Handball

Nikolaisens Block besiegelt die BHC-Premiere

Tom Kare Nikolaisen knallte der letzte Wurf von André Gomes gegen den Schädel. Die Freude wirkte sichtbar stärker als der Schmerz.
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Tom Kare Nikolaisen knallte der letzte Wurf von André Gomes gegen den Schädel. Die Freude wirkte sichtbar stärker als der Schmerz.

Bundesliga: Der Bergische HC holt beim 22:22 (13:15) erstmals einen Auswärtspunkt gegen die MT Melsungen.

Aus Kassel berichtet Thomas Rademacher

Noch nie hatte der Bergische HC bei der MT Melsungen auch nur einen einzigen Punkt in der Handball-Bundesliga geholt. Am frühen Sonntagabend war es im elften Versuch inklusive Pokal soweit. Tom Kare Nikolaisen blockte den letzten Wurf von Melsungens André Gomes und besiegelte damit den 22:22-Endstand. Den hatten sich die Bergischen auch ohne den kurzfristig aufgrund einer Bauchmuskelverletzung ausgefallenen Linus Arnesson in der Kasseler Rothenbach-Halle erkämpft und damit ihre aktuell gute Form bestätigt.

Auf Tomas Babak lastete daher die Verantwortung im gebundenen Angriff. Der Spielmacher überzeugte, was Torhüter Christopher Rudeck nicht überraschte: „Wenn man sieht, wie er zuletzt gespielt hat, passte das einfach ins Bild.“ Doch nicht nur diese Stärke entsprach dem derzeitigen Löwen-Level. Die Deckung kam mit Ausnahme einer Phase in der ersten Halbzeit immer besser ins Spiel und zog der MT den Zahn. Dasselbe galt für Schlussmann Rudeck, der nach einer soliden ersten Hälfte immer mehr aufdrehte und zum Schluss mehr als 38 Prozent der Bälle auf sein Tor abwehrte.

Im Angriff war der BHC stets gefährlich, rieb sich aber hier und da auch an MT-Schlussmann Nebojsa Simic auf. So traf Fabian Gutbrod nach einem Durchbruch nur das Gesicht des Montenegriners und flog dafür zwei Minuten vom Feld. In der kurzen auch defensiv etwas schwächeren Phase setzten sich die Hausherren auf 7:4 ab. BHC-Coach Jamal Naji nahm eine Auszeit, forderte etwas mehr Aggression in der Deckung und hatte damit auch durch den mit mehr Spielanteilen ausgestatteten Lukas Stutzke Erfolg. Rudeck kam fortan häufiger an die Bälle, der BHC holte Schritt für Schritt auf. Babak stellte auf 9:10, Stutzke erzielte das 11:11 und bediente beim 13:13 sehenswert Noah Beyer.

Zur Pause führten die Gastgeber nach einem vergebenen Beyer-Siebenmeter zwar 15:13, doch der BHC-Trend setzte sich auch nach Wiederanpfiff fort. Rudeck hielt glänzend, der BHC glich durch Tore von Babak und Tom Kare Nikolaisen erneut aus. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis den Bergischen die erste Führung nach dem 4:3 gelingen sollte. Und tatsächlich: Nikolaisen markierte das 17:16 aus sechs Metern. Kurzzeitig waren in der Rothenbach-Halle nur noch die rund 40 mitgereisten BHC-Fans zu hören. Einzig André Gomes sorgte mit Treffern für ein wenig Freude bei den Heimfans.

Der BHC kaufte seinem Gegner nun mehr und mehr den Schneid ab. Die Deckung mit Nikolaisen und Frederik Ladefoged im Innenblock stand grandios. Dazu entschärfte Rudeck sogar einen Gegenstoß von Gleb Kalarash sowie einen völlig freien Wurf von Dimitri Ignatow. Und Fabian Gutbrod lud im Rückraum zum 20:18 durch. Nun waren es die Nordhessen, die mit dem Rücken zur Wand standen. Zurück ins Spiel kamen sie nicht, weil sie offensiv glänzten, sondern durch eine offensiv eingestellte Abwehr.

Beim 20:20 stellte Naji daher um auf den siebten Feldspieler, der offensiv anstelle des Torhüters agierte. Das Rezept hatte mit Gutbrod-Toren Erfolg. Eine Zeitstrafe gegen Djibril M'Bengue verhalf Melsungen aber ebenfalls zu Treffern, und einen guten Schnellangriff über Beyer ließen die Gäste ungenutzt. Beim 22:22 hatten beide Mannschaften die Chance auf den Sieg, beide blieben aber im gegnerischen Block hängen – der BHC zunächst durch Gutbrod, dann die MT durch Gomes.

