Handball

Löwen haben keine Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken

Torhüter Tomas Mrkva war einer der Garanten der Aufholjagd – nach dem knappen Scheitern zog er sich das Trikot frustriert über den Kopf. Foto: Mathias M. Lehmann
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Torhüter Tomas Mrkva war einer der Garanten der Aufholjagd – nach dem knappen Scheitern zog er sich das Trikot frustriert über den Kopf.

Handball-Bundesliga: Nach der knappen Niederlage in Kiel tritt der Bergische HC schon am Sonntag wieder in Balingen an

Von Thomas Rademacher

Gegen 3.30 Uhr am Freitag in aller Frühe traf der Bergische HC wieder in Wuppertal ein. Die Laune war ein Mix aus Stolz und Verärgerung über die knappe 23:24 (12:15)-Niederlage beim THW Kiel. „Das Tor fehlte natürlich zur Krönung dieser Leistung und Aufholjagd“, haderte Trainer Sebastian Hinze angesichts der letzten vergebenen Chance von Fabian Gutbrod in den Schlusssekunden. „Das war bitter, aber wir müssen sehen, was bei uns alles sehr gut funktioniert hat. Dass uns die Wende in diesem Spiel gelingt, liegt daran, dass die Jungs trotz des hohen Rückstands voll da waren.“ So groß der Ärger über das Verpassen eines nicht mehr für möglich gehaltenen Punktgewinns nach einem 15:22-Rückstand auch ist: Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken, haben die Löwen ohnehin nicht. Bereits am Sonntag (16 Uhr) sind sie bei HBW Balingen-Weilstetten erneut gefordert.

Schon Samstagmittag ist Abfahrt in Richtung Süden. Hinze wird bis dahin eine Videovorbereitung, ein regeneratives Training und eine taktische Einheit in der Halle mit Fokus auf die nächste Aufgabe absolviert haben. „Das muss diesmal reichen“, sagt der Coach, der den Videoschnitt des jüngsten Balinger Spiels gegen den HC Erlangen (23:25) bis Freitagmorgen um 8.30 Uhr erledigt hatte. Die schlafraubende Arbeit hat sich gelohnt. „Balingen hat in dem Spiel noch einige neue Sachen gemacht, auf die wir uns vorbereiten müssen“, erläutert der 42-Jährige.

Im Gegensatz zum THW Kiel, gegen den die Bergischen auch im 16. Anlauf nicht gewinnen konnten, hat die Mannschaft in Balingen bereits mehrere Male als Sieger das Spielfeld verlassen. In den letzten beiden Anläufen bei den Schwaben behielten zwar die Gastgeber die Oberhand, doch nominell dürften die Löwen favorisiert sein. Auch Hinze bestätigt, dass er seinen Kader im direkten Vergleich etwas besser besetzt sieht. „Wobei das ja auch egal ist“, wie der BHC-Trainer betont. „Balingen ist in dieser Saison zu Hause deutlich stabiler als auswärts. Und unsere kurze Vorbereitung ist ein Faktor.“ Mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit habe der Coach keine guten Erfahrungen gemacht.

„Ich muss leider sagen, dass mir das gut gefallen hat.“

Sebastian Hinze, BHC-Trainer, zum Balinger Rückraum

Trotzdem: „Unsere Aufgabe ist es, auch in dem zu erwartenden Hexenkessel unsere Deckung stabil hinzustellen. Darüber müssen wir dann Zugriff zum Spiel bekommen.“ Das war den Löwen in der vorigen Saison vor menschenleeren Rängen nicht gelungen. Balingen gewann mit 27:25. Dass dieses Spiel mit dem kommenden vergleichbar ist, dürfte unwahrscheinlich sein. „Wir hatten große Probleme gegen den siebten Feldspieler. Den haben sie in dieser Saison allerdings noch nicht so oft genutzt“, sagt Hinze, der es aber auch nicht ausschließen möchte, dass die Balinger damit überraschen. „Gegen Erlangen haben sie es in den letzten Minuten gemacht.“

Bisher haben die Gallier von der Alb, wie sich die Truppe selbst nennt, nur selten überzeugt. Immer wieder leisten sie sich Ballverluste und laufen damit ins Tempospiel des Gegners – eine Schwäche, die der BHC freilich gerne nutzen würde. Hinze: „Wenn wir das, was uns zu Hause bisher defensiv gelungen ist, auch auswärts schaffen, bin ich zuversichtlich.“

Nur zwei von zehn Partien hat HBW in dieser Saison gewonnen und steht damit auf einem Abstiegsplatz. Den Ausfall von Rückraumspieler Lukas Saueressig (Armbruch) kompensierte das Team zuletzt mit der Rückraumachse Jona Schoch, Vladan Lipovina und Daniel Ingason, der damit eine größere Rolle erhielt. „Ich muss leider sagen, dass mir das gut gefallen hat“, meint Hinze, der aber auch Grund hat, optimistisch auf die Partie zu blicken: So überzeugte der BHC in Kiel nicht nur mit wenigen Spielern. Hinze setzte seinen kompletten Kader ein, ohne einen nennenswerten Leistungseinbruch zu haben. Die Kieler hingegen vertrauten auf wenige Handballer, die es richten sollten und dabei fast gescheitert wären.

Rund um den Bergischen HC

Tomas Mrkva: Der Torhüter hatte schon im Abschlusstraining vor Kiel Knieprobleme. Er hielt mit einer Fangquote von 50 Prozent trotzdem überragend. Ob er in Balingen dabei ist, ist noch offen. Eine schwere Verletzung hat er aber nicht.

Bilanz: Wettbewerbsübergreifend ist die Bilanz des Bergischen HC gegen Balingen komplett ausgeglichen. In der Bundesliga aber liegen die Löwen mit fünf Siegen und einem Remis gegenüber sieben Niederlagen hinten.

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