Handball

Julian Thomas geht mit lachendem und weinendem Auge

In den letzten Spielen der gerade beendeten Bundesliga-Saison war Julian Thomas (l.) gefordert. Hier befindet er sich im Zweikampf gegen Coburgs Dominic Kelm. Foto: Mathias M. Lehmann
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In den letzten Spielen der gerade beendeten Bundesliga-Saison war Julian Thomas (l.) gefordert. Hier befindet er sich im Zweikampf gegen Coburgs Dominic Kelm.

Der Solinger möchte sich langfristig im Oberhaus etablieren – und wechselt daher in die 2. Liga zum TV Emsdetten.

Von Thomas Rademacher

Julian Thomas tauscht die BHC-Klamotten ein.

Auf der Hinfahrt zum letzten Saisonspiel des Bergischen HC bei den Füchsen Berlin war die Anspannung bei Julian Thomas etwas größer als sonst. Während der Bus die letzten Kilometer in Richtung der Hauptstadt zurücklegte, verfolgte der 18-Jährige die Zweitliga-Partie zwischen dem VfL Lübeck-Schwartau und dem TV Emsdetten im Livestream. Die Münsterländer benötigten am letzten Spieltag unbedingt einen Sieg, um die Klasse zu halten. Es gelang. Der TVE gewann 32:27 – und Julian Thomas hatte allen Grund zur Freude. „Unterschrieben hatte ich zwar noch nicht“, sagt der Solinger. „Aber es war alles in trockenen Tüchern. Ich wäre auch nach Emsdetten gegangen, wenn der Verein in die 3. Liga abgestiegen wäre. So ist es natürlich viel schöner.“

Der Rechtsaußen hätte auch beim BHC bleiben können. „Es stand im Raum, die Vorbereitung komplett mitzumachen, weil Yannick Fraatz noch eine Weile verletzt sein wird“, erläutert Thomas. „Aber man muss auch realistisch sehen, dass ich wohl kaum Einsatzzeiten in der Bundesliga bekomme, wenn die etablierten Spieler gesund bleiben. Demnach hätte ich mir die Spielpraxis woanders holen müssen.“ Da der Handballer nicht mehr in der A-Jugend spielen darf, wäre er beim BHC im Oberliga-Team gelandet. „Etwas höher wollte ich aber schon antreten“, sagt er. „Ich denke, dass die 2. oder 3. Liga für meine Entwicklung am besten ist.“

Dass der TV Emsdetten erste Wahl ist, wusste Julian Thomas bereits vor einigen Monaten. „Noch vor den ersten Corona-Fällen beim BHC im April war ich dort im Probetraining. Es hat sich angefühlt wie eine kleine Handballfamilie und hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt er. Nach einem Gespräch mit dem Sportlichen Leiter des TVE, André Kropp, stand seine Entscheidung fest.

„Ich bin mir sicher, dass es der richtige Schritt für meine Entwicklung ist.“

Julian Thomas, BHC-Abgang

Dass er in der Folge sogar noch zu seinen ersten Einsätzen in der Bundesliga kam, ist für Thomas ein Bonus. Nachdem sich kurz vor dem Saisonende in Arnor Gunnarsson auch noch der letzte verbliebene Rechtsaußen des BHC verletzt hatte, rückte der 18-Jährige in den Fokus. In Coburg, gegen Stuttgart und in Berlin spielte der Linkshänder jeweils mehr als 58 Minuten. „Gegen Coburg hatte ich am Anfang einen Fehlpass, aber danach ist es ganz gut gelaufen“, blickt er zurück. Unvergesslich wird sein erstes Bundesliga-Tor zum 19:13-Zwischenstand bleiben. „Ich hatte einen Zweikampf verloren, aber Tomas Mrkva hat gehalten. Über Csaba Szücs landete der Ball bei mir, und ich konnte aus der zweiten Welle abschließen. Das wird immer ein besonderer Treffer für mich bleiben.“

Eine tolle Erfahrung seien die letzten Wochen der Saison gewesen. „Natürlich war noch Luft nach oben da. Gerade körperlich muss ich mich noch entwickeln, aber auch Taktik und Timing sind verbesserungswürdig“, erläutert der Sportler. „Aber ich wurde schon in der Winterpause, als ich aufgrund der vielen WM-Fahrer ins Training durfte, hervorragend von der Mannschaft aufgenommen. Jeder hatte noch einen guten Tipp parat. Das ist schon eine tolle Truppe.“

Ganz leicht fällt ihm der Wechsel daher auch nicht. „Ich gehe schon mit einem lachenden und weinenden Auge, weil ich mich beim BHC sehr wohl gefühlt habe“, sagt Thomas. „Aber ich bin mir auch sicher, dass es der richtige Schritt für meine Entwicklung ist. Wenn mir die gut gelingt, bekomme ich die Chance wieder – dann aber nicht durch Verletzungen anderer, sondern, weil ich es mir erarbeitet habe.“ Sein Ziel ist schließlich klar: „Es ist mein Kindheitstraum, fest in der Bundesliga zu spielen.“

In Emsdetten ist der Solinger zwar nicht erste Wahl auf der Rechtsaußen-Position, doch hinter Yannick Terhaer kann er sich regelmäßig Einsatzzeiten in der 2. Liga erarbeiten. Unter welchem Trainer das geschieht, hat der Verein übrigens noch nicht verkündet. Dies soll zeitnah geschehen. Hochgesteckte Ziele werden die Münsterländer wohl nicht haben. „Es gibt schon einen kleinen Umbruch. Daher denke ich, dass es eher wieder gegen den Abstieg geht“, sagt Thomas – und freut sich drauf.

Julian Thomas

Anfänge: Der gebürtige Solinger hat in jungen Jahren beim Haaner TV mit dem Handballsport angefangen. In der C-Jugend erhielt er einen Anruf von BHC-Nachwuchskoordinator Christoph Rath. „Bei den Löwen hatte ich die bessere Perspektive“, erläutert er seinen Wechsel. In der A-Jugend trat er mit den Bergischen in der Bundesliga an.

Privat: Bislang lebte der 18-Jährige stets bei seinen ebenfalls handballaffinen Eltern im Ittertal. Mit dem Wechsel zum TV Emsdetten zieht der Linkshänder aber zu Hause aus. „Eine Wohnung habe ich schon“, freut sich Julian Thomas auf seinen nächsten „Karriereschritt“ – sowohl im sportlichen als auch persönlichen Bereich.

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