BHC: Löwen beißen sich an Mrkva die Zähne aus

Tim Nothdurft begann stark mit vier Treffern, scheiterte aber in seinen Versuchen fünf und sechs unmittelbar nach der Pause an THW-Keeper Tomas Mrkva.
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Tim Nothdurft begann stark mit vier Treffern, scheiterte aber in seinen Versuchen fünf und sechs unmittelbar nach der Pause an THW-Keeper Tomas Mrkva.

Handball-Bundesliga: So lief die Partie Bergische HC gegen THW Kiel. Und warum sie trotz allem Mut macht für kommende Aufgaben.

Eine Frage mochte Tomas Mrkva im Vorfeld der Partie gegen seinen ehemaligen Verein nicht konkret beantworten: Ob er als neuer Torhüter des THW Kiel gegen den Bergischen HC einen Vorteil haben würde.

Die Antwort darauf gab der Tscheche auf dem Feld, wo er 16 Würfe parierte und damit die beiden BHC-Schlussleute mit zusammen vier abgewehrten Schüssen in die Tasche steckte.

Die Chancenauswertung war ein Grund, warum die Bergischen auch im 18. Anlauf keinen Punkt in einem Bundesligaspiel gegen den THW gewinnen konnten. Die 29:35 (13:17)-Niederlage macht dennoch Hoffnung für die bevorstehenden Aufgaben.

Nach der 1:0-Führung ging es bergab

Obwohl Tim Nothdurft den BHC mit 1:0 in Führung brachte, erwischte eindeutig der THW den besseren Start. Mrkva, der gegen sein Ex-Team den Vorzug vor Niklas Landin erhalten hatte, setzte mit einer freien Parade gegen Tom Kare Nikolaisen die erste Duftmarke. Der Torhüter war auch fortan ein starker Rückhalt für sein Team, hatte schon in der Halbzeitpause zehn Paraden auf seinem Konto und damit einen großen Anteil, dass die Gastgeber sich auf 10:4 absetzten.
Dazu auch der Kommentar von Thomas Rademacher

Zu wenig Zug zum Tor, Pech mit den Pfiffen

Die Löwen begannen im Angriff nicht mit genug Zug zum Tor, beziehungsweise sie hatten auch Pech mit ausgebliebenen Pfiffen – wie zum Beispiel gleich zwei Mal, als Djibril M'Bengue Verantwortung übernahm. Der Zugang hatte im rechten Rückraum begonnen, wollte viel bewegen, überdrehte aber, als er in Unterzahl nach wenigen Sekunden Aufbau aus zehn Metern abschloss und das Tor verfehlte.

Offensiv-Steigerung nach der Auszeit

Eine klare offensive Steigerung bewirkte Cheftrainer Jamal Naji in einer Auszeit. Tomas Babak belebte das Spiel, nutzte seine Zweikampfstärke und traf auch selbst. Alexander Weck sammelte nach ein paar unglücklichen Aktionen ebenfalls ein Erfolgserlebnis, und der für M'Bengue eingewechselte Simen Schönningsen stieß erfolgreich in die Kieler Lücken. Kombiniert mit einigen schönen Paraden vom inzwischen für Christopher Rudeck eingewechselten Peter Johannesson genügte die Verbesserung, um kurzfristig auf drei Tore Rückstand zu verkürzen und mit 13:17 in die Pause zu gehen.

Defensiv keine Schnitte gegen Kieler aus einem Guss

Nach Wiederbeginn allerdings scheiterte der bis dahin treffsichere Nothdurft zwei Mal in Folge frei gegen Mrkva, was den Kielern den nächsten Schub gab. Diesen bekamen die Löwen nicht mehr gestoppt. Defensiv schafften es die Bergischen kaum noch, die Hausherren aufzuhalten. Die Kieler spielten wie aus einem Guss und hatten nicht nur in Nikola Bilyk und Karl Wallinius überragende Rückraumschützen. Torhüter-Paraden verbuchten die Löwen überhaupt nicht mehr.
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„Im Angriff haben wir uns gesteigert. Das müssen wir mitnehmen.“

Jamal Naji, BHC-Trainer

Auf der anderen Seite des Feldes zeigten die Bergischen gute Ansätze, haderten aber weiterhin im Abschluss. So nutzte Linus Arnesson einen Siebenmeter samt Nachwurf gegen Landin nicht. Chancen jedoch kreierten die Gäste einige. Yannick Fraatz erzielte in seinem ersten Saisoneinsatz zwei Tore von der Rechtsaußen-Position, auch über den auf der anderen Seite eingewechselten Noah Beyer lief viel. Anspiele an den Kreis, von dem Tom Kare Nikolaisen und später Tom Bergner trafen, gelangen ebenfalls.

