Im Gespräch

Jörg Föste ist der Macher des Bergischen Handball-Clubs

Jörg Föste an der Remscheider Talsperre. Die Runde drumherum fiel dem stürmischen Wetter zum Opfer. Foto: Andreas Dach
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Jörg Föste an der Remscheider Talsperre. Die Runde drumherum fiel dem stürmischen Wetter zum Opfer.

Geschäftsführer Jörg Föste spricht über seinen Werdegang, seinen Antrieb und seine Vision.

Von Andreas Dach

Jörg Föste mit dem inzwischen etablierten Bundesliga-Team, für dessen Aufbau er seit vielen Jahren in der Verantwortung steht.

Wer sich mit Jörg Föste im Juli zu einem Spaziergang um die Remscheider Talsperre verabredet, geht von schönem Wetter aus. Von Sonnenschein, von milden Temperaturen und von vielen Menschen, die unterwegs sind. In diesem Fall ist alles anders. Aus der geplanten Runde mit dem Geschäftsführer des Bergischen HC am vergangenen Mittwoch wird ein kurzweiliger Plausch in Ledersesseln – im Restaurant Talsperre. Bei einem schönen Tässchen Cappuccino und mit Blick hinaus auf den Starkregen, der in dieser Intensität lange nicht über der Region niedergegangen ist und letztlich für verheerende Folgen sorgen soll. „Ich wäre aber gegangen“, vermittelt der 60-jährige Solinger glaubhaft.

Jörg Föste ist seit vielen Jahren der Macher beim Bergischen HC. Das ist bekannt. Aber wer ist dieser zwei Meter große Geschäftsmann wirklich? Was treibt ihn an? Und wie ist er als Ex-Fußballer in eine mächtige Position im deutschen Handballsport gekommen? In der Grundschule Widdert erkennt man schnell, dass Föste „ein etwas anderes Kind ist“, wie er sich selbst beschreibt. Hochbegabt würde man heute sagen. Jedenfalls ist der Solinger gerade einmal acht Jahre alt, als er aufs Gymnasium Schwertstraße wechselt. „Das“, erinnert er sich genau, „war für mich wie ein kleiner Kulturschock.“ Ein anderer Kosmos: „Der liebe kleine naive Junge wird in die große Stadt entlassen.“ Aus Widdert in die Solinger City. Behaglichkeit hier, schroffe Welt dort. Föste meint es gar nicht böse, wenn er das so beschreibt.

Er wird verschlossener, ist zunehmend in sich gekehrt. Die Lust am Lernen geht flöten. Wie gut, dass es den Sport gibt. „Ich bin im Spiel sozialisiert worden“, sagt er mit Blick in den Rückspiegel. Bei den SF Widdert spielt er Fußball. Frei nach dem Kerkeling-Motto: „Der Junge muss mal an die frische Luft.“ Das tut ihm gut. So gut, dass sein Leben Fahrt aufnimmt. Föste macht sein Abitur, danach bei der Bundeswehr in Köln eine Offiziersausbildung. Was auffällig und auch für die Zeit danach von Bedeutung ist: Man traut ihm auf all seinen Stationen zu, Verantwortung zu übernehmen. Im Gymnasium ist er Klassensprecher, hält später auch die Abi-Rede. Bei der Bundeswehr wird er zum Zugführer.

Föste ist ein neugieriger Mensch, bezeichnet sich zu dem Zeitpunkt als „fast schon volkstümlich“. Erstaunlich, wenn man an die Anfänge denkt. Vor allem folgt er einer klaren Linie, welche heute in der Matrix des Bergischen HC fest verankert ist: „Es geht immer darum, einer Sache zu dienen und persönliche Dinge total auszublenden.“ Kommunikation ist sein Ding. Föste hospitiert bei Medien in Remscheid und Solingen, schreibt Artikel. Über die Fußballer von Union Solingen, über die Handballer der Lenneper TG. „Ich war permanent im Gespräch mit Menschen und habe mich in die journalistische Arbeit gestürzt“, sagt er. Vor allem von Sportredakteur Jürgen Coburger habe er viel gelernt.

„Auch Philipp sieht die Sache im Vordergrund und nicht die eigene Person!“

Jörg Föste über Philipp Tychy

Es folgen zwei Semester Wirtschaftswissenschaft, dann reicht es Jörg Föste: „Ich habe alles erfahren, was ich erfahren wollte.“ Im Alter von 26 Jahren macht er sich selbstständig im Bereich Marketing, gründet in Solingen die Firma Conceptum. Er kann sich austoben, seine Vorlieben einbringen. Da ist der Kontakt mit Menschen, da gibt es reichlich gestalterische Möglichkeiten, und da gibt es viel Kommunikation. Föste erlebt eine sehr erfolgreiche Zeit, auch wenn sie extrem kräftezehrend und substanzraubend ist. Der Kaufmann, der in zweiter Ehe mit Anja verheiratet ist und aus erster Ehe zwei Söhne hat, spricht sogar von „gesundheitsschädlich“. Nach sehr intensiven Jahren mit teilweise bis zu 50 Mitarbeitern fährt er den Aufwand irgendwann sehr bewusst zurück: „Wenn die Administration die Gestaltung frisst, dann muss man etwas tun.“

