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Mit Podcast: Rudeck öffnet die Tür – BHC schafft’s nicht durch

Inklusive eines Siebenmeters entschärfte Christopher Rudeck 15 Würfe auf sein Tor. Zum Sieg gegen Kiel langte es trotzdem nicht. Foto: Kurt Kosler
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Inklusive eines Siebenmeters entschärfte Christopher Rudeck 15 Würfe auf sein Tor. Zum Sieg gegen Kiel langte es trotzdem nicht.

Bundesliga: Die Bergischen Löwen haben beim 24:26 (13:13) gegen den THW Kiel alle Chancen auf eine Überraschung.

Von Thomas Rademacher

Solingen/Kiel. Alexander Weck hatte gut zwei Minuten vor Schluss die Chance, auf 23:24 aus Sicht des Bergischen HC gegen den THW Kiel zu stellen und damit noch einmal für gewaltige Hektik beim haushohen Favoriten zu sorgen. Doch der Rückraumspieler wurde gefoult, wartete vergeblich auf den Pfiff und Domagoj Duvnjak erzielte das vorentscheidende 25:22 auf dem Weg zum 26:24-Erfolg der Kieler. Der Bergische HC muss daher weiter auf seinen ersten Punkt gegen den THW Kiel und den ersten Sieg im Düsseldorfer PSD Bank Dome warten.

Einen furiosen Start erwischte Christopher Rudeck. Der Torhüter parierte gleich zum Auftakt sechs Mal gegen die Kieler, die teilweise frei an den Kreis durchgekommen waren. Die dadurch entstehende Chance, gegen den Topfavoriten in Führung zu gehen, nutzten die Löwen. Einen 1:2-Rückstand verwandelten die Gastgeber durch Linus Arnesson, einen Doppelschlag von Jeffrey Boomhouwer, Alexander Weck sowie Simen Schönningsen, der sich trotz hartem Kontakt gegen Pavel Horak durchsetzte, in eine 6:2-Führung.

Das war ein klarer Freiwurf für uns.

Christopher Rudeck, BHC-Torhüter

Doch auch die Kieler spielten sich zunächst gute Gelegenheiten gegen die BHC-Deckung heraus und nutzten diese mehr und mehr. Nachdem die Bergischen in einer Unterzahl-Situation zwei Mal den Ball verloren hatten, glichen die Gäste beim 10:10 zum ersten Mal wieder aus. Obwohl sich der BHC nun offensiv sichtbar aufrieb, technische Fehler durch Arnesson sowie Lukas Stutzke beging, und Arnor Gunnarsson das Tor beim Wurf von Außen komplett verfehlte, geriet er nicht in Rückstand. Rudeck drehte in Kombination mit der Abwehr wieder auf, und auch die Kieler leisteten sich ein paar Fehler. Alexander Weck mit viel Gewalt und Arnesson per Siebenmeter erzielten zwei weitere Löwen-Vorsprünge, die die Kieler vor der Pause jeweils noch egalisierten, so dass es mit 13:13 in die Kabinen ging.

Die Hausherren benötigten nach Wiederanpfiff eine Steigerung, um den amtierenden Deutschen Meister ernsthaft zu gefährden. Doch die hatten sie zunächst nicht. Schönningsen warf einen missglückten Pass zu Boomhouwer, der wiederum leistete sich beim Gegenstoß ein Stürmerfoul, und Arnesson verlor den Ball im Angriff ebenfalls. Tom Kare Nikolaisen markierte das erste BHC-Tor nach der Pause zum 14:16-Zwischenstand. Angesichts vieler Unzulänglichkeiten im BHC-Spiel durfte die Mannschaft mit dem Zwischenstand sogar zufrieden sein. Die Gäste rieben sich in dieser Phase ebenfalls auf.

An Rudeck jedenfalls lag es nicht, dass seine Farben vorerst nicht mehr entscheidend herankamen. Der Keeper hielt weiterhin zum Teil spektakulär und öffnete so immer wieder die Tür, durch die es der BHC nicht hindurch schaffte. Die Ausnahme bildete Nikolaisen, der am Kreis stets anspielbereit war und die Bälle, die ihn erreichten, sicher verwandelte. Dann aber gewannen die Bergischen nach und nach an offensiver Sicherheit. Gunnarsson und der überragende Nikolaisen sorgten beim 18:18 tatsächlich wieder für den Ausgleich.

Der BHC hatte die Kieler nun genau da, wo er sie haben wollte. Nach einer Siebenmeter-Parade von Rudeck lag der psychologische Vorteil bei den Löwen. Doch ein Zusammenstoß von Schönningsen mit Kiels Schlussmann Niklas Landin, ein frei vergebener Wurf von Nikolaisen und zwei einfache Fehler im Angriff machten es den Gästen leicht, wieder davonzuziehen. Der 18:22-Rückstand war zehn Minuten vor Schluss eine hohe Hürde.