Nur halfen diese Momentaufnahmen im Ergebnis nicht, weil die Kieler Effektivität zu der eigenen überlegen war. „Kiel hatte eine unglaubliche Fernwurfquote“, analysierte Coach Naji. „Aber im Angriff haben wir uns gesteigert. Das müssen wir mitnehmen.“

Tomas Babak gehörte in Kiel zu den Aktivposten im Angriff. Drei Tore und vier Assists gingen auf sein Konto.

Stimmen zum Spiel: Tomas Babak, Jamal Naji und Jörg Föste

Auch wenn Tomas Babak mit der Abschlussquote gegen seinen tschechischen Landsmann und ehemaligen Mannschaftskameraden Tomas Mrkva haderte, so wertete er die Angriffsleistung als größte Errungenschaft des Spiels für den Bergischen HC. „Das war unser großes Problem in den ersten beiden Begegnungen“, sagte der Spielmacher. „Hier haben wir zwar auch nicht so gut angefangen, dann aber mit mehr Bewegung viele gute Abschlüsse erarbeitet. Damit können wir zufrieden sein.“

Die 29:35-Niederlage beim THW Kiel ordnete der 28-Jährige sachlich ein: „Man rechnet nicht unbedingt mit Punkten in Kiel. Aber natürlich wollten wir sie haben.“ Deshalb sei auch Enttäuschung da. Gerade, weil die Löwen gegen den Deutschen Rekordmeister nicht den Zugriff in der Abwehr bekommen haben, den sie in den ersten beiden Saisonspielen hatten. „Wir waren oft zu passiv, und Kiel hatte es leicht, Würfe aus sieben oder acht Metern zu bekommen.“

Ähnlich sahen es auch Trainer Jamal Naji und Geschäftsführer Jörg Föste. „Wir müssen uns die Abwehr noch einmal genau in der Analyse anschauen“, meinte der Coach. „35 Gegentore sind auch gegen den THW Kiel zu viele. Wir hatten es aber auch sehr schwer, weil Kiel die Dinge unheimlich gut auf den Punkt gespielt hat.“ Jörg Föste sagte: „Eine Niederlage in der Deutlichkeit ist nie angenehm – auch wenn es gegen den kommenden Deutschen Meister geschehen ist.“

Auch beim Geschäftsführer überwogen letztlich allerdings positive Eindrücke. „Nach Startproblemen war der Spielfluss deutlich besser. Neben den 29 Treffern haben wir ein gutes Dutzend weitere Gelegenheiten zum Teil ansehnlich herausgespielt“, urteilte der 61-Jährige. „Das war ein klarer Schritt nach vorne, auf den man sehr gut aufbauen kann.“

Das empfand auch der dreifache Torschütze Tomas Babak so: „Positiv müssen wir einfach den Angriff mitnehmen. Das gibt uns Selbstvertrauen.“ Auch mit Blick auf die kommende Aufgabe gegen den TBV Lemgo Lippe (Donnerstag, 19.05 Uhr, Klingenhalle). Die Gäste reisen mit dem Schwung eines Remis (28:28) gegen die MT Melsungen im Bergischen an.

Rund um den Bergischen HC

Personal: Kurzfristig mussten die Löwen in Kiel auf Frederik Ladefoged verzichten. Der Kreisläufer-Zugang hatte sich im Abschlusstraining vertreten, versuchte es beim Aufwärmen, musste aber letztlich abwinken. „Da warten wir nun die Untersuchungen ab und hoffen auf das Beste“, sagte Trainer Jamal Naji, der darüber hinaus nur auf die schon länger verletzten Fabian Gutbrod und Csaba Szücs verzichten musste.

Verlegung: Das für Sonntag, 23. Oktober, in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle geplante Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg findet später statt. Der amtierende Deutsche Meister ist an diesem Tag international gefordert.

Ausblick: Wenn am Donnerstag der TBV Lemgo Lippe zu Gast war, wird der BHC zum ersten Mal in dieser Saison sieben Tage am Stück frei haben. Weiter geht es danach beim HSV Hamburg (22. September).

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