Handball-Bundesliga

9:1-Lauf bringt die Löwen auf die Siegerstraße

Tom Bergner nimmt Maß gegen Jensen. Sekunden später wird der Kreisläufer nach dem ersten Bundesliga-Tor seiner noch jungen Karriere überglücklich zurück in die Abwehr laufen.
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Tom Bergner nimmt Maß gegen Mike Jensen. Sekunden später wird der Kreisläufer nach dem ersten Bundesliga-Tor seiner noch jungen Karriere überglücklich zurück in die Abwehr laufen.

Der Bergische HC überzeugt beim 30:22 (14:11) gegen HBW Balingen-Weilstetten über ganz weite Strecken.

Von Thomas Rademacher

In der Schlussphase hatte Sebastian Hinze sogar die Gelegenheit, den Spielern Einsatzzeit zu geben, die sonst häufiger passen müssen. Uneinholbar lag der Bergische HC im Duell gegen HBW Balingen-Weilstetten vorne. So brachte der Trainer Joonas Klama im Tor, Tom Bergner am Kreis und Renars Uscins im Rückraum. Während Letzterer bereits in der ersten Halbzeit aufgrund einer Strafzeit gegen David Schmidt reingedurft hatte, wurden die Schlussminuten vor allem für Klama und Bergner besondere. Der Torhüter parierte gleich den ersten Wurf, Kreisläufer Bergner traf per Gegenstoß zum 29:22 – Tor-Premiere für den 20-Jährigen im Oberhaus. „Christopher Rudeck hat den Pass gegeben“, meinte der Kreisläufer. „Ich habe ihm extra noch mal gedankt. Es war wirklich ein besonderes Gefühl, das Tor zu machen, ich bin sehr glücklich.“ Das galt letztlich für alle BHC-Handballer nach dem deutlichen 30:22 (14:11)-Erfolg.

Den Grundstein legten die Löwen früh. Nachdem die Gäste 2:1 in Führung gegangen waren, legten die Bergischen einen 13-minütigen 9:1-Lauf hin. Während diesem gelang den Hausherren nahezu alles. Die Deckung stand hervorragend mit Max Darj und Tom Kare Nikolaisen im Innenblock. Immer wieder warfen die Balinger in den Block, verloren den Ball oder scheiterten am in dieser Phase zur Hochform auflaufenden Rudeck zwischen den Pfosten. Dazu stahl Yannick Fraatz die Kugel und lief den Gegenstoß zum 6:2 gleich selbst.

Dann haben Balingen auch die Antworten gefehlt.

David Schmidt, BHC-Rückraum

Im gebundenen Angriff setzte David Schmidt die meisten Akzente aus dem Rückraum, aber auch Fabian Gutbrod sowie Linus Arnesson waren erfolgreich, und Kreisläufer Max Darj brachte den Ball nach tollem Arnesson-Pass im Tor unter. Die spektakulärste Aktion der ersten Hälfte vollendete ebenfalls Darj. Arnesson hatte einen Gegenstoß eingeleitet, doch Jeffrey Boomhouwer konnte den Ball in arger Bedrängnis nur noch geistesgegenwärtig in Richtung des mitgelaufenen Kreisläufers abfälschen. Das 10:3 war zugleich die höchste BHC-Führung der ersten Hälfte.

Ganz so reibungslos brachten die Löwen diese nämlich nicht zu Ende. Die Balinger agierten fortan nicht mehr so fehleranfällig und bekamen durch eine Siebenmeter-Parade von Vladimir Bozic gegen Arnor Gunnarsson einen zusätzlichen Schub. Gleichzeitig misslang den Bergischen nun auch mehr: Csaba Szücs und Arnesson leisteten sich Fehlpässe, so dass die Gäste auf 7:11 herankamen. In Unterzahl agierten die Löwen allerdings stark, trafen durch Lukas Stutzke aus dem Rückraum sowie Tomas Babak nach schöner Einzelaktion. Etwas unambitioniert wirkte – wie schon vorige Woche gegen Leipzig – der letzte BHC-Angriff vor der Pause. Statt eines überhasteten Abschlusses gab es diesmal gar keinen.

