Handball

Johannesson fühlt sich in der Metropolregion wohl

Noch hält BHC-Zugang Peter Johannesson – wie hier gegen Noah Beyer – im Training die Bälle seiner eigenen Mitspieler. Bald will er die Gegner entnerven.
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Noch hält BHC-Zugang Peter Johannesson – wie hier gegen Noah Beyer – im Training die Bälle seiner eigenen Mitspieler. Bald will er die Gegner entnerven.

Handball-Bundesliga: Schwedischer Nationaltorhüter bildet das neue Torhütergespann mit Christopher Rudeck beim Bergischen HC.

Von Thomas Rademacher

Peter Johannesson gehörte zu den entscheidenden Figuren eines Jahrhundertspiels. Als der TBV Lemgo Lippe im Juni 2021 im Halbfinale des nationalen Pokals gegen den THW Kiel zur Pause mit 11:18 zurücklag, hätte niemand wohl auch nur einen Euro auf den Außenseiter aus dem Lipperland gesetzt. Doch unterstützt von 14 Paraden des Torhüters drehte der TBV das Handballspiel, schaffte beim 29:28 die Sensation und gewann einen Tag später im Finale gegen die MT Melsungen den Titel. „Klar“, sagt der Schwede. „So etwas passiert wohl nur ein Mal. Und wir haben es damals geschafft.“ Ein solches Erlebnis würde der 30-Jährige gerne auch mit dem Bergischen HC haben. Wobei das nicht der Hauptantrieb für den Schlussmann war, einen Dreijahresvertrag bei den Löwen zu unterschreiben.

Mindestens drei Jahre wird der Schwede für den Bergischen HC antreten.

„Ich wollte nach fünf Jahren in Lemgo einfach etwas Neues“, erläutert Johannesson, der gemeinsam mit Christopher Rudeck das Gespann zwischen den Pfosten bilden wird. So entschied er sich gegen eine Vertragsverlängerung, und es ärgert ihn auch nicht, dass er beim TBV in dieser Saison einen weiteren Start in der European League verpasst. „Ich habe diese Entscheidung schon früh mit meiner Frau zusammen getroffen“, sagt der Schwede, den der Bergische HC in vielerlei Hinsicht reizt.

Johannesson: „Zum einen findet hier ein großer Umbruch statt – mit neuem Kader und Trainer. Ich finde es sehr spannend, Teil davon zu sein.“ Andererseits mag er die Metropolregion, in der das Bergische Land liegt. „Wir sind immer gerne nach Düsseldorf oder Köln gefahren. Von Lemgo aus ist das eine ganz schöne Strecke. Jetzt sind beide Städte direkt um die Ecke.“ Johannesson stammt aus Göteborg, das mit knapp 600 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Schweden ist. „In so einer Atmosphäre fühlen wir uns wohler als in einer kleinen Stadt, in der nicht viel passiert.“

Happy wife, happy life.

Peter Johannesson, BHC-Zugang

So sei es kein Problem gewesen, seine Frau Madelene vom BHC zu überzeugen. „Happy wife, happy life (übersetzt: glückliche Frau, glückliches Leben)“, scherzt der Skandinavier, der nach Solingen gezogen ist, demnächst aber wohl häufiger auch auf der Königsallee anzutreffen sein wird: „Ich genieße es auch, dort nicht erkannt zu werden. Im kleinen Lemgo war das tatsächlich anders, wobei das manchmal natürlich auch ganz schön sein kann.“

Der BHC hat sich frühzeitig um Johannesson bemüht. „Ich wollte ihn unbedingt haben“, gesteht Trainer Jamal Naji. „Weil er ein ganz anderer Typ ist und Emotionalität in unser Spiel bringen kann. Das tut der Mannschaft in manchen Situationen sehr gut.“ Sportlich möchte Johannesson dem BHC helfen, von Jahr zu Jahr einen Schritt nach vorne zu machen. „Ich bin kein Freund von festen Zielen“, betont der Zugang. „Plötzlich verletzen sich drei Spieler langfristig, und die Situation ist wieder eine völlig andere. Ich denke lieber von Spiel zu Spiel.“ Eine Marschroute, die bei den Bergischen seit vielen Jahren gepflegt wird.

Wenn es um Karriere-Highlights geht, hängen bei Johannesson die Trauben ohnehin hoch. Der 30-Jährige bezeichnet den Pokalsieg mit Lemgo nicht einmal als seinen größten Erfolg. In diesem Jahr gewann er mit Schweden die Europameisterschaft. „Das war noch größer“, meint er. „Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Dazu kommen drei schwedische Meistertitel mit IK Sävehof, der Gewinn der U21-WM 2013 inklusive der Auszeichnung als bester Torhüter des Turniers. „Man muss immer auch etwas Glück haben, um ganz große Dinge zu erreichen. Mal schauen, was hier möglich ist.“

Ein Sieg gegen den THW Kiel zum Beispiel? Es ist der einzige Gegner, gegen den der BHC in seiner Historie noch nie gepunktet hat. Johannesson hingegen weiß, wie es geht, und hat den Rekordmeister nicht nur im Pokal schon mit seinen Paraden entnervt, sondern auch mehrere Male in der Bundesliga. „Am dritten Spieltag sind wir in dieser Saison dort. Da fahren wir bestimmt nicht hin, um es abzuschenken.“

Der Handballer traut seinem neuen Team viel zu: „Ich bin sehr positiv gestimmt und habe bisher einen richtig guten Eindruck.“ Mit Spannmann Christopher Rudeck versteht er sich gut. „Es ist auch wichtig, dass man sich unterstützt“, sagt der Sportler. „Natürlich will jeder spielen, aber heutzutage funktioniert fast keine Mannschaft mit nur einem Torhüter. Wenn wir uns gegenseitig helfen, können wir das Level immer weiter nach oben schrauben. Am Ende ist es wichtig, dass an jedem Spieltag einer von uns funktioniert. Dann haben wir immer die Chance, zu gewinnen.“

Mit 30 Jahren befindet sich Peter Johannesson in der Blüte seiner Karriere. „Ich möchte so lange spielen, wie es mir Spaß macht“, stellt der Handballer klar. Dass das bei Torhütern sehr lange sein kann, beweist zum Beispiel Hamburgs Johannes Bitter, der im September 40 Jahre alt wird. Johannesson: „Wenn ich dann irgendwann aufhöre, möchte ich nach Göteborg zurückkehren. Das ist meine Heimat, dort ist meine Familie.“

Hintergrund

Anfänge: Peter Johannesson wurde am 12. Mai 1992 in Göteborg geboren und landete mit elf Jahren durch einen Freund beim Handball. Von GIK Wasaiterna ging es zu IK Sävehof. 2015 folgte der Sprung in die Bundesliga zu HBW Balingen-Weilstetten, wo er zwei Jahre aktiv war.

Privat: Der Torhüter ist seit 2020 mit Madelene verheiratet, hat keine Kinder und spielt neben dem Handball gerne Golf. Sein Handicap ist 13 – ein sehr guter Wert.

Hier finden Sie alle Informationen zum großen Umbruch beim BHC.

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