Handball

Löwen behalten im Hexenkessel die Nerven

Linus Arnesson gab in Hannover nach einer knapp einmonatigen Verletzungspause sein Comeback. Der schwedische Spielmacher hatte seinen Anteil am spektakulären Erfolg seines Bergischen HC und klatschte im emotionalsten Moment mit der Bank ab.
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Linus Arnesson gab in Hannover nach einer knapp einmonatigen Verletzungspause sein Comeback. Der schwedische Spielmacher hatte seinen Anteil am spektakulären Erfolg des Bergischen HC und klatschte im emotionalsten Moment an der Bank ab.

Handball-Bundesliga: Beim 32:30 (13:12) feiert der Bergischen HC seinen ersten Sieg in Hannover seit mehr als zehn Jahren

Aus Hannover berichtet
Thomas Rademacher

Die aus Sicht des Bergischen HC erste gute Nachricht gab es bereits vor dem Bundesligaspiel. Linus Arnesson konnte nach überstandener Bauchmuskelverletzung wieder antreten. Für die Entscheidung in einem bis zum Schluss umkämpften und vor mehr als 9000 Fans hitzigen Match bei der TSV Hannover-Burgdorf sorgte aber der andere Spielmacher des Bergischen HC. Tomas Babak fasste sich beim Stand von 29:29 ein Herz, setzte sich zwei Mal stark durch und machte sein Team mit zwei Treffern zum Sieger. „Tomas spielt eine außergewöhnliche Saison“, lobte Trainer Jamal Naji den Tschechen. „Er wird gefühlt immer cleverer.“ Das 32:30 (13:12) komplettierte einen starken BHC-Dezember mit 5:3-Punkten und war zugleich der erste Löwen-Sieg in Hannover seit dem 11. Februar 2012.

Vielversprechend gestalteten die Gäste bereits die erste Halbzeit. Die Hannoveraner rieben sich an der BHC-Deckung auf, auch wenn sie durch Uladzislau „Vlad“ Kulesh das eine oder andere Mal durchkamen. Die meisten Gegentore kassierten die Löwen zunächst aber nicht im Positionsangriff, sondern durch das gegnerische Tempospiel nach Ballverlusten. Davon hatten die Bergischen ein paar durch Djibril M'Bengue oder Tom Kare Nikolaisen. Doch je länger die Partie dauerte, desto sicherer präsentierte sich der BHC im Angriff – auch wenn nicht immer eine 100-prozentige Chance dabei heraussprang.

In ihrer besten Phase der ersten Hälfte gewannen die Löwen das Momentum durch freie Paraden von Christopher Rudeck, die sie selbst zum Konter nutzten. Arnor Gunnarsson vollstreckte sicher, aber auch Lukas Stutzke und Tomas Babak fanden die Lücken am Kreis. Spektakulär traf Linus Arnesson per Kempa-Trick, den Trainer Jamal Naji in der Auszeit sogar angekündigt hatte.

In Überzahl zogen die Gäste durch Arnesson, Frederik Ladefoged und Babak auf 13:10 davon, nahmen aber nur einen 13:12-Vorsprung mit in die Halbzeitpause. Dennoch: Wie schon das Hinspiel war die Partie ausgeglichen und bislang von den Deckungsreihen geprägt. Beide Mannschaften mussten einigen verpassten Chancen hinterhertrauern.

Tomas Babak befand sich ein Mal mehr in bombastischer Form und war mit sechs Treffern bester BHC-Torschütze.

Das änderte sich nach Wiederanpfiff. Plötzlich dominierten die Angriffsreihen. Die Chance, die 9026 Fans in der Hannoveraner ZAG-Arena etwas ruhiger zu stimmen, verpassten die Gäste. Stutzke stellte per Doppelschlag zwar zügig auf 15:12, doch drei Minuten später hieß es bereits 15:15. Es ging Schlag auf Schlag, hagelte Tore, und auch der BHC ließ es krachen: durch Noah Beyer, Babak, M'Bengue, Stutzke. Allerdings fehlten nun die defensiven Stopps. Die Abschlüsse waren zwingend, und Rudeck kam auch nicht mehr an die Bälle – beziehungsweise fast nicht mehr. Während sich Spannmann Peter Johannesson bereits warm machte, parierte er einen Siebenmeter gegen Marius Steinhauser. Kurz darauf fischte er eine freie Chance.