Den 14:11-Pausenvorsprung erhöhten die Bergischen nach einer Rudeck-Parade durch Darj, aber im Tempospiel machten die Löwen auch zu Beginn der zweiten Hälfte Fehler. Gleich zwei Überzahl-Situationen verpufften. Dennoch: Die Löwen gewannen nun mehr und mehr Kontrolle über die Begegnung. Nachdem Oddur Gretarsson einen Siebenmeter an den Pfosten gesetzt hatte und damit die Chance vergab, auf zwei Tore zu verkürzen, stellten Darj und Szücs mit zwei schnellen Treffern auf 19:14.

Als dann auch noch Rudeck ein paar Paraden draufpackte und die Mannschaft im Angriff geduldig gute Chancen herausarbeitete, waren die Löwen nicht mehr zu stoppen. Im Positionsangriff fanden sie Darj am Kreis, oder sie schlossen aus der Distanz über Arnesson beziehungsweise Stutzke ab. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss konnte sich der BHC beim Stand von 23:17 nur noch selbst schlagen. Zu ungefährdet stand die eigene Abwehr, zu ungefährlich zeigte sich der HBW-Angriff. „Wir hatten in der ersten Hälfte Probleme mit James Scott, ihn hat Lukas Stutzke nach der Pause gut in den Griff bekommen. Dann haben Balingen auch die Antworten gefehlt“, fand der fünffache Torschütze David Schmidt.

Hier geht es zur LöwenZeit: BHC-Podcast: Stimmen zum Spiel gegen Balingen

Rund um den BHC

Personal: Tomas Mrkva musste kurzfristig passen, weil er im Training umgeknickt war. Der Torhüter wird am Montag genauer untersucht. Trainer Sebastian Hinze rechnet mit einer Zwangspause für den Tschechen. Ebenfalls nicht dabei war Alexander Weck. Er wurde als 17. fitter Spieler des Kernkaders nicht bedacht.

BHC nimmt erste Garnitur aus dem Spiel

Sebastian Hinze hat seine Mannschaft exzellent vorbereitet

Von Timo Lemmer

Tomas Babak bestach durch seine Zweikampfstärke und hatte großen Anteil daran, dass der BHC immer wieder zu guten Chancen kam.

Weil es zwischendurch schon sieben Tore gewesen waren, mit denen der Bergische HC im ersten Durchgang geführt hatte, musste Trainer Sebastian Hinze das Frustlevel seiner Spieler in der Pause erst einmal reduzieren: „Wir mussten uns besinnen, dass wir mit drei Toren führen. Uns war ja vorher klar, dass wir gegen Balingen 60 Minuten kämpfen müssen.“ Der kurzzeitige Ärger der Akteure, ab der 20. Minute mitunter fahrig agiert und deshalb an Vorsprung eingebüßt zu haben, war nach der Ansprache nicht mehr spürbar.

Im zweiten Abschnitt richtete sich der Blick rasch aufs Wesentliche: Den Ausbau der eigenen Führung gegen Balingen, die trotz einiger unsteter Momente nie wirklich in Gefahr war. „Wir hätten wieder etwas herankommen können, setzen dann aber einen Siebenmeter an den Pfosten“, bilanzierte Jens Bürkle. Balingens Coach sagte außerdem: „Der Bergische HC war dann schnell wieder weg. Wir waren in vielen Details zu schlampig, und das kannst du dir gegen den BHC eben nicht erlauben.“ Der 40-Jährige lobte sein ein Jahr älteres Gegenüber: Hinze habe seine Mannschaft „besonders in der Abwehr echt gut auf uns eingestellt, einige Spieler waren wirklich aus dem Spiel.“ Hinze bestätigte das „für die erste Rückraum-Reihe“ der Gäste. Mit seinen unorthodoxen Täuschungen habe aber James Scott große Probleme bereitet.

Den klaren Defensiv-Plan habe man mit einer Woche Vorlauf gut erarbeiten können, befand Hinze, der seine Mannschaft dann auch eher in der Offensive kurzzeitig unkonzentriert gesehen hatte. Die 22 Gegentore unterstreichen jedenfalls den geglückten Plan: Weniger hatte der Bergische HC in seinen nunmehr 18 Saisonspielen nur gegen Ludwigshafen kassiert.

Hinze erfreute sich dabei vor allem an den vielen Momenten der kompakten Arbeit sowie dem cleveren Spiel auf der ballfernen Seite – gerade in den ersten 15 Minuten, in denen der Grundstein zum Sieg gelegt wurde, gelangen hier Ballgewinne. Neben den Zweikämpfern sei insbesondere Halbverteidiger Linus Arnesson „ganz entscheidend, wenn man sieht, wie er im Raum antizipiert“.

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