Handball-Bundesliga

Löwen wünschen sich eine verkehrte Welt

Noah Beyer überwindet Hannovers Schlussmann Dario Quenstedt. Im Hinspiel taten sich beide Mannschaften beim Torewerfen schwer.
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Noah Beyer überwindet Hannovers Schlussmann Dario Quenstedt. Im Hinspiel taten sich beide Mannschaften beim Torewerfen schwer.

Der BHC tritt zum Rückrunden-Auftakt an diesem Dienstag bei der TSV Hannover-Burgdorf an.

Von Thomas Rademacher

Seit einigen Jahren laufen die Saisonspiele zwischen dem Bergischen HC und der TSV Hannover-Burgdorf ähnlich ab: Früh in der Saison kassieren die Löwen eine deftige Niederlage bei den Niedersachsen, um sich in der Rückrunde dafür vor eigenem Publikum zu revanchieren. Schon der Spielplan verriet, dass es 2022/23 anders laufen würde. Denn zum ersten Mal seit 2013 spielte der BHC zunächst zu Hause – beim 22:23 am zweiten Spieltag riss die Serie von sechs Bundesliga-Heimsiegen gegen die Niedersachsen in Folge. An diesem Dienstagabend (19.05 Uhr, ZAG-Arena) wollen die BHC-Handballer endgültig für eine verkehrte Welt sorgen und zum ersten Mal seit dem 11. Februar 2012 wieder in Hannover gewinnen.

Arnor Gunnarsson (l.) verwandelte den entscheidenden Siebenmeter zum 30:30 vor mehr als zwei Jahren in Hannover und machte damit eine inzwischen legendäre Aufholjagd perfekt.

„Ich erinnere mich an ein sehr knappes Spiel dort“, sagt Rechtsaußen Arnor Gunnarsson, der seine elfte Saison beim BHC bestreitet. „Da hat uns Csaba Szücs das entscheidende Tor eingeschenkt.“ Vergesslich ist der Isländer wahrlich nicht. Die 28:29-Niederlage ereilte die Löwen im April 2014 durch einen Last-Second-Treffer von Szücs, der seit 2017 für den BHC antritt. In bleibender Erinnerung ist Gunnarsson freilich auch sein Siebenmeter zum 30:30 im Oktober 2020 geblieben. Damals holten die Löwen in den letzten völlig irrwitzig verlaufenen 79 Sekunden der Partie einen 27:30-Rückstand auf.

Grundsätzlich denkt auch Gunnarsson gerne an solche Momente zurück. „Aber all das hat mit dieser Saison nichts zu tun. Neues Spiel, neues Glück. Wir haben jetzt nicht im Kopf, dass wir in Hannover ewig nicht gewonnen haben“, meint der Linkshänder. „Wir wollen jetzt überraschen. Und ich glaube, wir haben das Zeug dazu, denn unser Selbstvertrauen ist hoch.“ Daran ändere auch die deutliche 31:43-Pokalschlappe in Magdeburg nichts. „Nach der klaren Niederlage gegen Flensburg (18:31) dachten auch viele, das Selbstbewusstsein sei weg. Wir haben in Leipzig das Gegenteil bewiesen.“ Mit einem 32:27-Erfolg fuhren die Bergischen nach Hause und verbesserten ihre Bundesliga-Bilanz seit Anfang November auf 10:4-Punkte.

Nominell sieht Gunnarsson sein Team in Hannover als Außenseiter: „Die TSV ist Sechster und kämpft um einen europäischen Startplatz. Der Kader ist gut besetzt, und ich finde auch, dass Trainer Christian Prokop die Mannschaft auf einen guten Weg gebracht hat.“ Mittelmann Jonathan Edvardsson ist zwar aktuell verletzt, doch Marian Michalczik, Branko Vujovic und Uladzislau „Vlad“ Kulesh bilden inzwischen eine starke Rückraum-Achse. „Sie haben viel Wurfkraft und eine gute Kreis-Kooperation“, findet BHC-Trainer Jamal Naji. „Dazu spielen sie eine offensiv interpretierte 6:0-Abwehr. Um eine Chance zu haben, müssen wir auf Top-Niveau agieren.“

„Im Kopf ja, im Körper nicht.“

BHC-Legende Arnor Gunnarsson, auf die Frage, ob es angesichts der bevorstehenden WM noch einmal kribbelt

22 Tore – wie im Hinspiel – werden dem BHC in Hannover gewiss nicht reichen. „Wir hatten keine guten Lösungen im Angriff“, blickt Naji zurück. „Da müssen wir einen Riesenschritt machen.“ Zuversichtlich darf der 36-Jährige sein. Schließlich hat sich sein Team offensiv zuletzt stark präsentiert, während die Deckung beim Pokalspiel in Magdeburg durchlässig wirkte. „Dass es am Ende mit 31:43 so deutlich wurde, hat aber auch damit zu tun, dass der SCM mit einer kleinen Rotation bis zum Ende durchgezogen hat. Wir haben mit Blick auf Hannover in der Endphase doch sehr fluktuativ gewechselt“, erläutert Naji.

Überhaupt möchte der Coach das Spiel nicht überbewerten: „Der SCM gehört zu den fünf oder sechs besten Teams der Welt – und das er gezeigt.“ Auch Gunnarsson betont: „Wir haben uns danach sofort zusammengesetzt und uns für Hannover eingeschworen.“ Um dort zu punkten, setzt Naji auf einen guten Rückzug und eine Abwehr, die den wurfstarken Rückraum in den Griff bekommt.

Unabhängig vom Ausgang haben die BHC-Profis im Anschluss an das Match am Dienstag frei. „Wir steigen in der zweiten Januar-Woche wieder ins Training ein“, sagt der Trainer. Nicht dabei sein werden dann Tom Kare Nikolaisen, Tomas Babak und Djibril M'Bengue, die mit ihren Nationalteams unterwegs sind. Einziger WM-Fahrer ist M'Bengue. Arnor Gunnarsson könnte locker noch für Island auflaufen, doch er hat seine internationale Karriere vor knapp zwei Jahren nach der WM in Ägypten beendet. Ob es vor dem Großereignis in Polen und Schweden kribbelt? „Im Kopf ja, im Körper nicht“, flachst der 35-Jährige.

Rund um den Bergischen HC

Personal: Die Kader-Situation wird sich im Vergleich zum Pokalspiel beim SC Magdeburg wohl nicht ändern. Demnach fehlen Linus Arnesson, Csaba Szücs und Tom Bergner weiterhin. Tim Nothdurft und Simen Schönningsen sind ohnehin noch eine Weile raus.

Bilanz: Aufgrund der vielen Heimsiege beider Teams gegeneinander geht es sehr ausgeglichen zwischen dem BHC und der TSV Hannover-Burgdorf zu. Von 19 Spielen gewannen die Bergischen acht, die Niedersachsen neun. Zwei Mal gab es ein Remis.

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