Handball

Melsunger demoralisieren den Bergischen HC

Lukas Stutzke war auf der rechten Rückraumseite kaum zu halten. Der 24-Jährige ging gegen die körperliche MT-Abwehr dorthin, wo es weh tut.
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Lukas Stutzke war auf der rechten Rückraumseite kaum zu halten. Der 24-Jährige ging gegen die körperliche MT-Abwehr dorthin, wo es weh tut.

Bundesliga: Beim 24:31 (9:14) geben die Löwen ihre Siegchance sehr früh aus der Hand.

Von Thomas Rademacher

Solingen. Erklären konnte Lukas Stutzke die 24:31 (9:14)-Niederlage gen die MT Melsungen nach dem Schlusspfiff kaum. „Wir waren in der Abwehr nicht mehr so da, wie wir das müssen, um gegen Melsungen Punkte holen zu können“, sagte der Rückraum-Rechtshänder angesichts eines defensiv mauen Auftritts des Bergischen HC insbesondere in der zweiten Halbzeit. Es war eine Handball-Partie, die Anlass zur Sorge gäbe, wenn die Saison nicht so kurz vor dem Abschluss stehen würde. Verpasst hat der BHC durch die Niederlage dennoch etwas: Mit einem Erfolg wäre die Mannschaft auf Tabellenplatz elf gesprungen, so bleibt vorerst nur Rang 14.

Bereits zur Pause hatte die MT in der Wuppertaler Unihalle für klare Verhältnisse gesorgt. Tomas Mrkva warf den Ball zwar noch ins leere Gehäuse der Gäste, um auf 9:14 zu verkürzen, doch um für Zählbares infrage zu kommen, mussten sich die Löwen steigern. Das galt offensiv – vergab die Mannschaft in einer Phase durch Linus Arnesson, Tomas Babak, Max Darj und Yannick Fraatz freie Würfe gegen MT-Schlussmann Nebojsa Simic –, aber auch defensiv. Die Deckung hatte zu Beginn der Partie noch gut funktioniert, wurde mit zunehmender Spielzeit aber immer löchriger, so dass auch die Kombination mit beiden Torhütern, Christopher Rudeck oder Tomas Mrkva, selten wie gewünscht fruchtete.

Alexander Weck konnte vor allem in der ersten Halbzeit sowie kurz nach der Pause seine Stärken ausspielen. Mit fünf Treffern war der 21-Jährige erfolgreichster BHC-Torschütze.

So ging die Taktik der Gäste, kaum auf Tempo zu setzen und geduldig anzugreifen, über ganz weite Strecken auf. Auch ohne die verletzten Spielmacher Domagoj Pavlovic und Elvar Jonsson kam die Mannschaft zu guten Gelegenheiten und überzeugte wie gegen den BHC so oft durch die Rückraumachse Kai Häfner sowie den schussstarken Julius Kühn und auch Alexander Petersson.

Dennoch: Nach der Halbzeitpause kämpften sich die Bergischen noch einmal zurück, verkürzten durch Alexander Weck (2), Jeffrey Boomhouwer und Arnor Gunnarsson auf 13:16. Die Wende schien möglich. Ein Fehlwurf von Gunnarsson, ein Fehlpass von Arnesson sowie ein Schuss neben das Gehäuse von Weck verhinderten aus Melsunger Sicht Schlimmeres. Die Nordhessen trafen jeweils auf der anderen Seite und schienen den BHC damit ein Stück weit zu demoralisieren.

Spätestens als die Auszeit von Coach Sebastian Hinze in der Form verpuffte, dass Gunnarsson erneut an Simic scheiterte, war beim BHC der Glaube an eine Aufholjagd erloschen. „Erklären kann ich das nicht“, meinte Lukas Stutzke. „Wir waren dann gebrochen, was leider nicht für uns spricht.“ Der 24-Jährige, der als Rechtshänder auf der für ihn ungewohnten rechten Rückraumseite spielte, versuchte zwar noch einmal alles, zog zwei Mal erfolgreich Richtung Tor und holte dazu einen Siebenmeter heraus, doch auf der anderen Seite des Feldes bekamen die Bergischen nun noch weniger Zugriff, so dass die MT keine Mühe hatte, ihre sechs Spiele andauernde Niederlagen-Serie in der Unihalle zu beenden. Dabei ließ sie sich auch von offensiv ausgerichteteren Abwehrvarianten des BHC nicht aufhalten.

