Handball

Kotrc erfüllt sich beim BHC einen Traum

Milan Kotrc beim ersten Klingenhallen-Training zwischen Maciej Majdzinski (l.) und Fabian Gutbrod. 

Der Linksaußen ist Nachfolger von Christian Hoße. Mit den Löwen will der Tscheche unbedingt aufsteigen.

Von Thomas Rademacher

Lange hat Milan Kotrc auf seine Chance gewartet, ins Ausland zu wechseln. Nach elf Jahren bei Dukla Prag verabschiedete sich der 29-Jährige im Sommer mit dem Gewinn der tschechischen Meisterschaft. „Es war Zeit, etwas Anderes zu sehen“, meint der neue Linksaußen des Bergischen HC. Als im Winter das Angebot der Löwen kam, hat Kotrc nicht lange gezögert: „Es war immer mein Traum, in der Bundesliga zu spielen.“ Aufgrund des BHC-Abstiegs wird daraus zwar in dieser Saison nichts, doch nächstes Jahr soll es dann soweit sein.

„Ich habe mich sehr über die Chance beim BHC gefreut. Dass es jetzt die Zweite Liga ist, ärgert mich kaum. Der Aufstieg ist unser großes Ziel“, sagt der 1,90 Meter große Handballer. Zusammen mit Leos Petrovsky und Tomas Babak bildet Kotrc ein tschechisches Trio bei den Löwen. „Ich habe auch mit Tomas vorher ein bisschen gesprochen, um meine Entscheidung für den BHC zu treffen“, sagt der Linksaußen. „Für mich ist es natürlich toll, zwei Landsleute im Kader zu haben.“

Babak absolviert bereits seine zweite Saison im Löwen-Trikot und wird dadurch zum ersten Ansprechpartner. Denn so gut Deutsch wie der Spielmacher spricht Milan Kotrc noch nicht. „Ich habe früher in der Schule Deutsch gelernt und sogar zwei Jahre in Lohr am Main gelebt, aber doch sehr viele Wörter vergessen“, erläutert der 29-Jährige. „Tomas kann mir dann helfen, die taktischen Dinge hundertprozentig zu verstehen.“ Wenn sich der erste Stress des neuen Lebens in Solingen gelegt hat, plant der Sportler zudem, einen Sprachkurs zu besuchen.

Handball liegt bei Milan Kotrc in der Familie. Sein Vater, der ebenfalls Milan heißt, spielte bereits professionell. „Daher auch meine beiden Jahre in Lohr am Main“, sagt der BHC-Zugang, der mit sieben Jahren in der Schule mit dem Sport begann. „Da war mir schnell klar, dass das mein Spiel ist.“Der gebürtige Prager blieb dann auch fast immer in seiner Stadt. In elf Jahren bei Dukla gewann er 2011 und 2017 die Meisterschaft. Aber der Drang, eine neue Mannschaft kennenzulernen, überwog, so dass Kotrc nun alleine nach Solingen gezogen ist. „Meine Freundin Andrea studiert noch in Tschechien, so dass sie nur hin und wieder zu Besuch kommt.“ Der erste Eindruck von seinem neuen Verein ist gut. „Es ist eine tolle Truppe und eine schöne Stadt. Ich bin optimistisch, dass wir unsere Ziele erreichen“, sagt Kotrc.

Coach Hinze sieht hohes Potenzial

Neben dem Aufstieg mit den Löwen geht es dem Handballer auch darum, sich in der Nationalmannschaft durchzusetzen. „Wir haben drei sehr gute Linksaußen, so dass einer davon eben nicht nominiert wird. Das war zuletzt ich.“ Mit einer guten Leistung beim BHC würde Kotrc also für sich selbst werben.

MILAN KOTRC

ERFOLGE Neben zwei Meistertiteln (2011 und 2017) gewann der Neuzugang des Bergischen HC auch zwei Mal den tschechischen Pokal mit Dukla Prag. 2010 und 2014 war der Hauptstadt-Verein Sieger. 

VEREIN Zwar sind die Erfolge von Dukla Prag nach der Jahrtausendwende etwas weniger geworden, doch man ist weiterhin der traditionsreichste Club in Tschechien. Mit 32 nationalen Meisterschaften führt Dukla sogar die europäische Rangliste an. Kein anderer Verein hat so oft in seinem Land den Titel geholt. Zum Vergleich: Der deutsche Rekordmeister THW Kiel hat 20 Mal gewonnen. 

NATIONALTEAM 34 Mal stand der Rechtshänder bereits im tschechischen Aufgebot und erzielte dabei 52 Treffer. Sein Debüt gab er im Januar 2009 gegen Katar.

Darauf hofft freilich auch Sebastian Hinze. Der BHC-Trainer ist überzeugt, einen Spieler mit hohem Potenzial in seinen Reihen zu haben. „Er kann sehr gut antizipieren und war in Tschechien einer der besten Gegenstoß-Spieler überhaupt“, lobt der Coach. „Deshalb sind wir überzeugt, dass er der Richtige für uns ist. Weil er ein paar Jahre auf die Chance gewartet hat, wird er jetzt alles investieren.“ Der Sprung in die Zweite Liga sei für Kotrc aber dennoch spürbar. „Die Intensität ist deutlich höher. Das merkt er sicher jetzt schon im Training. Taktisch wird auch mehr von ihm verlangt.“ Hinze ist sicher, dass der Zugang an seinen Aufgaben wachsen wird.

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