Handball

Nothdurft sprintet gern einmal zu viel

Die Klingenhalle kennt Tim Nothdurft bereits durch seine Auftritte mit HBW Balingen-Weilstetten. Künftig weiß er die Kulisse dort hinter sich.
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Die Klingenhalle kennt Tim Nothdurft bereits durch seine Auftritte mit HBW Balingen-Weilstetten. Künftig weiß er die Kulisse dort hinter sich.

Handball-Bundesliga: Zugang aus Balingen wertet die Linksaußen-Position beim Bergischen HC auf.

Von Thomas Rademacher

Er ist einer der schnellsten Spieler der Bundesliga, hat mit 1,95 Metern Körpergröße auf der Linksaußen-Position geradezu ein Alleinstellungsmerkmal, doch trotzdem flog Tim Nothdurft bislang in der Handball-Bundesliga ein bisschen unter dem Radar. Freilich: Bei seinem Heimatverein HBW Balingen-Weilstetten war beziehungsweise ist der 25-Jährige über jeden Zweifel erhaben, doch sein ligaweiter Bekanntheitsgrad ist noch gar nicht so groß. Das könnte sich beim Bergischen HC rasch ändern. „Er ist ein sehr aufstrebendes deutsches Talent“, ist Trainer Jamal Naji überzeugt. „Mit ihm und Noah Beyer haben wir zwei Linksaußen an Land ziehen können, die eine Rolle im deutschen Handball spielen können.“

Für Tim Nothdurft ist der Wechsel zum Bergischen HC der nächste Karriereschritt. „Ich habe sechs Jahre in der Jugend von HBW gespielt und danach sechs Jahre in der Bundesliga beziehungsweise der 2. Liga. Ich kenne eigentlich nur Balingen. Es war einfach mal an der Zeit, herauszukommen“, erläutert der Außenspieler, der diese Entscheidung bereits vor knapp zwei Jahren getroffen hatte. Der erste Kontakt zum Bergischen HC kam in der Saison 2020/21 noch über Ex-Coach Sebastian Hinze zustande. „Der Entschluss zum Wechsel fiel aber unabhängig von ihm“, stellt Nothdurft klar.

Leicht sei es ihm nicht gefallen, denn „die emotionale Bindung zu meiner Heimat ist natürlich groß“. Der Drang, die eigene Komfortzone zu verlassen und beim BHC Chance und Risiko gleichzeitig zu suchen, habe allerdings deutlich überwogen. „Mit dem BHC gehe ich zu einem Verein, der eine Stufe höher ist, bei dem ich aber gleichzeitig darum kämpfen kann, erste Wahl auf meiner Position zu sein“, nennt Nothdurft einen Beweggrund für die Unterschrift. „Dazu hat mich das Trainingszentrum von Anfang an beeindruckt – genau wie übrigens das erste Gespräch. Ich hatte hier sofort ein gutes Gefühl.“

Nach zwölf Jahren beim selben Verein ist Nothdurfts neues Outfit noch ungewohnt.

Und nun befindet sich der Handballer in einer für ihn noch völlig neuen Welt. „Vor dem ersten Training war ich schon mit Linus Arnesson und Peter Johannesson essen. Aber natürlich bin ich am Anfang auch etwas nervös zum Training gefahren“, sagt Nothdurft. „Richtig normal fühlt sich das alles immer noch nicht an, aber es ist im positiven Sinne aufregend.“

Mit Noah Beyer, der vom TuSEM Essen gekommen ist, bildet Tim Nothdurft das neue Linksaußen-Gespann. Die Hoffnung beim BHC ist groß, dass die Position durch beide merklich aufgewertet wird. „Wir werden uns einen Kampf um Spielzeit liefern“, erwartet der 25-Jährige. „Es herrscht eine gewisse Konkurrenz, trotz derer es wichtig ist, dass wir ein gutes Verhältnis haben. Davon bin ich bei Noah absolut überzeugt. Bisher läuft es sehr gut.“

Nothdurft empfiehlt sich bei Trainer Jamal Naji mit einigen Qualitäten. Mit 29,16 Kilometern pro Stunde ist der Sportler durchschnittlich schnellster Spieler der gesamten Liga. Dadurch sowie seine hohe Reichweite ist er auch eine gute Option als Spitze einer offensiv ausgerichteten Deckung. „Mein Wachstumsschub kam erst spät“, sagt er. Die 1,95 Meter Körpergröße haben sich zu einem Vorteil entwickelt. „Es ergibt sich auch beim Abschluss ein anderes Bild für die Torhüter, weil sich zum Beispiel die Höhe ändert, in der ich den Ball werfe.“

Wäre ein Wechsel in den Rückraum nicht auch interessant gewesen? „Ich habe früh gemerkt, dass ich es außen als Profi schaffen kann und habe deshalb auch keinen Drang verspürt, noch in den Rückraum gehen zu wollen“, sagt der Handballer. Der eine oder andere Sprint zu viel, zu denen Außenspieler bei Kontern regelmäßig verdammt sind, „macht mir nichts“, betont er lachend. „Das sieht man ja an meinen Laufwerten.“

Für drei Jahre hat Nothdurft bei den Löwen unterschrieben, mit denen er mehr erreichen möchte als nur den Klassenerhalt. „Ich kenne aus Balingen nur dieses Ziel und würde hier schon gerne etwas höher hinaus. Konkret würde ich aber nichts ausgeben. Das ergibt sich“, sagt der Außen, der in Solingen-Gräfrath die ehemalige Wohnung vom nach Berlin gewechselten Max Darj bezogen hat. „Es ist sehr schön dort und auch ein bisschen im Grünen“, sagt er.

Grundsätzlich genieße er es aber auch, die Vorzüge einer Großstadt kennenzulernen: „Ich komme aus Reutlingen und habe dann jahrelang in Balingen gelebt. Man kann sagen, dass ich ein Land-Ei bin. Dagegen ist hier unheimlich viel los.“ Und noch einen Vorteil hat Nothdurft bei seinem neuen Verein ausgemacht. „Mit HBW hatten wir oft unheimlich kräftezehrende Touren durch die gesamte Republik. Von hier aus liegen die weitesten Fahrten um die 500 Kilometer. Das ist aus dem Schwabenland eine normale Mittelstrecke.“

Tim Nothdurft

Anfänge: Mit fünf Jahren begann der gebürtige Reutlinger beim VfL Pfullingen mit dem Handball. In der C-Jugend wechselte er zu HBW Balingen.

Privat: Freundin Laura studiert in Freiburg auf Lehramt. „Wir sind es gewohnt, eine Fernbeziehung zu führen“, sagt Nothdurft, der sein Sport- und Wirtschaftswissenschaftstudium zeitnah abschließt. Um den Kopf frei zu bekommen, spielt er gerne Golf (Handicap 24) und schaut im Fernsehen Sport aller Art. Sein Fußball-Herz schlägt für den 1. FC Köln.

Hier finden Sie alle Informationen zum großen Umbruch beim BHC.

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