Eine, die die Bergischen durch die Umstellung auf den siebten Feldspieler im Angriff und eine 5:1-Variante in der Abwehr sogar fast noch überwunden hätten. Der Nicht-Pfiff gegen Weck war aber ein Nackenschlag zu viel. „Das war ein klarer Freiwurf für uns“, haderte Rudeck, der mit 15 Paraden und einer Fangquote von 37 Prozent Matchwinner-Statistiken hatte. „Insgesamt war die Linie der Unparteiischen aber Ordnung. Die Niederlage ist extrem bitter.“

Sieg zum Greifen nah: Stolz überwiegt bei Jörg Föste nach couragiertem Auftritt

Die Enttäuschung war nach dem Schlusspfiff groß bei den Handballern des Bergischen HC. Auch das 17. Bundesligaspiel gegen den THW Kiel endete mit einer Niederlage. „So traurig das 24:26 nach dem Spiel natürlich ist, so beherzt hat die Mannschaft gekämpft“, sagte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste. „Unter dem Strich überwiegt der Stolz auf das Team, das es toll gemacht hat gegen einen super besetzten Gegner. Nach dem Spielverlauf wäre ein Sieg keine Sensation gewesen. Tatsächlich ist mein Gefühl, dass wir Kiel noch nie so nah an einer Niederlage hatten.“

Die Gründe dafür sind für den Geschäftsführer klar. „Wir hatten ein Plus beim Torhüter durch Christopher Rudeck. Das hat man gegen Kiel auch nicht alle Tage. Und es gab in der zweiten Halbzeit zig Situationen, die unglücklich für uns gelaufen sind.“ Trainer Sebastian Hinze sah es ähnlich. Auch er zeigte sich begeistert von einer Mannschaft. „Es waren aber leider zwei, drei technische Fehler zu viel. Das ist sehr schade, weil wir heute sehr viel davon hatten, was man braucht, um den THW Kiel zu schlagen“, fasste der 42-Jährige zusammen.

Kämpferisch hatten sich die Löwen überhaupt nichts vorzuwerfen. Hier erobert Max Darj den Ball im Stile eines Footballers.

Bei Christopher Rudeck herrschte nach dem Abpfiff freilich Ernüchterung. „Es war leider ein klassischer Auftritt gegen Kiel. Sie machen heute nichts besser als wir, aber wir verlieren leider mit zwei Toren“, ärgerte sich der Torhüter. „Wir machen ein paar Fehler zu viel, die Kiel natürlich auch gut provoziert, bekommen dann aber die Gegenstöße einfach nicht verteidigt.“

Mit der eigenen Abwehrleistung war er zufrieden. „Wir kriegen vielleicht 20 Gegentore im Kieler Positionsangriff. Das war gut“, sagte der Torhüter, der den Gästen unheimlich viele Würfe wegnahm. Das war dem 27-Jährigen bei dem Resultat aber egal. „Wenn ich drei Paraden hätte und wir gewinnen mit einem Tor, wäre mir das lieber. Ich bin heute sehr enttäuscht.“

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Rund um den BHC

Personal: Fabian Gutbrod (Schulter), David Schmidt (Oberschenkel) und Csaba Szücs (Corona) fehlten erwartungsgemäß. Torhüter Tomas Mrkva machte sich warm, stand auch auf dem Spielprotokoll, kam aber letztlich nicht zum Einsatz. Er hatte sich vorige Woche eine Zerrung zugezogen.

Ausblick: Der BHC kehrt in dieser Saison noch einmal in den PSD Bank Dome zurück. Am 30. Spieltag (Mitte Mai) ist GWD Minden zu Gast. Wann das Spiel genau angesetzt wird, ist noch offen.

Einwurf: Kiel bleibt Angstgegner

Kommentar von Thomas Rademacher

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Dass der Bergische HC den THW Kiel als Angstgegner hat, darf man als Kompliment verstehen. Schließlich ist der Rekordmeister eines der besten Teams in Europa und gewiss das stärkste in Deutschland, seit die Löwen in der Bundesliga spielen. Insofern passt es ins Bild, dass der THW Kiel seit inzwischen mehreren Jahren der letzte verbliebene Konkurrent ist, gegen den der BHC noch nie einen Punkt geholt hat. Es wäre viel ärgerlicher, wenn der BHC-Angstgegner VfL Gummersbach heißen würde – mit den Kielern kann man in dieser Kategorie leben, auch wenn die Löwen am Sonntagnachmittag ein Mal mehr nah an der Überraschung dran waren. Eigentlich war der THW in der zweiten Hälfte fällig, zog aber ein Mal mehr den Kopf noch irgendwie aus der Schlinge. Irgendwann reißt auch diese Serie noch. Jede Wette.

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