Handball

Mit dem Löwen im Herzen, auf dem Arm und der Brust

Noah Beyer hat seine Treffsicherheit im ersten Testspiel bereits unter Beweis gestellt. Der neue BHC-Linksaußen erzielte neun Tore.
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Noah Beyer hat seine Treffsicherheit im ersten Testspiel bereits unter Beweis gestellt. Der neue BHC-Linksaußen erzielte neun Tore.

Handball-Bundesliga: Linksaußen-Zugang Noah Beyer weiß genau, was ihn beim Bergischen HC erwartet.

Von Thomas Rademacher

Seine Qualitäten hat er bereits im ersten Testspiel gegen Drittligist HSG Krefeld angedeutet. Noah Beyer traf für den Bergischen HC in der ersten Halbzeit acht Mal, bestach dabei mit einer unheimlichen Präzision und einem enorm hohen Tempo im Gegenstoß. Am Ende erzielte er beim 42:27-Erfolg neun Tore für den Handball-Bundesligisten. „Das ist der Grund, warum er hier ist. Ich finde das tatsächlich nicht mehr so spektakulär. Das ist einfach Noah Beyer“, sagt Trainer Jamal Naji. „Er wird den BHC-Fans viel Freude machen.“

Die Hoffnung ist jedenfalls groß, dass die seitens des BHC anvisierte Verbesserung auf der Linksaußen-Position gelingt. In Beyer und Tim Nothdurft verfügt der Verein über zwei Spieler, die bereits Bundesliga-Niveau haben, gleichzeitig aber über das Potenzial verfügen, sich noch weiter zu verbessern. „Wir verstehen uns wirklich gut, sind aber natürlich auch Konkurrenten“, meint Noah Beyer. „Ich glaube, dass man dadurch besser wird, und ich bin gleichzeitig überzeugt, dass wir zwei Linksaußen auf einem sehr guten Level über die gesamte Saison brauchen. Tim und ich werden uns gut ergänzen.“

Noah Beyer bleibt mindestens zwei Jahre beim BHC. Es werden seine Bundesliga-Jahre zwei und drei sein.

Dass der Wechsel von Beyer zum BHC schicksalhaft ist, wäre wohl eine Übertreibung. Doch sein Engagement passt in vielerlei Hinsicht für den 25-Jährigen: Sportlich geht er den nächsten Schritt von Zweitligist TuSEM Essen zu einem etablierten Team im Oberhaus; er weiß dabei gleichzeitig genau, was ihn erwartet, da er in den vergangenen beiden Jahren bereits mit dem neuen BHC-Coach Naji zusammengearbeitet hat; und dann wäre da noch der Löwe auf seinem rechten Unterarm. „Nein, den habe ich nicht dem BHC zuliebe darauf tätowieren lassen“, sagt er lachend. „Es ist eine Anspielung auf den König der Löwen, und grundsätzlich mag ich das Tier, weil es sich gut durchsetzen kann. Trotzdem passt das Tattoo jetzt natürlich perfekt.“ Und tatsächlich: Der Löwe auf Beyers Arm hat durchaus Ähnlichkeit mit dem im BHC-Logo.

„Mein Vater hat mich schon in der Babyschale in die Halle getragen.“

Noah Beyer, BHC-Zugang

Der Grund für Beyers Wechsel ins Bergische Land war allerdings nicht das Wappentier. „Neben der sportlichen Herausforderung spielt die Nähe zu meiner Familie eine große Rolle“, erläutert der Linksaußen. „Ich bin ein Familienmensch und froh, dass ich es hier – wie in Essen auch – nicht weit bis nach Hause habe.“ Der Sportler stammt aus Dinslaken, wurde dort in eine Handballer-Familie hereingeboren. „Mein Vater hat mich schon in der Babyschale in die Halle getragen.“ Gregor Beyer war Trainer beim TV Jahn Hiesfeld, einem Dinslakener Verein. Noahs älterer Bruder Tom spielte ebenfalls dort, hat aber nach der A-Jugend aufgehört.

Beyers Tattoo erinnert an das BHC-Logo.

Nicht so Noah Beyer, der über den MTV Dinslaken im Nachwuchs des TuSEM Essen landete, wo er sogar in seinen beiden B-Jugend-Jahren in der A-Jugend-Bundesliga spielte. Von dort aus schaffte er ziemlich reibungslos den Sprung in die erste Männer-Mannschaft, mit der er einige Jahre in der 2. Liga und in der Saison 2020/21 sogar im Oberhaus antrat. Zu dieser Zeit erweckte er das Interesse diverser Clubs. „Beim BHC wurde es schnell konkret, so dass ich mich früh zur dafür entschieden habe“, blickt er zurück. Die Verkündung seiner Ankunft beim BHC erfolgte zwar erst viel später, doch für zwei Jahre „unterschrieben hatte ich schon während der Saison 2020/21“.

Dass Jamal Naji neuer BHC-Coach werden würde, hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgestanden. Sein Engagement als neuer Coach erfolgte im Sommer 2021. „Er hat es mir relativ früh gesagt. Da habe ich mich sehr gefreut. Dadurch wusste ich schließlich, was mich beim BHC erwartet“, sagt der schnelle Außenspieler – und hat damit einen Vorteil gegenüber all seinen Mannschaftskameraden. Und auf was müssen die sich einstellen? „Jamal arbeitet unheimlich akribisch. Ich kenne niemanden, der so viele Videos schneidet“, erläutert er. „Das Training ist komplex und vor allem für den Kopf sehr anstrengend. In vielen Übungen geht es darum, auf Entscheidungen von anderen unter Stress richtig zu reagieren. Eigentlich existiert bei ihm nicht einmal ein einfaches Warmschießen von Torhütern. Da kommt immer noch eine Bewegung davor.“ So anstrengend dies sei, so sehr helfe es auch, die Mannschaft zu entwickeln. Beyer fällt nur ein Nachteil bei Najis Training ein: „Er spielt nicht so gerne zum Aufwärmen Fußball. Da wittere ich Konfliktpotenzial“, meint er schmunzelnd.

Keinen Konflikt mit seiner Freundin Ann-Kathrin hatte Noah Beyer indes angesichts der Entscheidung, sich die Haare lang wachsen zu lassen. „Das ist durch eine Wette mit Eloy Morante Maldonado beim TuSEM Essen entstanden. Wer sich die Haare abschneidet, bevor alle in einen Zopf passen, verliert und bezahlt“, sagt Beyer, fügt aber an: „Ich finde das eigentlich ganz gut so und werden es wohl noch eine Weile so lassen.“ Wenn das auch für Morante gilt, wird er beim BHC mit einer langen Mähne ankommen. Der Allrounder wechselt im Sommer 2023 zu den Löwen.

Noah Beyer

Karriere: Zehn Jahre spielte Noah Beyer beim TuSEM Essen und durchlief während seiner Zeit in der Jugend dort auch alle Nachwuchs-Nationalmannschaften. 2015 nahm er an den U19-Weltmeisterschaften in Russland teil.

Privat: Mit Freundin Ann-Kathrin und Hündin Kiwi ist er nach Solingen in die ehemalige Wohnung von Sebastian Damm gezogen. Seine zweite Leidenschaft gilt dem Snowboard, ins Leistungszentrum zum BHC-Training fährt er mit dem Fahrrad.

Hier finden Sie alle Informationen zum großen Umbruch beim BHC.

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