Handball-Bundesliga

Löwen haben das klassische Kopfproblem

Max Darj sind die Enttäuschung und der Frust angesichts des bitteren Spielverlaufs in Balingen anzusehen. Trainer Sebastian Hinze baut ihn auf.
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Max Darj sind die Enttäuschung und der Frust angesichts des bitteren Spielverlaufs in Balingen anzusehen. Trainer Sebastian Hinze baut ihn auf.

Der Bergische HC kassiert beim 25:27 in Balingen seine vierte Niederlage in Serie.

Von Thomas Rademacher

Jeffrey Boomhouwer knallte vor Frust den Ball auf den Boden, als die Zeit in der Balinger Sparkassen-Arena heruntertickte und die Gastgeber über den 27:25 (13:11)-Sieg gegen den Bergischen HC jubelten. Die Bundesliga-Niederlage beim abstiegsbedrohten HBW Balingen-Weilstetten war die vierte in Folge für die bergischen Handballer, bei denen die Verunsicherung spürbar gewesen war.

„Wir haben wirklich das klassische Kopfproblem“, findet Trainer Sebastian Hinze. „Man kann den Jungs nichts vorwerfen. Sie haben alles gegeben, aber in Phasen, in denen es insgesamt nicht so läuft, ist die Wirkung von Misserfolgen im Spiel größer.“ Nach einer ersten Hälfte, in der alleine Max Darj drei Mal aus sechs Metern an HBW-Schlussmann Mike Jensen gescheitert, die Chancenverwertung insgesamt mau gewesen und Arnor Gunnarsson unmittelbar vor der Pause auch noch beim Siebenmeter erfolglos geblieben war, kamen die Löwen trotzdem nach Wiederanpfiff noch für den Sieg in Frage.

„Es wäre vermessen, zu erwarten, dass dies alles eine Selbstverständlichkeit ist.“

Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer

Sie übernahmen zügig die Führung, verpassten es aber regelmäßg, diese auszubauen. Die Löwen haderten mit weiteren vergebenen Strafwürfen von Boomhouwer und Gunnarsson, einem seitens der insgesamt ordentlich agierenden Unparteiischen nicht geahndeten Fuß-Pass von Linus Arnesson, den die Gastgeber zum Gegentreffer nutzten. Mit technischen Fehlern, einem Fehlpass von David Schmidt, Würfen in den Block von Lukas Stutzke. Die Leichtigkeit fehlte komplett.

„Wir haben uns sehr daran gewöhnt, dass bei uns jeder Tipppass zum Kreis ankommt, Max Darj jeden Wurf verwandelt, unsere Rückraum-Quote hoch ist und wir die Gegenstöße alle im Tor unterbringen“, ordnet BHC-Geschäftsführer Jörg Föste das Geschehen ein. „Es wäre vermessen, zu erwarten, dass dies alles eine Selbstverständlichkeit ist – das zeigt sich gerade ungeschminkt. An dieser Stelle muss man auch noch einmal deutlich sagen, dass wir uns eben auch noch in einer Entwicklung befinden.“

Die Enttäuschung über die Niederlage ist bei allen Beteiligten gewaltig. „Erkennbar war der Wille jedes Einzelnen. Deshalb sitzt der Stachel auch so tief“, sagt Föste. „Es fehlt nicht nur das vielzitierte Erfolgserlebnis, sondern auch, dass die vielen kleinen Dinge, die im Laufe eines Spiels misslingen, am Ende eben doch zu einem Gelingen führen.“

So aber bleibt das 25:27 als verkrampfter Auftritt in Erinnerung. Dass dies gerade auf die in dieser Saison oftmals überragend aufspielenden jüngeren Handballer wie Lukas Stutzke oder Tom Kare Nikolaisen zutrifft, ist Indiz dafür, wie sehr der Leistungssport auf diesem Level zur Kopfsache werden kann. „Die Jungs sind unverschuldet in die Situation gekommen“, sagt Hinze mit Blick auf die doppelte Quarantäne. „Aber sie ist jetzt da. Wir sind in einer schwierigen Phase und werden alles daransetzen, wieder herauszukommen.“

Für Schwung von der Bank sorgte ein Mal mehr Renars Uscins. Der vom SC Magdeburg ausgeliehene Spieler setzte auch in Balingen durch zwei Tore Akzente.

Dies hätte trotz der vielen negativen Erlebnisse und des Haderns über selbige bereits in Balingen gelingen können. Zwei Minuten vor Schluss stellte David Schmidt noch auf 25:26, kassierte dann aber nach einer Abwehraktion eine Zeitstrafe. Der klare Schrittfehler, den Vladan Lipovina vor dem entscheidenden 27:25 begangen hatte, blieb ungeahndet. Beim BHC herrschte darüber entsprechender Frust, und Teamassistent Jan Artmann handelte dem Team – offenbar für einen Kommentar – eine weitere zweiminütige Hinausstellung ein. „Wir können nicht auf der einen Seite über fehlende Emotionen von der Bank sprechen, dann aber sauer sein, wenn wir mal zwei Minuten dafür bekommen“, findet Föste.

Rund um den BHC

Personal: In Balingen entschied sich Trainer Sebastian Hinze für Kreisläufer Tom Bergner statt Rückraum-Rechtshänder Daniel Fontaine. Davon abgesehen blieb der Kader im Vergleich zum vorigen Spiel bei der MT Melsungen unverändert.

Ausblick: Am Mittwoch (19 Uhr) ist GWD Minden zu Gast in der Klingenhalle. Die Ostwestfalen sind seit sechs Spielen ungeschlagen und liegen nur noch vier Punkte hinter dem BHC. Eine ausführliche Vorschau auf die Begegnung lesen Sie in unserer Mittwochausgabe.

Meinung: Keine Frage des Willens

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Sebastian Hinze wechselt im Sommer 2022 zu den Rhein-Neckar Löwen. Seitdem dies feststeht, läuft es sportlich nicht mehr rund beim Bergischen HC, der davor einen 20:6-Punktelauf hingelegt hatte. Da liegt der Verdacht doch nah, dass der Trainer mit dem Kopf gar nicht bei der Sache ist, die Mannschaft nicht mehr alles gibt und insgesamt die Zusammenarbeit nicht mehr so funktioniert wie zuvor. Oder? Nur weil es solche Phänomene im Bundesliga-Fußball bedauerlicherweise wirklich zu geben scheint, ist dies doch nicht auf Hinze und den BHC anzuwenden. Im Handball gibt es übrigens auch diverse Gegenbeispiele: Die Abgänge von Benjamin Matschke und Kai Wandschneider aus Ludwigshafen beziehungsweise Wetzlar stehen seit mehr als einem Jahr fest. Trotzdem funktioniert es an beiden Standorten noch. Ja, die Bergischen stecken in einer sportlichen Krise, doch deshalb den Willen des Teams oder Trainers in Frage zu stellen, wäre nicht nur falsch, sondern anmaßend.

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