Handball

Länderspiele erhöhen das Risiko merklich

Die Hygienestandards bei Bundesligaspielen sind enorm hoch. Die Maskenpflicht wird sogar noch ausgeweitet. Fotos: Christian Beier
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Die Hygienestandards bei Bundesligaspielen sind enorm hoch. Die Maskenpflicht wird sogar noch ausgeweitet.

Handball-Bundesliga: Zum dritten Mal muss ein BHC-Spiel nach einer Nationalmannschaftspause verschoben werden

Von Thomas Rademacher

Die Handball-Bundesliga hat ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, das sich an dem des Fußballs orientiert. Aktuell sind die Maßnahmen sogar noch einmal verschärft worden, um den Spielbetrieb zu gewährleisten. Trotzdem kommt es immer wieder zu Ausfällen. So musste das für Mittwochabend angesetzte Duell des Bergischen HC bei der SG Flensburg-Handewitt verschoben werden. Ein Spieler der Norddeutschen war positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Mannschaft musste nicht umgehend in Quarantäne, doch das Gesundheitsamt Flensburg sagte die Begegnung vorsorglich ab.

Was steckt dahinter?

Der Verein teilte nicht mit, welcher Handballer positiv getestet wurde. Dass es sich um einen Nationalspieler handelt, ist jedoch sehr wahrscheinlich, da der Großteil des SG-Kaders gleichzeitig auch international bei Länderspielen aktiv ist. Aufhorchen ließ nach den jüngsten Qualifikationspartien zur Europameisterschaft das dänische Team. So bestätigten die Füchse Berlin die Infektionen von Jacob Holm und Hans Lindberg. Flensburg hat potenziell vier dänische Nationalspieler im Team, so dass ein Zusammenhang nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich ist. Dafür spricht auch, dass nicht die gesamte Mannschaft in Quarantäne gehen musste.

Wäre die Absage des BHC-Spiels vermeidbar gewesen?

Sollte der betroffene Spieler nach seiner Rückkehr keinen Kontakt zur Bundesliga-Mannschaft gehabt haben, wäre eine Austragung zumindest denkbar gewesen. Wenn der Infektionsherd aber tatsächlich bei den Dänen liegt, ist die Verschiebung verständlich. Zumindest drei SG-Spieler befanden sich im direkten Umfeld des dänischen Teams. Auf die hätten die Flensburger bis zur endgültigen Klärung der Angelegenheit verzichten müssen.

Warum kommt es so oft nach Länderspielen zu Verschiebungen?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es offenbar einen Zusammenhang von internationalen Einsätzen und Spielabsagen in der Bundesliga gibt. Drei Begegnungen des Bergischen HC mussten bislang verlegt werden – jeweils nach Länderspiel-Pausen. GWD Minden musste Anfang November nach der EM-Qualifikation in Quarantäne, als es zu einem Ausbruch im deutschen Team kam und Juri Knorr erkrankte. Der hatte damals schon wieder in Minden mittrainiert, so dass die gesamte Mannschaft für 14 Tage aus dem Verkehr gezogen wurde. Die Verschiebung des Lemgo-Spiels Anfang Februar erfolgte freiwillig, weil drei Spieler der Lipper und Max Darj vom BHC kurz zuvor noch bei der WM in Ägypten im Finale gestanden hatten. Und nun kam es nach weiteren EM-Qualifikationsspielen zum dritten Ausfall. Der Grund ist klar: Viele Spieler treffen aus unterschiedlichen Regionen und Vereinen zusammen, reisen gemeinsam weite Strecken und begeben sich danach wieder in ihre Vereine – wo sie im schlimmsten Fall nach einer Infektion das Virus weiterverbreiten. Und im besseren Fall nur selbst ausfallen, damit aber ihre Gesundheit gefährden und – wie das Beispiel Flensburg zeigt – auch den Spielplan durcheinanderwirbeln.

Wie ist das Problem zu lösen?