„Es kam leider nie der Punkt, an dem wir das Spiel drehen können, so dass Melsungen auch nie in Stress geraten ist“, fand Stutzke, der den Ausfall beider Rückraum-Linkshänder nicht als Ausrede gelten lassen wollte: „Klar wäre es einfacher mit Linkshändern gewesen. Aber so ausschlaggebend fand ich es gar nicht. Wir haben die Nerven schon vor der Halbzeit verloren.“

Personal

Dass Simen Schönningsen (Fußverletzung) in dieser Saison kein Spiel mehr absolvieren würde, hatte bereits im Vorfeld festgestanden. Kurzfristig fehlte in David Schmidt allerdings auch noch der zweite Rückraum-Linkshänder erkrankt. Dies sorgte dafür, dass der BHC mit einem Rechtshänder improvisieren musste. Lukas Stutzke erledigte den Job stark.

Überraschungsgast in der Wuppertaler Unihalle

Von Thomas Rademacher

Christopher Rudeck bei einer seiner fünf Paraden. Insgesamt war es aber nicht das Spiel beider BHC-Torhüter.

Vergessen ist er im Bergischen Land noch nicht. Von den 1851 Zuschauern in der Wuppertaler Unihalle nutzten einige die Gelegenheit für ein Selfie mit Björgvin Gustavsson. Der Isländer hütete von 2013 bis 2017 das Tor des Bergischen HC und gehört – auch durch seine extrovertierte Art – zu den schillerndsten Persönlichkeiten, die der Club im vergangenen Jahrzehnt unter Vertrag hatte. Beim Heimspiel gegen die MT Melsungen war der 37-Jährige dabei. Zufall war dies freilich nicht.

Gustavsson arbeitet seit Beginn dieser Saison als Torwart-Mentor bei den Löwen und hat die eigene spielfreie Zeit in Island zum Besuch genutzt. „Leider war es ein schwieriges Spiel für die Torhüter“, räumte er ein. Christopher Rudeck und Tomas Mrkva bekamen jeweils weniger als 24 Prozent der Bälle auf ihr Gehäuse zu fassen. „Es war schwer, in den Rhythmus zu kommen und die Halle für sich zu nutzen. Das Spiel war nicht schön, aber Melsungen hat es auch gut gemacht“, fand Gustavsson, der mit der Entwicklung zwischen den Pfosten insgesamt zufrieden ist. „Es ist eine stabile Saison mit guten Spielen“, sagte er angesichts der Fangquoten von im Schnitt knapp 29 Prozent. Die Zusammenarbeit geht daher weiter: Gustavsson bleibt auch 2022/23 Torwart-Mentor des BHC.

Die Stimmung war insgesamt natürlich recht gedrückt. So fand Sebastian Hinze: „Nachdem wir im eigenen Angriff drei, vier Bälle gegen Simic liegen lassen, verlieren wir die Ordnung in der eigenen Abwehr. Das haben wir nicht mehr aufgeholt.“ Offensiv war der Trainer mit der zweiten Hälfte nicht unzufrieden.

Kommentar von Thomas Rademacher: Die Luft ist raus

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Zeitweise sah es gar nicht schlecht aus, was der Bergische HC gegen die MT Melsungen gezeigt hat, doch dann ging, durch Misserfolge ausgelöst, – je nach Betrachtungsweise – der Fokus oder das Feuer verloren. Wie man es dreht und wendet: Die Luft dieser Saison scheint endgültig raus zu sein beim Handball-Bundesligisten, der aber noch ein emotionales Highlight vor sich hat: Nach dem letzten Spiel gegen Lübbecke am kommenden Sonntag werden acht Spieler und Trainer Sebastian Hinze verabschiedet. Dass dieser würdig wird, dafür sollte die Luft noch reichen.

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