Handball-Bundesliga

Mit Podcast: Löwen setzen in Wetzlar einen Meilenstein

Der Moment des Schlusspfiffs: Markus Pütz (in schwarz) lässt sich von Christopher Rudeck (Nummer 1) und Co. für seien ersten Bundesliga-Sieg als Trainer feiern. Foto: Mathias M. Lehmann
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Der Moment des Schlusspfiffs: Markus Pütz (in schwarz) lässt sich von Christopher Rudeck (Nummer 1) und Co. für seien ersten Bundesliga-Sieg als Trainer feiern.

Der Bergische HC lässt beim 27:23 (13:12)-Auswärtserfolg knapp 4000 Fans verstummen.

Von Thomas Rademacher

Konsterniert saß Benjamin Matschke auf der Pressekonferenz nach dem Bundesligaspiel seiner HSG Wetzlar gegen den Bergischen HC. „Das ist ein Stück weit ein Party-Crasher“, haderte der Trainer der Mittelhessen sichtlich niedergeschlagen angesichts der 23:27-Niederlage. „Ich bin enttäuscht und hoffe, die Zuschauer geben uns im nächsten Heimspiel eine neue Chance, es besser zu machen.“ Tatsächlich war sein Team von den Bergischen Löwen nach allen Regeln der Kunst entzaubert worden.

3983 Fans waren in die Buderus-Arena gekommen, um ein Handballfest zu feiern. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass Wetzlar alle Plätze verkaufen durfte. Der Zuspruch war enorm. Doch einen Hexenkessel erlebte der Bergische HC trotzdem nie. „Unser Ziel war es, von Anfang an die Halle ruhig zu kriegen. Das ist uns gelungen – sogar in der Crunchtime. Aber es war ein Ergebnis unserer Arbeit“, lobte Markus Pütz seine Mannschaft. Der 36-Jährige, der eigentlich Co-Trainer des BHC ist, hatte im Auswärtsspiel zum ersten Mal bei den Profis in der Verantwortung gestanden, weil Chefcoach Sebastian Hinze mit Corona fehlte. Auch für Pütz persönlich war es daher ein unvergesslicher Nachmittag. Dieser aber stellte den Verdienst des Teams nach vorne: „Ich hatte die ganze Zeit vollstes Vertrauen und ein sehr gutes Gefühl, weil ich gemerkt habe, dass alle voll fokussiert sind. Jeder wusste, dass er in dieser Situation noch etwas mehr zu tragen hat.“

„Er hat im Duell gegen Till Klimpke sehr deutlich klar gemacht, wer Herr im Haus ist.“

Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer, über Torhüter Christopher Rudeck

So wirkten die Löwen von der 1. bis zur 60. Minute unheimlich konzentriert. Negativ-Erlebnisse schienen an ihnen völlig abzuprallen. Und egal, wen Pütz auf die Platte beorderte, er funktionierte. Ob es Dauerbrenner Linus Arnesson war, der trotz gerade erst überstandener Corona-Infektion wie eine Maschine funktionierte, oder Lukas Stutzke, der nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Csaba Szücs hereinkam und auf beiden Seiten des Feldes herausragend spielte. Oder David Schmidt, der neben sechs Toren auch defensive Akzente setzte und seinen Anteil daran hatte, dass in Lenny Rubin der beste Feldtorschütze der Bundesliga nicht zur Entfaltung kam. Auch Tom Bergner übernahm am Kreis durch den Ausfall von Tom Kare Nikolaisen eine größere Rolle als sonst, war ein Faktor in Überzahl und verschaffte im Angriff Pausen für Max Darj, der die Abwehr erfolgreich zusammenhielt.

Wenn aus dem bemerkenswerten Kollektiv ein Spieler noch herausragte, war dies Christopher Rudeck. Der Torhüter war von Beginn an ein Faktor, entschärfte Wetzlarer Durchbrüche genauso wie Gegenstöße und entnervte den Gegner damit zusehends. „Es war eine überragende Leistung“, urteilte Geschäftsführer Jörg Föste über den Torhüter. „Er hat im Duell gegen Till Klimpke sehr deutlich klar gemacht, wer Herr im Haus ist.“ 17 Paraden bei einer Fangquote von knapp 44 Prozent gingen auf Rudecks Konto, sein Wetzlarer Gegenüber schaffte immerhin zehn, mit denen er seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit im Spiel hielt. Mehrere Male verhinderte er einen Zwei-Tore-Vorsprung des BHC – unter anderem gegen Arnesson beim Siebenmeter –, aber Jeffrey Boomhouwer besorgte das 19:17 schließlich doch.

Die Gastgeber verzweifelten auch immer wieder an der BHC-Abwehr, die entweder in einer 6:0- oder 5:1-Variante agierte. „Wir wollten mit dem Wechsel etwas unberechenbarer sein. Man hat gemerkt, dass Wetzlar damit schlecht zurecht kam“, freute sich Pütz. Die Gastgeber verkürzten drei Minuten vor Schluss zwar noch ein letztes Mal auf zwei Tore, doch auch das ließ die Bergischen völlig kalt. Abgezockt bewies Stutzke ein gutes Auge für den freien Schmidt, der zum 25:22 traf und beim BHC damit den Partysprenger-Modus aktivierte. Diesen kollektiven Jubel in der nun völlig verstummten Arena hatte sich die Truppe verdient.

Sonderlob für Linus Arnessons Spielsteuerung

Rund um den BHC

Ausfälle: Neben Trainer Sebastian Hinze fehlten auch Teamassistent Jan Artmann und Kreisläufer Tom Kare Nikolaisen coronabedingt. Tomas Babak war angeschlagen vom Nationalteam gekommen. Sein PCR-Test blieb negativ, doch er bekam mit hohen Entzündungswerten keine Freigabe für das Spiel.

Verletzung: Csaba Szücs hat sich am Fuß verletzt. Nach ersten Untersuchungen handelt es sich wohl nicht um einen Achillessehnenriss, doch er wird länger ausfallen.

Meinung: Ein starker Kontrast

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Markus Pütz ist kein Mann großer Worte. Doch der Co-Trainer des Bergischen HC, der im Auswärtsspiel bei der HSG Wetzlar zum ersten Mal in der Bundesliga die Hauptverantwortung getragen hatte, durfte sich nach dem Schlusspfiff zu Recht feiern lassen. Zahlreiche Nachrichten habe er erhalten. Unter anderem von Viktor Szilagyi, dem Geschäftsführer des THW Kiel, der viele Jahre BHC-Aushängeschild war. So schön der 27:23-Sieg für Pütz auch in persönlicher Hinsicht ist, gebührt er natürlich vor allem der Mannschaft, die einfach hervorragend funktioniert hat. Wo ist das Team, das sich im Spätherbst regelmäßig bei Rückständen ergeben hat? Es sind dieselben Spieler, doch der Kontrast ist immens, das Selbstbewusstsein spürbar größer. Und vor allem ist ein Vertrauen in den Matchplan zu spüren, so dass Rückschläge keine Auswirkung mehr auf die mentale Verfassung haben. Dass der Fokus in Wetzlar noch höher als üblich war, lag auch an der besonderen Situation des Ausfalls von Trainer Sebastian Hinze. Doch bestimmt hat auch das vorige Match gegen Hannover geholfen, in dem lange wenig klappte, das Team aber an seiner Marschroute festhielt und durch einen 9:1-Lauf im Endspurt doch noch 25:23 gewann. So etwas ist auch mit Blick auf die nächsten Aufgaben Gold wert. Das 27:23 in Wetzlar ist dafür der erste Beweis.

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