Ohnehin ist der Solinger zu dem Zeitpunkt schon längst tief ins Handballgeschäft eingestiegen. Er sagt: „Als Aktiver hat mir der Fußball mehr gelegen, der Handball hat mir als Sportart besser gefallen.“ Seinem Prinzip folgend („Ich mache nur Dinge, wenn ich gefragt werde“), übernimmt er Anfang der 90er die Abteilungsleitung beim Sportring Höhscheid. Ebenfalls eine Erfolgsgeschichte. Es geht von der Verbandsliga hoch in die 2. Bundesliga. „Intensive Jahre“ nennt Föste das. Und spricht von „blühenden Landschaften“ im Bergischen (Handball)-Land. Ein Bob Hanning kommt nach Solingen, ein Torsten „Toto“ Jansen, ein Florian Kehrmann. Es geht aufwärts, immer weiter. Als die SG Solingen – so heißt sie inzwischen – im Jahr 2000 die Bundesliga erreicht, zieht sich Föste aus dem operativen Geschäft zurück.

Jedenfalls für einige Jahre. Weg ist er nie, gehört im Hintergrund im Wirtschaftsrat zu den Strippenziehern. Längst ist er nun zurück an vorderster Stelle. Die SG Solingen und der LTV Wuppertal sind 2006 zum Bergischen HC verschmolzen, eine Marketing GmbH ist gegründet, und der BHC hat sich in der Bundesliga nach diversen Aufs und Abs als feste Größe etabliert. Föste hat 2011 die Verantwortung als Geschäftsführer übernommen und seinerzeit die Nachfolge von Stefan Adam angetreten, der zum THW Kiel gewechselt ist. Föste nennt die Haupttriebfeder, weshalb er mittlerweile schon wieder seit zehn Jahren als Geschäftsführer tätig ist: „Wir wollen dafür sorgen, dass der BHC die Flagge hochhält, damit das Bergische Land hinsichtlich des Profisports kein weißer Fleck auf der Landkarte ist.“

Für den Solinger ist sein Mitstreiter Philipp Tychy nach eigenen Angaben „ein Glücksgriff“ im Führungsgremium. Gerade will Föste begründen, warum das so ist, da wird die zweite Tasse Cappuccino serviert, während draußen weiter der Regen vor die Fenster peitscht. „Vielen Dank“, sagt er in Richtung der sympathisch lächelnden Serviererin, und setzt dann fort in seiner Erklärung: „Auch Philipp sieht die Sache im Vordergrund und nicht die eigene Person.“

Immer wieder landen wir im Laufe des Gesprächs an diesem Punkt, welcher zur Matrix des BHC gehört. Der wesentlichste Aspekt einer solchen Formel oder Organisationsform ist indes noch ein anderer. Föste bringt den Verzicht ins Spiel: „Wir vermeiden die Dinge, die in der Vergangenheit zum Scheitern geführt haben und Fehler, die andere gemacht haben.“

Erfahrungswerte gibt es reichlich. Nicht alles war immer nur rosig in der sportlichen Geschichte des BHC und seiner Vorgängerclubs. Weshalb man die Sinne schärft. Täglich. „Die Kraft ins uns“ ist keinesfalls zufällig der Slogan der Clubs. Föste: „Diese Grundidee muss weiterleben.“ Und weiter: „In einer Welt der Unwägbarkeiten müssen Konstanten gebaut werden.“ Wo er den BHC in fünf Jahren sieht? „In der 1. Liga.“ Und in zehn Jahren? „Das hängt von vielen Faktoren ab.“

Ein wesentlicher ist der Neubau einer Halle. „Man wird den BHC auf bergischem Boden als Erstligist nicht ohne Arena halten können“, sagt er klipp und klar. Und ist froh, dass die Oberbürgermeister der drei bergischen Städte das erkannt haben. Im dritten Quartal des Jahres soll es eine Übereinkunft und Entscheidung geben, wann und wo gebaut wird. Mit etwas Glück könnte drei Jahre später die neue Heimspielstätte des Bergischen HC stehen. Auf Solinger oder Wuppertaler Boden.

Noch sind wir aber auf Remscheider Untergrund. Und machen uns durch Sturm und Regen vom Restaurant aus auf den Weg. Jörg Föste betont noch einmal: „Ich wäre wirklich gegangen.“

Hintergrund

Als Geschäftsführer des Bergischen HC hat Jörg Föste den Verein nach dem Abstieg aus der Handball-Bundesliga 2017 reformiert. Er hat nicht – wie es im Sport oft geschieht – den Trainer gewechselt, sondern das Fundament des Clubs gestärkt. Nach außen wird das vor allem in einer deutlich breiteren Kaderplanung sichtbar.

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