Handball

Mathias Fuchs: Eine Legende des Solinger Profihandballs

Auch nach Gründung des Bergischen HC gehörte der Solinger zu den Führungsspielern und emotionalen Leadern der Mannschaft.
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Auch nach Gründung des Bergischen HC gehörte der Solinger zu den Führungsspielern und emotionalen Leadern der Mannschaft.

Der gebürtige Klingenstädter avancierte einst aus dem eigenen Nachwuchs zum Leistungsträger in der 2. Liga – seinen BHC verfolgt er noch immer.

Von Thomas Rademacher

Alexander Weck wird es sein, Kristian Nippes ist es noch vor wenigen Monaten gewesen: das Solinger Gesicht des Bergischen HC. Bevor es die beiden gebürtigen Klingenstädter in den Profikader des Handball-Bundesligisten geschafft haben, war dasselbe Kunststück Mathias Fuchs gelungen. Damals, als der BHC beziehungsweise Vorgängerverein SG Solingen noch zu den Topteams der 2. Liga gehörte, stieg der Spielmacher aus der eigenen Nachwuchsabteilung über die zweite Mannschaft zu den Profis auf – und avancierte dort zu den Leistungsträgern. Heute verfolgt der 40-Jährige sein Ex-Team vornehmlich am Fernseher.

In der Klingenhalle, seinem sportlichen Wohnzimmer, war Mathias Fuchs im Trikot der SG Solingen ein extrem torgefährlicher Spielmacher.

„Ich erinnere mich wirklich gerne an die Zeit“, sagt Fuchs, der in eine Handball-Familie geboren wurde. Vater Gerhard war erfolgreicher Feldhandballer, seine beiden älteren Brüder Thomas und Martin haben ebenfalls erfolgreich gespielt. So begann der jüngste der drei Fuchs-Brüder selbstverständlich ebenfalls bei der PSVg. Jahn Solingen, die letztlich mit dem Sportring zur SG fusionierte, die inzwischen im Bergischen HC aufgegangen ist. In der Saison 2002/03 hat Fuchs bereits bei den Profis ausgeholfen. „Der damalige Trainer, Heino Kirchhoff, wollte mich zu der Zeit schon zu den Profis beordern, aber die Saison habe ich noch mit Doppelspielrecht ausgestattet als Spieler der Zweiten in der Oberliga beendet“, erinnert sich Fuchs. Die Begründung ist einfach: „Ich wollte unbedingt eine Saison mit meinen beiden Brüdern zusammenspielen.“

Ich kann sagen, dass es damals schon schön war, ihm die Bälle ins Netz zu legen.

Mathias Fuchs, einstiger BHC-Profi

Trainiert hat er zu diesem Zeitpunkt bereits in beiden Mannschaften, zur Saison 2003/04 ging es dann exklusiv zu den Profis, bei denen Fuchs von Anfang an einschlug und schnell zum Gesicht der Mannschaft wurde. Schließlich war er nicht nur gut, sondern auch waschechter Solinger. Das gab es auch zu Zweitliga-Zeiten nicht so oft. „Am positivsten hat mich der Zusammenhalt überrascht. Ich war das aus der Jugend und der Reserve gewohnt, aber dass der auch bei den Profis in dieser Form herrscht, hat mich schon beeindruckt“, sagt Fuchs.

Sie pflegten nicht nur denselben Haarschnitt, sondern wurden auch Freunde: Fuchs und Sebastian Hinze (r.).

Sportlich lief es für ihn fast wie am Schnürchen. Zwei Mal wurde der Mittelmann interner Torschützenkönig. Fuchs: „Nie vergessen werde ich ein Spiel gegen Concordia Delitzsch. Da habe ich in der ersten Halbzeit zehn Mal getroffen.“ Das Spiel gegen den späteren Aufsteiger endete 26:26, und Fuchs’ Torreigen ist aus gegenwärtiger Sicht besonders spektakulär. Zwischen den Pfosten stand der heutige Nationaltorhüter Silvio Heinevetter. „Ich kann sagen, dass es damals schon schön war, ihm die Bälle ins Netz zu legen“, sagt der Solinger.

