Handball-Bundesliga

Löwen setzen zur nächsten Premiere in fremder Halle an

Gegen Hans Lindberg (r.) von den Füchsen Berlin kann Christopher Rudeck hier nur noch hinterherschauen und hoffen, dass der Ball sein Ziel nicht findet. Am Sonntag wollen der Torhüter und sein Team nicht das Nachsehen haben. Foto: Kurt Kosler
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Gegen Hans Lindberg (r.) von den Füchsen Berlin kann Christopher Rudeck hier nur noch hinterherschauen und hoffen, dass der Ball sein Ziel nicht findet. Am Sonntag wollen der Torhüter und sein Team nicht das Nachsehen haben.

Die in jeder Hinsicht ungewöhnliche Saison geht für den Bergischen HC am Sonntagabend bei der MT Melsungen weiter.

Von Thomas Rademacher

Keine Zuschauer, eine latente coronabedingte Ungewissheit, 2:8-Punkte in eigener Halle: Nicht nur der Bergische HC absolviert die ungewöhnlichste Bundesliga-Saison seiner Historie. „Die üblichen Faktoren spielen dieses Jahr eine untergeordnete Rolle“, findet Torhüter Christopher Rudeck. „Es wäre uns sowieso egal, dass wir gegen die MT Melsungen auswärts noch nie etwas geholt haben. In dieser Saison ist es noch egaler.“ Denn zur Wahrheit gehört in diesen Tagen auch: In der Fremde haben die Löwen bisher 5:1-Punkte erzielt und zum ersten Mal überhaupt beim SC Magdeburg gewonnen. „Jetzt wollen wir den Bock in Melsungen umstoßen“, sagt Rudeck vor dem Duell bei den Nordhessen, das am Sonntag zu ungewohnter Zeit um 18.30 Uhr angepfiffen wird.

Damit meint der Keeper nicht nur einen ersten möglichen Erfolg in der Kasseler Rothenbach-Halle, sondern auch einen Punktgewinn nach drei Niederlagen in Serie. „Auch wenn wir mit Flensburg, Kiel und Berlin gegen starke Teams verloren haben, fühlt es sich trotzdem schlecht an – gerade zuletzt war es besonders ärgerlich“, findet der 26-Jährige. Gegen die Füchse hatten die Bergischen bis zur letzten Minute alle Chancen, haben es aber verpasst, in der ersten Hälfte deutlicher als mit 17:16 in Führung zu gehen. „Wenn die Deckung steht, liegen wir 18:13 oder so ähnlich vorne. Dann kommt Berlin nicht mehr zurück, behaupte ich jetzt mal.“

So fällt auch die Analyse von Sebastian Hinze aus. „Wir haben zu lieb gedeckt“, sagt der Trainer. „Natürlich gibt es in der zweiten Hälfte einige Dinge, die besser laufen können. Aber es sind eben viele Faktoren, die nicht oder kaum in unserer Hand liegen.“ Damit meint Hinze etwas Pech bei Pfosten- und Lattentreffern, ein paar strittige Schiedsrichter-Entscheidungen und wohl auch die eine oder andere Parade des gegnerischen Torhüters. „Unter dem Strich bleibt, dass wir in den ersten 30 Minuten einfach besser in der Abwehr spielen müssen.“

Das soll freilich auch in Melsungen gelingen. Die Mannschaft, aufgrund ihrer vielen Nationalspieler gerne auch MT Deutschland genannt, verfügt über eine außerordentliche individuelle Klasse. „Sie setzen ihre Qualität mit sehr gutem Timing in Szene“, weiß Hinze und lobt dafür insbesondere Spielmacher Domagoj Pavlovic. „Unser Ziel ist es, das Timing entscheidend zu stören, so dass Spieler wie Kai Häfner oder Julius Kühn größere Probleme haben, zu guten Abschlüssen zu kommen.“ Die beiden Rückraumspieler sind zusammen für 66 und damit mehr als ein Drittel aller MT-Saisontreffer zuständig.

Defensiv rechnet Hinze mit veränderten Melsungern. In vergangenen Jahren setzte die Truppe fast ausnahmslos auf eine sehr kompakte 6:0-Abwehrvariante. Inzwischen verschiebt die Deckung nach der gegnerischen Auftaktbewegung zu einer aggressiven 3:3-Variante. „Manchmal handelt es sich fast um eine 1:5-Abwehr. Darauf haben wir uns natürlich vorbereitet“, sagt Hinze. „In unserem Angriffsspiel brauchen wir sehr gute Entscheidungen. Wenn Melsungen es schafft, uns in Zweikämpfe ohne Anlauf zu zwingen, werden wir diese eher nicht gewinnen.“

„Einen Blinden hat Melsungen auf Rechtsaußen nicht rumlaufen.“
Christopher Rudeck, BHC-Torwart

Christopher Rudeck ergänzt: „Idee ist natürlich auch, so selten wie möglich gegen die Abwehr spielen zu müssen.“ Was bedeutet, dass möglichst viele Ballgewinne in der eigenen Deckung gelingen sollen, um mit vollem Tempo die Konter zu suchen. Paraden könnten dabei helfen. „Das Videomaterial der MT ist ein bisschen eingestaubt“, sagt der Torhüter mit Blick auf die Wurfbilder der Melsunger, die erst am Mittwoch aus der Quarantäne kamen, nachdem Finn Lemke positiv getestet worden war. So liegt das letzte Bundesligaspiel der MT fast einen Monat zurück. „Große Veränderungen bei den Würfen sind aber nicht zu erwarten.“ Die Qualität sei auf manchen Positionen extrem. „Einen Blinden hat Melsungen auf Rechtsaußen nicht rumlaufen“, flachst Rudeck beim Verweis auf Tobias Reichmann und Timo Kastening, die beide Teil der Nationalmannschaft sind.

Rund um den Bergischen HC

Personal: Linus Arnesson muss mit einer Muskelverletzung auch am Sonntag passen. Ziel ist, den Schweden im Dezember zurück aufs Feld zu bekommen. Auch Daniel Fontaine und Alexander Weck fehlen weiterhin.

Bilanz: Nach elf Niederlagen gegen Melsungen in Serie hat der BHC die MT am 20. April 2019 beim 25:24 zum ersten Mal geknackt. Es folgte ein Remis vier Monate später. Auswärts ist die Bilanz 0:7 aus Löwensicht.

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