. Es werden aber nicht so viele Testspiele wie in den Jahren zuvor. Dazu die lange Pause. Deshalb ist jedes Spiel sehr wichtig und auch wichtig, dass man einen Wettkampfcharakter erzeugt, um gut in die Saison zu starten.

Mit David Schmidt, aktueller deutscher Nationalspieler, Tom Kare Nikolaisen, norwegischer Nationalspieler und Tom Bergner, Top-Talent am Kreis, hat sich der BHC gut verstärkt, hatte natürlich auch Abgänge. Was darf man vom BHC in der kommenden Saison erwarten?

Hinze: Schönen Handball.

Und erfolgreichen?

Hinze: Ja, das gehört natürlich dazu. Aber für uns ist wichtig, dass die Auswahl der Neuzugänge zum System, das wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, passt. Zur Idee, wie der Bergische HC Handball spielen will. Gerade die Verpflichtungen auf der Kreisläufer-Position sind gedacht für die Zukunft, dass sie Max Darj entlasten können und seine Rolle sicherlich auch mal über einen längeren Zeitraum einnehmen können. Sie haben das Potenzial, sowohl im Innenblock zu decken als auch vorne zu agieren. Es sind zwei junge Typen, die die Bundesliga noch nicht kennen. Man merkt, dass es noch etwas Arbeit ist, sie ans Bundesliga-Niveau heranzuführen, aber das ist das, was den Bergischen HC auszeichnet. Ich glaube, dass es bei den beiden sehr schnell geht und wir dann ein Gesamtpaket haben, aus einer flexiblen Abwehr schnellen, modernen, schönen Handball zu spielen. Und ich glaube, dass der dann auch erfolgreich sein wird.

Mit Trainingsstart Mitte August werden Sie das neue Trainingszentrum in Solingen beziehen. Können Sie skizzieren, welchen Schritt das für den BHC bedeutet?

Hinze: Einen Riesenschritt. Wir freuen uns alle sehr darauf. Von den Bedingungen ist es ähnlich wie bislang – nur, dass wir das an verschiedenen Orten hatten. Ich hatte mein Büro in der Geschäftsstelle, der Videokonferenzraum war mal da, mal da, wir hatten das Athletik-Training woanders und die Physiotherapie ums Training rum. Das alles wird bald an diesem Ort sein, wo wir auch trainieren. Wir haben jetzt eine Heimat, kurze Wege.

Sebastian Hinze

Karriere: Der 41-Jährige ist der Inbegriff des Bergischen Handball-Clubs 06. Der Wuppertaler avancierte nach Stationen bei der TG Cronenberg und beim LTV zum Publikumsliebling bei der SG Solingen. Als Kreisläufer war er von der ersten Stunde an ein Löwe, gewann 2007 als Co-Trainer mit der A-Jugend die Deutsche Meisterschaft. Später übernahm er im Verein den Posten des Jugendkoordinators und löste im Mai 2012 HaDe Schmitz als Cheftrainer ab. Nur Wetzlars Kai Wandschneider (seit März 2012) hat eine längere Bundesliga-Tätigkeit zu verzeichnen.

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