Handball-Bundesliga

Mit BHC-Podcast - In der kritischen Phase läuft alles gegen die Löwen

Unzufrieden mit den Schiedsrichter-Pfiffen war auch Trainer Sebastian Hinze häufiger.
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Unzufrieden mit den Schiedsrichter-Pfiffen war auch Trainer Sebastian Hinze häufiger.

Der Bergische HC unterliegt der SG Flensburg-Handewitt mit 24:29 (13:12).

Von Thomas Rademacher

Der zweikampfstarke Jim Gottfridsson war von Csaba Szücs und Max Darj (r.) in dieser Szene nicht aufzuhalten.

Als Csaba Szücs sich ein Herz fasste, den Ball aus neun Metern scheinbar zum 19:20 ins Netz feuerte und dabei ein Pfiff ertönte, war der Spaß für die Bundesliga-Handballer des Bergischen HC endgültig vorbei. Die Entscheidung des Schiedsrichtergespanns Nils Blümel/Jörg Loppaschewski auf ein Stürmerfoul gegen Kreisläufer Max Darj brachte das Fass zum Überlaufen. Die Unzufriedenheit war hör- und sichtbar auf der BHC-Bank, zumal es auch schon vorher den einen oder anderen kleinlichen Pfiff gegen die Löwen gegeben hatte. „Es war noch nie so unnötig, etwas über die Schiedsrichter zu sagen wie heute“, kommentierte Geschäftsführer Jörg Föste später und wollte das Duo offensichtlich damit keinesfalls in Schutz nehmesn. „Weil jeder es gesehen hat.“ Um gegen die SG Flensburg-Handewitt trotzdem eine Chance zu haben, hätten die Bergischen in dieser Spielphase aber die Nerven behalten müssen. So kosteten zahlreiche Fehler beim 24:29 (13:12) die Siegchance gegen den Favoriten.

Begonnen hatten die Unsicherheiten einige Minuten zuvor. Lasse Svan kam einen Schritt zu spät gegen Sebastian Damm, der beim Absprung von außen erwischt wurde, das Tor zur möglichen 17:15-Führung nicht machen konnte und vorläufig verletzt ausgewechselt werden musste. Flensburgs Svan kassierte die fällige Zeitstrafe, Arnor Gunnarsson schritt an die Siebenmeter-Linie. Der Isländer scheiterte, wollte sich den Nachwurf holen, doch von hinten stieg Anton Lindskog ein, wonach Gunnarsson so unglücklich landete, dass er überhaupt nicht mehr weiterspielen konnte. Statt eine Zwei-Tore-Führung zu gewinnen, verloren die Löwen in dieser Szene beide Außenspieler und kassierten umgehend den Ausgleich zum 16:16 durch den starken Jim Gottfridsson.

„Wir haben uns aus der Ruhe bringen lassen.“

David Schmidt, BHC-Rückraum

„Da haben wir uns schon ein Stück weit beeinflussen lassen“, fand David Schmidt, der sich nach zuletzt zwei schwachen Leistungen deutlich steigerte und auch seine Zweikampf-Qualitäten in die Waagschale warf. „In solchen Spielen gibt es immer Fifty-Fifty-Entscheidungen, aber gefühlt waren die zu keiner Zeit auf unserer Seite. Das muss man akzeptieren, aber wir haben uns aus der Ruhe bringen lassen.“

So lief in der spielentscheidenden Phase Mitte der zweiten Halbzeit nahezu alles gegen die Löwen. Csaba Szücs und Tomas Babak leisteten sich Fehlpässe, die jeweils zu Gegentoren führten. Max Darj bekam ein Stürmerfoul abgepfiffen, und Szücs spielte den Ball ein weiteres Mal in die Hände des Gegners. Plötzlich stand es 18:22, und die Gastgeber waren auf der Verlierer-Straße, die sie gegen abgezockte Flensburger auch nicht mehr verließen.

Von einem Vier-Tore-Rückstand hatte sich das Team schon einmal erholt. Gleich zu Beginn lag der BHC 0:4 hinten – vor allem, weil vorne das Durchsetzungsvermögen fehlte. Wer nun aber gedacht hatte, die Mannschaft würde sich – wie beim 17:32 in Berlin – in ihr Schicksal ergeben, sah sich getäuscht. Trainer Sebastian Hinze brachte Tomas Babak nach überstandener Verletzung zurück. Im Angriffsduo mit Linus Arnesson kam Schwung in die Partie. Die beiden trafen nicht nur selbst, sondern setzten auch immer wieder Tom Kare Nikolaisen oder den zweiten Rückkehrer in Szene. Max Darj, der zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder spielte, war ebenfalls eine große Belebung für die Partie. Er war es auch, der das Duell beim 7:7 erstmalig ausglich.

1021 Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle durften zur Halbzeitpause sogar von einer Überraschung träumen, als Alexander Weck den letzten Angriff vor der Pause mit einem Gewaltwurf zum 13:12 abschloss. Nach Wiederanpfiff führten die Gastgeber kurzfristig mit zwei Toren, obwohl sie durch den Ausfall von Linus Arnesson (umgeknickt) eine weitere Option verloren hatten. Von zahnlosen Löwen wie in der Hauptstadt war jedenfalls nichts mehr zu erkennen. „Wir haben uns wieder darauf besonnen, was uns stark macht“, fand Schmidt. „Aus dem Spiel können wir viele gute Dinge mitnehmen.“

Personal

Linus Arnesson und Arnor Gunnarsson verletzten sich während des Spiels. Was sie haben, ist noch unklar, aber zumindest bei Arnesson zeigte sich Geschäftsführer Jörg Föste vorsichtig optimistisch: „Wir hoffen, er kann Montag oder Dienstag wieder ins Training einsteigen.“ Fabian Gutbrod machte sich zwar warm, kam für einen Einsatz mit Schulterproblemen aber nicht in Frage.

Föste und Co. sehen ein überzeugendes Heimspiel: „Wir wurden von der Kulisse getragen“

Meinung: Auf Kür folgt Pflicht

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Natürlich wäre ein Sieg über die SG Flensburg-Handewitt nach der bösen Schlappe in Berlin eine fantastische Antwort des Bergischen HC gewesen. Doch zum einen sind die Nordlichter nun mal völlig objektiv die bessere Mannschaft, zum anderen war die Chance auf die Überraschung sogar da. Von der 10. bis 38. Minute spielten die Löwen derart fantastischen Handball, dass sie bei Beibehaltung dieser Qualität das Feld wohl sogar als Sieger verlassen hätten. So kam es nicht, was aber kein Drama darstellt. Das Spiel gegen Flensburg war so etwas wie die Kür vor der Pflicht, die am Donnerstagabend in Minden auf dem Programm steht. Die Ostwestfalen sind mit zwei Punkten abgeschlagener Letzter, werden sich gegen einen strauchelnden BHC aber gewiss etwas ausrechnen. Um Ruhe zu haben, sollten die Löwen diesem Druck standhalten und dort gewinnen – um nicht zu sagen: müssen.

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