Handball-Bundesliga

Peer Pütz ist beim Bergischen HC Meister der Zahlen

Chefcoach Jamal Naji (M.) und Co-Trainer Peer Pütz (r., mit Teamassistent Jan Artmann) befinden sich während der Bundesliga-Spiele des Bergischen HC regelmäßig im Austausch. Die finale Entscheidung obliegt natürlich Naji.
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Chefcoach Jamal Naji (M.) und Co-Trainer Peer Pütz (r., mit Teamassistent Jan Artmann) befinden sich während der Bundesliga-Spiele des Bergischen HC regelmäßig im Austausch. Die finale Entscheidung obliegt natürlich Naji.

Der Co-Trainer der Löwen hat bei Bayer Dormagen schon als Chefcoach große Erfolge gefeiert.

Von Thomas Rademacher

Peer Pütz ist zum ersten Mal Co-Trainer in der 1. Liga.

Peer Pütz wirkt nahezu immer in sich ruhend. Der 30-jährige Co-Trainer des Bergischen HC gehört nicht zu der Art Coach, die dadurch auffallen, besonders viele Emotionen von außen hereinzubringen. Diesen Job übernehmen bei den Löwen andere. Cheftrainer Jamal Naji macht dies gelegentlich und ganz sicher auch Teamassistent Jan Artmann. Generell liegt die Aufgabenverteilung im Trend beim BHC – Naji möchte möglichst viel Kompetenzen nutzen. So ist es auch keine Überraschung, dass durch Pütz' Verpflichtung als rechte Hand des Trainers eine zusätzliche Stelle beim BHC geschaffen wurde. Der neue „Co“ ist vor allem für die Analyse zuständig.

„Jamal hat früh angefragt, ob ich mir den Wechsel zum BHC vorstellen könne“, berichtet Peer Pütz. „Wir haben im Handballverband Mittelrhein und bei Bayer Dormagen schon zusammengearbeitet. Dass ich mit ihm ins Bergische komme, hat dann schon früh festgestanden.“ Der Leverkusener ist nun in beratender Funktion tätig, kümmert sich um Videoschnitte, aber vor allem ist er Meister der Zahlen. So hat er ein Statistik-Werkzeug entwickelt, um Stärken, Schwächen und Effizienz von Handballern möglichst objektiv zu bewerten.

„Ich schaue selten ein Handballspiel, ohne mir etwas zu notieren.“

Peer Pütz, Co-Trainer des BHC

In der Bundesliga wird seit einer Weile der Handball-Performance-Index (HPI) gepflegt, bei dem es für gute Aktionen Plus-, für schlechte Minuspunkte gibt. „Dabei gibt es mehrere Probleme“, erläutert Pütz und erläutert eines davon: „Gerade defensiv wird nicht viel eingepflegt – Blocks, Steals und verursachte Siebenmeter. Das war es dann.“ Der Grund dafür liegt in der Komplexität des Handballs. Um zum Beispiel gewonnene Zweikämpfe oder verpasste Helfer-Situationen zu bewerten, benötigt es Expertise, für die eine kurze Schulung nicht ausreicht. „Die Bundesliga-Statistik ist daher gut für Zuschauer, aber für den Fachmann reicht sie nicht aus“, sagt Pütz.

Noch schwieriger wird es zum Beispiel bei der Bewertung, ob die Deckung einen guten Block gestellt hat und vor allem dadurch der Torhüter den Ball parieren konnte. „Ein bisschen subjektiv ist es immer, aber dadurch, dass ich dies bei jedem unserer Spiele mache, wird es vergleichbar“, meint der Co-Trainer.

Die Zahlen haben Einfluss auf die alltägliche Arbeit. „Zum einen helfen sie, um persönliche Eindrücke zu bestätigen oder widerlegen. Ist der etablierte Spieler wirklich der stärkere? Zum anderen lässt sich ablesen, was wir konkret als Mannschaft besser machen müssen“, sagt der 30-Jährige, der sich schon lange bemerkenswert akribisch mit dem Sport beschäftigt. So hat er vor knapp zehn Jahren eine Datenbank angelegt, in der er über alle Spieler, die aus seiner Sicht interessant sind, Fakten sammelt. „Ich schaue selten ein Handballspiel, ohne mir etwas zu notieren“, gibt er zu. Zuletzt stand der BHC-Bus Richtung Berlin im Stau. Pütz nutzte die Chance, um sich zwei Zweitliga-Partien anzuschauen und seine Erkenntnisse in die Datenbank einzupflegen.

Keine Frage, der Sport dominiert Peer Pütz' Leben. Für Freundin Alexandra findet er natürlich noch Zeit, beim Hobby Tennis wird es schon knapper. Dabei hatte der ehemalige Drittliga-Handballer (in Hagen und Korschenbroich) eigentlich niemals die Absicht, in den Trainerbereich zu gehen. „Ich konnte mir für ein Studium Trainertätigkeiten anrechnen lassen und habe deshalb im Nachwuchs des TuS 82 Opladen mitgeholfen. Ein Jahr später war ich Chefcoach der C-Jugend, und wir sind Mittelrhein-Meister geworden. Es hat sich einfach so ergeben.“ In der B-Jugend war er in Opladen unter anderem für BHC-Rückraum-Ass Lukas Stutzke und den im kommenden Sommer zu den Löwen wechselnden Eloy Morante Maldonado verantwortlich.

Dann fragte Bayer Dormagen an, wo er über diverse Tätigkeiten im Jugendbereich schließlich auch Co-Trainer des Männer-Zweitligisten wurde. Und als im vorigen Winter bereits feststand, dass es im Juli 2022 zum BHC gehen würde, rutschte er nach der Trennung von Dusko Bilanovic sogar in die Hauptverantwortung.

Pütz: „Das war ein stressiges halbes Jahr, aber es hat auch richtig Spaß gemacht.“ Vor allem aber war es erfolgreich. Dormagen wurde mit 22:16-Punkten Fünfter der Rückrundentabelle und hielt doch noch die Klasse. Will er also künftig wieder als Cheftrainer arbeiten? „Ich habe kein konkretes Ziel“, sagt Pütz, der – beinahe nebenbei – auch Bachelor-Abschlüsse in Logistikmanagement sowie Finanzen und Controlling gemacht hat. „Ich bin immer gut damit gefahren, sich die Dinge entwickeln zu lassen. Fest steht, dass ich mich in meiner Rolle beim BHC sehr wohl fühle.“

Und wann holt die Mannschaft wieder Punkte? „Wir haben im Pokal gegen Göppingen und auch in Berlin gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind“, sagt Pütz, der sich im November einige gute Resultate vorstellen kann. Die Zahlen jedenfalls geben Anlass zur Hoffnung.

Trainerteam

Durch die Hinzunahme von Peer Pütz hat sich der Coaching-Staff vergrößert. Neben Cheftrainer Jamal Naji sind dabei: Markus Pütz (Co-Trainer), Jan Artmann (Teamassistent), Björgvin Gustavsson (Torwart-Mentor), Oliver Schumacher (Athletik).

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