Zu den SG-Zeiten lernte der Spielmacher auch Sebastian Hinze kennen. Der heutige BHC-Coach stieß als Kreisläufer zur Mannschaft – und die Chemie passte nicht nur auf dem Feld von Anfang an. „Wir waren direkt auf einer Wellenlänge“, meint Fuchs. Es entwickelte sich eine Freundschaft, die auch 2021 weiterhin besteht. Hinze ist mittlerweile Patenonkel von Fuchs’ Sohn Len, und nach seiner Ankunft in Solingen hatte das Duo relativ zügig identische Frisuren – eine lange Mähne. „Das war aber Zufall“, betont Hinze, der nach wie vor nicht versteht, warum es immer wieder zu Verwechslungen der beiden kam. „So ähnlich sehen wir uns nun wirklich nicht.“

Portraitfoto seiner ersten Profisaison 2003/04.

Privat unternahm das Spielmacher-Kreisläufer-Duo viel zusammen – auch wenn „Fucki“, wie Fuchs stets genannt wurde, nur schwer zu erreichen war. „Er hat lange die Anschaffung eines Handys verweigert“, erinnert sich Hinze. „Man musste ihm tatsächlich zu Hause auf den Anrufbeantworter sprechen.“ Und noch etwas wird der BHC-Trainer wohl immer mit Fuchs verbinden: „Er kann unglaublich gut Purzelbäume schlagen – Momentum und Ausführung sind atemberaubend.“

Gemeinsam mit Hinze war Mathias Fuchs Teil der Fusion der SG Solingen mit der Profiabteilung des LTV Wuppertal zum Bergischen HC. „Auch hier hat mich vor allem das erste Jahr beeindruckt“, sagt Fuchs. „Solingen und Wuppertal standen ja in Konkurrenz zueinander, daher wusste niemand, wie es funktioniert. Aber es hat geklappt – und wie.“ Unvergesslich ist der 28:27-Sieg im Weihnachtsspiel 2006 bei der TSG Friesenheim, das nach langer Aufholjagd durch einen direkten Freiwurf nach dem Schlusspfiff entschieden wurde.

Wie vor zwei Jahren im Trikot des BHC 3 sieht Mathias Fuchs auch heute noch aus.

2010 wurde Fuchs’ Vertrag nicht mehr verlängert. „Ich fand es schade, konnte es sportlich aber verstehen“, sagt der Solinger. „Ich hatte schon leichte Schulterprobleme und habe auch gemerkt, dass es im Angriff eng wird.“ Vom BHC ging es zu Ligakonkurrent TV Korschenbroich, mit dem er in der Saison 2010/11 beide Spiele gegen den BHC gewann. „Es ging da nicht um Genugtuung, aber ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut“, erläutert der Sportler, der schon damals seiner Überzeugung Ausdruck verlieh, dass der BHC trotzdem aufsteigen würde.

So kam es bekanntlich auch. Inzwischen sind die Löwen in der Bundesliga etabliert. „Ich habe vom damaligen Manager Stefan Adam eine goldene Dauerkarte versprochen bekommen. Die habe ich leider nie erhalten“, sagt Fuchs. „Aber ich kann sie trotzdem über Sebastian einlösen.“ Vor Corona war Fuchs daher häufiger in der Halle, derzeit ist er am Fernseher live dabei. „Ich will Sebastian nicht zu sehr loben“, sagt er scherzhaft. „Aber man merkt die Identifikation, die da ist. Mit dieser Mannschaft würde ich immer fiebern – auch wenn ich mit niemandem mehr zusammengespielt habe.“

Mathias Fuchs

Abgang: In seinem letzten Heimspiel 2010 wurde Mathias Fuchs kurz vor Schluss für zwei Minuten vom Feld gestellt. „Es war eine unberechtigte Strafe“, erinnert sich der Solinger. „Aber im Nachhinein war es gut, dass ich sie bekommen habe.“ Es schallte „Fucki, Fucki“ durch die Halle. Ein magischer, rührender Moment. „Da hat es mich auch emotional erwischt.“

Weitere Stationen: Nach zwei Jahren in Korschenbroich ging es für Fuchs zu den Bergischen Panthern in die Oberliga. 2015/16 half er dort zum letzten Mal aus. In der Saison 2018/19 trat er noch für den BHC 3 in der Landesliga gemeinsam mit seinem Bruder Martin an. Aktuell kann sich Fuchs vorstellen, Trainer zu werden.

Privat: Fuchs lebt mit seiner Freundin in Wuppertal. Sohn Len ist elf, Tochter Marla sechs Jahre alt. Beruflich sorgt der einstige Profisportler seit sieben Jahren als Polizist für Recht und Ordnung.

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