„Wir sind ganz offensichtlich keine Gewohnheitstiere“, kommentierte Jamal Naji die Tatsache, dass es nicht die elfte Niederlage im elften Anlauf in Kassel gab. „Wir können und müssen uns hier über einen Punkt freuen.“

Der Zauber auf der BHC-Bank: Stimmen zum Remis in Kassel

BHC-Geschäftsführer Jörg Föste (l.) lobte Trainer Jamal Naji für eine überragende Coaching-Leistung.

Zufrieden war Jörg Föste mit dem 22:22 seines BHC bei der MT Melsungen. Der Geschäftsführer lobte diesmal nicht nur die Mannschaft, sondern besonders den Trainer. „Das Spiel war überragend gecoacht von Jamal Naji“, betonte der 62-Jährige. „Was er über 60 Minuten auf der Bank gezaubert hat, war bemerkenswert. Ich hatte das Gefühl, er habe jede einzelne Entscheidung richtig getroffen. Das hat man auch sehr, sehr selten.“ Föste meinte damit nicht nur die Aus- und Einwechselungen, sondern auch taktische Umstellungen – wie zum Beispiel der Einsatz des siebten Feldspielers in der Schlussphase.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Partie von zwei starken Abwehrreihen geprägt war. „Unsere war ganz sicher entscheidend für den Punktgewinn. Wir haben Agustin Casado und Kai Häfner müde gedeckt“, sagte der Geschäftsführer. „Es war eine leidenschaftliche Leistung, die zu Recht mit einem Punkt belohnt wurde.“

Es hätten freilich auch zwei sein können, was die Mannschaft offenbar auch gespürt hat. „Dafür, dass wir den letzten Angriff bis zum Schlusspfiff verteidigt haben, fiel der Jubel recht überschaubar aus“, fand Torhüter Christopher Rudeck. „Es hat sich also nicht wie ein Sieg angefühlt. Trotzdem können wir zufrieden sein, weil es eine stabile Leistung von uns war.“

Gut fand der starke Keeper, der durch einen gehaltenen Siebenmeter von Peter Johannesson kurz vor dem Ende erfolgreich unterstützt wurde, dass sich die Mannschaft beim 4:7-Rückstand nicht beeindrucken ließ. „Und auch eine Phase, in der wir uns extrem schwer tun, Tore zu werfen, hat uns nicht zurückgeworfen.“ Ärgerlich fand er einen eigenen Wurf aus seinem Torraum neben das leere gegnerische Gehäuse. Ein erfolgreicher Versuch hätte Melsungen sehr weh getan. „Wir verharren leider zu lange bei 20 Toren. Wenn wir da noch ein, zwei Dreckstreffer machen, hätten wir gewonnen.“

Jamal Naji konnte mit dem Auswärtspunkt gut leben. „Ohne die letzte Zeitstrafe (gegen Djibril M'Bengue) hätten wir das Ding wohl geholt. Aber mein erster Eindruck war, dass die Entscheidung in Ordnung war“, sagte der BHC-Trainer.

Weitere Ausfälle: Tim Nothdurft und Simen Schönningsen sind zwar mit nach Kassel gefahren. Die beiden Langzeitverletzten waren allerdings nur Zuschauer. Mit Erkältungssymptomen kurzfristig passen musste Csaba Szücs.

Ausblick: Das Heimspiel gegen den SC Magdeburg, das in der Hinrunde verlegt werden musste, ist inzwischen neu angesetzt: auf Donnerstag, 6. April, 19.05 Uhr in der Mitsubishi Electric Halle.

Einwurf von Thomas Rademacher: BHC trotzt Historie

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Dem Bergischen HC war nach dem guten November eine Überraschung bei der MT Melsungen zuzutrauen gewesen. Der Ausfall vom zuletzt überragenden Linus Arnesson wog allerdings schwer.

Umso bemerkenswerter ist es, dass die Mannschaft ihr Selbstverständnis auch ohne den Dreh- und Angelpunkt ihres Spiels nicht verlor. Tomas Babak hat daran großen Anteil, aber insgesamt hat die Truppe einfach an Stabilität gewonnen.

Der Eindruck war, dass beim letzten Melsunger Angriff, der zur Niederlage hätte führen können, kein Gedanke daran verschwendet wurde. Anlass dazu hätte die Saison-Historie aber gegeben.

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