Kritisiert die Austragung der EM-Qualifikation: BHC-Geschäftsführer Jörg Föste.

BHC-Geschäftsführer Jörg Föste hat dazu eine klare Meinung: „In diesen Zeiten wäre es klüger, die EM-Qualifikationsspiele nicht durchzuführen – oder zumindest nicht im üblichen Modus.“ So musste zum Beispiel Dänemark in Nordmazedonien spielen, die Tschechen waren in Russland zu Gast. Weite Reisen sind an der Tagesordnung. „Ohne Zuschauer hat der europäische Verband auch keinen Vorteil an der Austragung dieser Spiele. Sie stellen ein Risiko dar für einen vergleichsweise geringen Nutzen“, findet Föste. „Es wäre leicht, die EM-Teilnehmer per Setzliste zu bestimmen oder zumindest einen Modus mit weniger Reisestrapazen zu finden.“ So verlief die Olympia-Qualifikation ohne Zwischenfälle. Jeweils vier Teams trafen sich für ein schnelles Turnier an einem Ort. „Auch für die Sportler stellt die EM-Quali teilweise einen echten Gewissenskonflikt dar“, beschreibt Föste. „Sie wollen natürlich ihr Land vertreten, gleichzeitig sehen sie aber auch die damit verbundenen möglichen Probleme.“ So ist man beim BHC froh, dass alle jüngst international Aktiven nach ihrer Rückkehr negativ getestet wurden.

Warum findet das Spiel der Füchse Berlin am Donnerstag statt?

Den Hauptstädtern fehlen in Jacob Holm und Hans Lindberg zwei Leistungsträger durch deren Infektionen für mindestens 14 Tage. Da die beiden Dänen nach ihrer Rückkehr nicht ins Mannschaftstraining zurückgekehrt sind, gab es keinen Grund, den Rest des Teams zu isolieren, so dass die Berliner am Donnerstagabend Minden empfangen können. Auch das Duell der HSG Wetzlar gegen Frisch Auf Göppingen konnte durchgeführt werden, obwohl Spielmacher Filip Mirkulovski positiv getestet wurde. Der ist übrigens Nordmazedonier und spielte in der EM-Qualifikation zwei Mal gegen Dänemark.

Wie erhöht die Handball-Bundesliga (HBL) die Sicherheit?

Höchstes Ziel ist es, das Infektionsrisiko für alle am Spielbetrieb beteiligten Personen zu reduzieren. „Das ist uns bislang gut gelungen“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann auf ST-Anfrage. „Unsere Leitfäden zur Durchführung von Training und Spiel sind Voraussetzung, dass wir den Spielbetrieb aufrechterhalten können.“ Aktuell wurde das Hygienekonzept der Liga noch einmal verschärft. „Das geschieht aufgrund der Erfahrungen, die im Spielbetrieb unter Covid-19-Voraussetzungen gemacht worden sind, und aufgrund veränderter Risikobewertungen. Hierbei haben wir nicht nur die Notwendigkeit der PCR-Testungen, sondern eine Reihe weiterer verpflichtender Maßnahmen, um die maximale Sicherheit zu erreichen. So hat etwa auch ein PCR-Test keine 100-prozentige Aussagekraft, und er ist – nimmt man Anwendungsfehler mit ins Kalkül – alleine nicht ausreichend.“

Sicherheit in der Pandemie

PCR-Tests: Im Gegensatz zum Corona-Schnelltest werden beim PCR-Test selbst geringste Virusmengen nachgewiesen. In der Bundesliga wird diese deutlich teurere Variante genutzt. „Den BHC kostet das in dieser Saison eine sechsstellige Summe“, ordnet BHC-Geschäftsführer Jörg Föste ein.

Weitere Maßnahmen: Obwohl bei einem negativen PCR-Test die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Betroffene eine Weile nicht infektiös ist, hat die HBL ihr Hygienekonzept erweitert: Unter anderem gilt unabhängig von Testungen für teaminterne Besprechungen Maskenpflicht.

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