Impulse wie diese halfen den Löwen in der hitzigen Atmosphäre freilich. Babak brachte seine Farben erneut mit drei Toren in Front. Die Löwen machten nun grandiose Tore – zum Beispiel durch Frederik Ladefoged, der in arger Bedrängnis sogar noch zwei Minuten herausholte. Die Überzahl verpuffte, doch danach lieferte der nun doch für Rudeck gekommene Johannesson eine herausragende Parade, deren Abpraller sich Ladefoged mit einem Hechtsprung sicherte. Sekunden später stellte Beyer auf 28:25.

Sechs Minuten vor Schluss war es nun angerichtet für die Löwen. Aber auch das genügte nicht. In einem wilden Spiel glichen die Hausherren beim 29:29 wieder aus. Noch zwei Minuten standen auf der Uhr. Dann hatte Babak seinen Auftritt – und was für einen.

Jamal Naji: „Wir dürfen und müssen stolz auf uns sein“

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-trd- Zwei Minuten vor Schluss hatte die TSV Hannover-Burgdorf den BHC dort, wo sie ihn haben wollte. Die Gastgeber hatten das Momentum beim Stand von 29:29 auf ihrer Seite, mehr als 9000 Fans – so viele wie seit Beginn der Corona-Pandemie nicht – hinter sich. Nach mehren vergebenen Drei-Tore-Führungen könnten die Handballer des Bergischen HC in dieser Situation ins Grübeln kommen. „Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass wir das Spiel aus der Hand geben würden“, sagte Geschäftsführer Jörg Föste. „Was wir dann aber für eine Nervenstärke und Klarheit in unseren Angriffsaktionen gezeigt haben, war bemerkenswert.“ Tomas Babak war für die entscheidenden Tore auf dem Weg zum 32:30 zuständig. „Entscheidend war, dass wir in dieser Situation uns selbst treu geblieben sind“, betonte Trainer Jamal Naji. „Auch wenn unsere Auftakthandlung zwei oder drei Mal zuvor nicht geklappt hatte, haben wir sie wieder gespielt und waren dann erfolgreich. Das spricht für ein Vertrauen in unsere Aktionen.“

Dass seine Mannschaft den Dezember mit 5:3-Punkten abgeschlossen hat, dabei eine Leipziger Siegesserie von sechs Spielen reißen ließ und sich in Hannover sogar von der glanzvollen Kulisse nicht beeindrucken ließ, kommentierte auch der Trainer: „Wir dürfen und müssen stolz auf uns sein. Wir haben uns stabilisiert.“

Föste meinte: „Das ist tatsächlich wie ein Weihnachtsgeschenk. Es war eine fantastische Leistung unserer Mannschaft – angeführt von Linus Arnesson, Tomas Babak und Lukas Stutzke.“ Die nun bevorstehende mehrwöchige WM-Pause komme fast zur Unzeit. „Gerade wenn es läuft, ist das so“, sagte er. „Und es läuft!“

Nicht ganz so glücklich war freilich Christian Prokop, der in den Gästen das cleverere Team als Gewinner sah. „Der BHC hat nicht überhastet gespielt“, urteilte der Trainer der TSV Hannover-Burgdorf. Bei seinem Team sei das manchmal anders gewesen. Besonders weh tat sicher der zügige und verunglückte Wurf von Branko Vujovic beim Stand von 29:30.

Pause: Die BHC-Profis haben zwei Wochen frei und werden in der zweiten Januar-Woche wieder ins Training einsteigen.

Personal: In Hannover fehlten Csaba Szücs, Tim Nothdurft, Simen Schönningsen und Tom Bergner angeschlagen oder verletzt.

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