Handball

Linus Arnesson führt die Löwen zu einem Punkt

So sehr die Göppinger Abwehr ihn auch belagerte, Linus Arnesson war am Sonntagnachmittag nicht aufzuhalten. Der Schwede erzielte mit einer unheimlichen Energieleistung neun Treffer. Foto: Mathias M. Lehmann
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So sehr die Göppinger Abwehr ihn auch belagerte, Linus Arnesson war am Sonntagnachmittag nicht aufzuhalten. Der Schwede erzielte mit einer unheimlichen Energieleistung neun Treffer.

Der Bergische HC spielt in Göppingen 26:26 (12:12) – es ist das sechste Remis im 15. Bundesliga-Spiel der beiden Clubs.

Aus Göppingen berichtet Thomas Rademacher

26:26 (12:12) nach einem harten Kampf. Hat der Bergische HC bei Frisch Auf Göppingen einen Punkt gewonnen oder verloren? „Ich glaube, am Ende ist es für beide in Ordnung, auch wenn ich hier natürlich gewinnen will“, ordnete Linus Arnesson das sechste Remis im 15. Aufeinandertreffen in der Handball-Bundesliga zwischen den beiden Clubs ein. In der Schlussminute hatten sowohl die Löwen als auch Frisch Auf die Chance zum Sieg vergeben.

Gute Entscheidungen hatte Trainer Sebastian Hinze von seinem BHC gefordert. Die kreative Abwehr des Gegners würde von seiner Truppe ein hohes Maß an Flexibilität erfordern. So stand die erste Löwen-Führung beispielhaft für diese Qualität. Linus Arnesson bediente Arnor Gunnarsson per Express-Pass auf Außen. Der jedoch brach ab, sah Maciej Majdzinski, der wiederum auf den anlaufenden Arnesson ablegte. Der Schwede versenkte mit Wucht und Präzision zum 10:9.

Hätten die Bergischen in jedem Angriff eine solch nahezu perfekte Lösung gefunden, wäre mehr drin gewesen als ein 12:12 zur Pause. Während des gesamten Duells dominierten allerdings auf beiden Seiten die Deckungsreihen. Jacob Bagersted blockte auf Göppinger Seite gleich drei Bälle. Wenn die Bergischen den Ball aufs Tor brachten, fand er in der ersten Hälfte eigentlich immer den Weg in die Maschen, doch sie bissen sich eben auch oft an der Abwehr fest – genau wie die Göppinger umgekehrt.

Hervorragend verteidigten die Löwen das Kreisläufer-Spiel über Kresimir Kozina, und der Innenblock mit Max Darj sowie Tom Kare Nikolaisen, der den Vorzug vor dem noch leicht angeschlagenen Csaba Szücs bekam, funktionierte. Angesichts der Tatsache, dass in den ersten 30 Minuten von allen Torhütern in Tomas Mrkva nur der des BHC mehrere Male entscheidend an den Ball kam, war das Remis zur Halbzeit aus BHC-Sicht eigentlich zu wenig.

Mrkva entschärft Göppinger Großchance Sekunden vor Schluss

Nach Wiederanpfiff fand Frisch Auf zwar den Kreisläufer, doch je länger die Partie dauerte, desto besser kamen auch die Gäste offensiv in Schwung. Das Tempospiel rollte über Mrkva, der Jeffrey Boomhouwer fand, oder Arnesson, der nach einer schnellen Mitte zügig durchzog. Der 30-Jährige war es auch, der im Positionsangriff die richtigen Entscheidungen traf und defensiv hellwach einen Gegenstoß-Pass abfing.

Es blieb aber das Spiel der Abwehrblöcke. Mehrere Male in Folge hatte der BHC im passiven Spiel nur noch einen Pass übrig. Arnesson überwand in einer solchen Situation aus etwa elf Metern Urh Kastelic zum 18:17. Wenig später war die erste Zwei-Tore-Führung der zweiten Hälfte perfekt. David Schmidt und Fabian Gutbrod vollstreckten. Gleiches gelang in umgekehrter Reihenfolge erneut, aber die Hausherren ließen sich nicht abhängen.

Da war aber noch der Mann des Spiels: Arnesson zog wild entschlossen durch – beim 23:22 wie beim 24:23 mit einem unglaublichen Schlagwurf. Sieben Zeitstrafen kassierten die Hausherren, nur eine der BHC. Den Vorteil brachte die Truppe aber nicht auf die Anzeigetafel – unter anderem, weil Boomhouwer zwei Mal frei vergab. So hatte Göppingen sogar noch die Riesenchance zum Sieg. In Unterzahl fand Janus Smarason die Lücke, doch Mrkva hielt den völlig freien Wurf. Auf der anderen Seite bekam Darj den Ball am Kreis, brachte ihn aber nicht mehr aufs Tor. So hatten letztlich beide Teams Grund zur Freude und zum Hadern.

Rund um den BHC

Personal: Da bis auf Daniel Fontaine und Alexander Weck der komplette Kader zur Verfügung stand, musste Sebastian Hinze einen Spieler des Kernkaders streichen. Der Trainer entschied sich für Ragnar Johannsson.

Lockdown: Profisportler dürfen ihrem Beruf auch ab Mittwoch weiter nachgehen, so dass der Bundesliga-Spielbetrieb wohl normal weitergeht.

Meinung: Arnesson ist zurück

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Keine Frage, die beiden Schweden in Reihen des Bergischen HC gehören zu den absoluten Leistungsträgern. Wie stark Max Darj ist, merkt man vor allem dann, wenn er mal nicht zur Verfügung steht – so selbstverständlich sind seine Topvorstellungen Woche für Woche geworden. Der Kreisläufer ist nicht nur defensiv die zuverlässigste Bank, die die Löwen haben, sondern er hat sich auch offensiv immens gesteigert. Hatte er früher häufiger Probleme, den Ball zuverlässig im Tor unterzubringen, ist die Quote deutlich besser geworden. Linus Arnesson hingegen lief seiner Form ein wenig hinterher. Hatte er in der vorigen Spielzeit mit einem wohl verschleppten Infekt zu kämpfen, hielt ihn in dieser Saison eine Muskelverletzung zurück. In Göppingen demonstrierte der Schwede, wie wichtig er für den Bergischen HC sein kann. Der 30-Jährige wirkte zum ersten Mal seit langem komplett fit und spielte sich bei den Schwaben auch emotional in einen Rausch. Neun Tore gingen auf sein Konto – und er bewies, dass er auch dann treffen kann, wenn taktisch gerade keine Lösung funktioniert. Der BHC besticht zwar durch mannschaftliche Geschlossenheit, Kampfgeist und ein gefestigtes Kollektiv in der Abwehr. Doch auch er braucht hin und wieder einen solchen Unterschiedsspieler – wie in Göppingen, wo es ohne Arnesson nicht gereicht hätte. Ganz sicher.

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