Max Darj erfüllt sich einen Kindheitstraum

Max Darj ist nicht nur beim Bergischen HC, sondern auch in der schwedischen Nationalmannschaft ein Leistungsträger. Mit Blick auf Olympia ist Dabeisein für den Kreisläufer wunderschön – aber nicht alles. Foto: imago
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Max Darj ist nicht nur beim Bergischen HC, sondern auch in der schwedischen Nationalmannschaft ein Leistungsträger. Mit Blick auf Olympia ist Dabeisein für den Kreisläufer wunderschön – aber nicht alles.

Handball: BHC-Kreisläufer ist Olympia-Teilnehmer

Von Thomas Rademacher

Viel Zeit hat Max Darj nach dem letzten Bundesliga-Saisonspiel des Bergischen HC bei den Füchsen Berlin nicht vergeudet. Sonntag vor einer Woche hatten sich die Löwen am frühen Abend mit einem 27:29 und dem zwölften Platz verabschiedet, am folgenden Montagmorgen gegen 10 Uhr war der Kreisläufer bereits in seiner schwedischen Heimat in Alingsas angekommen. „Viel Urlaub ist in diesem Jahr nicht. Da nutze ich jede Minute“, sagt der 29-Jährige, der bereits an diesem Freitag mit der schwedischen Handball-Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele startet.

Die Schweden absolvieren am Montag, 12. Juli, ein Testspiel gegen Dänemark, fliegen zwei Tage später ins Trainingslager nach Fukuoka (Japan), wo sie eine weitere Partie gegen Norwegen bestreiten. Am 21. Juli geht es dann nach Tokio, wo das Olympische Handballturnier drei Tage später für die Schweden mit der Begegnung gegen Bahrain (14.15 Uhr Ortszeit, 7.15 Uhr in Deutschland) beginnt. „Die Zeit zur Regeneration ist natürlich gering. Aber wenn man zu Olympia will, muss man das akzeptieren“, sagt Darj, dem voraussichtlich als einzigem BHC-Spieler diese Ehre zuteil wird.

Überreden musste das Abwehr-Ass niemand. „Die Teilnahme ist ein Kindheitstraum von mir. Das ist für jeden Sportler etwas Besonderes“, erläutert er. „Es sind tolle Erlebnisse, bei der WM oder EM zu spielen. Aber die Chance auf Olympia bekommt man vielleicht nur ein Mal in seinem Leben.“ Die Vorfreude sei immens. „Das liegt auch daran, dass wir gar nicht genau wissen, was uns erwartet. Wir werden ins Olympische Dorf einziehen und sehr viel Handball spielen – das ist klar. Aber vielleicht dürfen wir ja auch Tokio erleben. Ich hoffe, wir sehen etwas davon.“

„Wenn man erst einmal dort ist, will man auch gewinnen.“

Max Darj, BHC-Kreisläufer

Dass die Belastung in den letzten beiden Monaten der gerade beendeten Bundesliga-Saison enorm war, spürt auch Max Darj. „Das Pensum mit 14 Spielen in acht Wochen war anstrengend für den Körper und auch für den Kopf, weil wir nicht mehr das Level erreicht haben, das wir vor der doppelten Quarantäne hatten“, blickt der Schwede zurück. „Ich kann deshalb auch nicht mit dem zwölften Platz zufrieden sein. Vor der Quarantäne hatten wir vielleicht zwei oder drei Spiele, in denen wir nicht gut waren. Danach war es umgekehrt. Da konnten wir noch zwei oder drei Mal zufrieden mit uns sein.“ Auf die hohe Belastung will es Darj nicht schieben. „Die war für alle so. Ich hatte das Gefühl, dass wir zum Schluss nach jedem Schritt vorwärts zwei zurück gemacht haben.“

Warum das so war, kann auch der 29-Jährige schwer beurteilen. „Unser Selbstvertrauen war schon ein bisschen weg. Nach ein paar Wochen haben wir gesprochen und akzeptiert, dass wir einfach nicht mehr so gut sind. Damit mussten wir arbeiten. Vielleicht hätten wir direkt nach der Quarantäne feststellen müssen, dass wir nicht unsere Form haben, aber in den nächsten fünf Wochen dahin zurück wollen“, meint der Kreisläufer, der trotzdem nicht nur unzufrieden ist: „Wir mussten uns mit dem Thema Abstieg nie beschäftigen. Das war angenehm und gut. Trotzdem war das in den letzten 14 Saisonspielen zu wenig.“

Wie ungern Darj verliert, lässt sich während der Partien in seinem Gesicht ablesen. Der Kreisläufer spielt nicht nur stark, er ist auch kämpferisch ein absolutes Vorbild. Das gilt auch für die schwedische Nationalmannschaft, die auch dank seiner Leistungen im Januar Vizeweltmeister wurde und sich im Olympischen Qualifikationsturnier im März locker durchsetzte. „Es zu Olympia zu schaffen, ist fast genauso schwierig, wie dort erfolgreich zu sein“, ist Darj überzeugt, der deshalb große Ambitionen hat. „Dabeisein ist toll. Aber wenn man erst einmal dort ist, will man auch gewinnen.“ In der Vorrundengruppe mit Bahrain, Dänemark, Portugal, Japan und Ägypten müssen die Schweden mindestens Vierter werden, um ins Viertelfinale einzuziehen. „Es ist ein kompakter Modus. Die K.o.-Runde wollen wir auf jeden Fall erreichen. Und danach ist alles möglich.“

Im Optimalfall steht Darj am 7. August im Finale um die Goldmedaille. Seine BHC-Teamkameraden befinden sich dann längst in der Vorbereitung auf die neue Saison. Der Olympia-Rückkehrer wird noch ein paar Tage frei bekommen und dann voller Tatendrang einsteigen. Darj: „Es ist mein großes Ziel, mich und das Team weiterzuentwickeln. Das haben wir 2020/21 schließlich nicht die ganze Zeit geschafft.“

Max Darj

Werdegang: Von 2009 bis 2017 spielte Max Darj bei Alingsas HK, mit dem er auch die schwedische Meisterschaft gewann. In seiner letzten Saison vor dem Wechsel in die Bundesliga zum Bergischen HC wurde der Kreisläufer zum Defensivspieler des Jahres in Schweden gewählt. Der einstige Abwehrspezialist entwickelte sich bei den Löwen auch offensiv zu einer festen Größe und tritt im Nationalteam inzwischen auf beiden Seiten des Feldes an.

Wechsel: Die kommende Saison wird die letzte von Darj beim BHC sein. Im Sommer 2022 geht er zu den Füchsen Berlin. „Das war keine Entscheidung gegen den BHC“, stellt er klar. „Ich will sehen, wie weit ich es in meiner Karriere bringen kann.“ Erstmalig wird der Kreisläufer in Deutschland nicht mehr unter Sebastian Hinze trainieren. „Ich mag ihn sehr, und es gab auch andere Überlegungen, aber letztlich fiel die Wahl auch aufgrund der Stadt auf Berlin.“

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