Handball-Bundesliga

Hitzige Löwen verlieren auch in der Deckung

Nach einem Ellenbogen-Stoß von Mijajlo Marsenic (2.v.r.) ist Csaba Szücs (l.) auf 180 und wird im folgenden Wortgefecht von Max Darj zurückgehalten. Foto: Kurt Kosler
+
Nach einem Ellenbogen-Stoß von Mijajlo Marsenic (2.v.r.) ist Csaba Szücs (l.) auf 180 und wird im folgenden Wortgefecht von Max Darj zurückgehalten.

Der Bergische HC kassiert beim 29:31 (17:16) gegen die Füchse Berlin seine vierte Heimniederlage in Serie.

Von Thomas Rademacher

Hitzig ging es zu zwischen dem Bergischen HC und den Füchsen Berlin. Doch den Vorteil, den ein Heimteam aus einer solchen Partie unter normalen Bedingungen ziehen kann, hatten die Löwen beim 29:31 (17:16) im Düsseldorfer ISS Dome nicht. Die emotionale Schlüsselszene ist klar: Mijajlo Marsenic nutzte während eines Berliner Angriffs seine Ellenbogen gegen Csaba Szücs. Der BHC-Abwehrchef ging zu Boden, und in der Folge waren die Gemüter so erregt, dass es zu einer im Handball seltenen Rudelbildung auf dem Feld kam. Jeder Fan dieses Sports kann sich ausmalen, was passiert wäre, wenn diese Szene in der 45. Minute vor ausverkaufter Kulisse passiert wäre.

Marsenic konnte sich glücklich schätzen, keine Rote Karte gesehen zu haben. In einer vollen Halle wären sowohl die Berliner als auch die Unparteiischen in den letzten Minuten der Begegnung wohl so extrem ausgepfiffen worden, dass dies einen Einfluss auf den Ausgang der Partie gehabt hätte – in welche Richtung auch immer. „Es waren ganz eindeutig keine Heimschiedsrichter heute“, übte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste deutliche Kritik. „Das hat sich schon in der ersten Minute angebahnt, als Marsenic ohne Ball in den Kreis stolpert und dafür einen Siebenmeter bekommt. Sein Foul gegen Csaba Szücs habe ich als Tätlichkeit gesehen.“

„Wir müssen selbstkritisch die Dinge bei uns suchen.“
Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer

Föste betonte allerdings, dass er die Schuld für die vierte Löwen-Heimniederlage nicht auf die Unparteiischen abwälzen möchte: „Wir müssen selbstkritisch die Dinge bei uns suchen, die dazu geführt haben, dass es nicht gelangt hat.“ Der 59-Jährige meinte damit vor allem die Deckung, die gegen die individuell stark besetzten Berliner kaum Zugriff bekam, sowie den Auftritt unmittelbar nach Wiederanpfiff.

So hatten die Löwen Pech mit zwei Lattentreffern, leisten sich aber auch zwei Fehlpässe durch Lukas Stutzke und den in der ersten Halbzeit sehr starken David Schmidt. Der Linkshänder schloss zudem auch überhastet ab, weshalb der Wurf leichte Beute für Berlins Schlussmann Dejan Milosavljev war. Als dann auch noch Jeffrey Boomhouwer für ein absichtliches Fußspiel zwei Minuten bekam, gingen die Füchse erstmals etwas nachhaltiger in Führung.

Für den Niederländer war der Arbeitstag damit übrigens beendet. Sebastian Damm übernahm auf der Position, hatte prompt eine starke Aktion, als er einen Gegenstoß-Pass spektakulär abfing, leistete sich in der umkämpften Schlussphase jedoch auch ein empfindliches Stürmerfoul auf dem Weg zum möglichen 28:29.

Es war eine von mehreren Chancen für die Löwen, die Partie noch zu kippen. Zuvor hatte Torhüter Christopher Rudeck, der gegen die Berliner einige freie Bälle entschärfte, die Chance zu einem Gegenstoß-Pass, der im Erfolgsfall den Ausgleich bedeutet hätte. Der Ball kam nicht an, und Sekunden später stellten die Hauptstädter wieder auf zwei Tore Abstand. Allen Dämpfern zum Trotz hatte Arnor Gunnarsson 70 Sekunden vor Schluss noch einmal den Ausgleich in der Hand. Der Isländer kam von außen zum Abschluss, doch Milosavljev verhinderte das 29:29.

Jacob Holms 30. Tor für die Berliner besiegelte die BHC-Niederlage. Es ist eine bittere, gerade angesichts der Tatsache, dass die Bergischen in der ersten Hälfte offensiv in jeder Hinsicht überragten. In der Deckung gelang es dem Team lange allerdings kaum, die Berliner Angreifer zurückzuhalten.

Personal

Vier Bundesliga-Partien hatte Linus Arnesson mit muskulären Problemen verpasst, bevor er gegen den THW Kiel zurückkehrte. Nur sechs Tage später fehlte der schwedische Mittelmann gegen die Füchse Berlin aus demselben Grund erneut. Erwartungsgemäß nicht einsatzbereit waren außerdem Daniel Fontaine und Alexander Weck.

Meinung: Kein Grund zur Panik

Von Thomas Rademacher

Die nackten Zahlen machen beim Bergischen HC in diesen Tagen keinen Spaß. Ihren bisher letzten Sieg in der Handball-Bundesliga fuhren die Löwen am 11. Oktober ein.

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Seitdem durfte sich die Mannschaft über einen spektakulären Punktgewinn in Hannover freuen, verlor allerdings vier Heimspiele in Folge. Das ist kein Grund, Euphorie zu verbreiten, aber es ist auch kein Grund zur Panik.

Der Bergische HC verlor die Heimspiele gegen die HSG Wetzlar, die fünf Tage zuvor den THW Kiel mit neun Toren Unterschied abgefertigt hatte, sowie mit Flensburg, Kiel und Berlin gegen den Zweiten, Ersten und Sechsten der Vorsaison. Das sind alles Spiele, die wohl auch viele andere Teams in dieser Konstellation verloren hätten – speziell ohne Unterstützung von den Rängen, die derzeit gezwungenermaßen ausbleibt. Angesichts eigener Fehler zu hadern, ist richtig und wichtig, wenn man künftig solche Duelle auch mal gewinnen möchte. Die Kontrahenten, die der BHC in dieser Saison unbedingt hinter sich lassen muss, kommen aber im Dezember: Coburg, Ludwigshafen und Essen sind die nächsten drei Gegner zu Hause. Die haben zusammen fünf Punkte auf dem Konto und belegen die letzten drei Ränge. Für den BHC bedeutet das Druck und Chance zugleich.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Zuschauer sorgen beim BHC-Spiel für ein Stück Normalität
Zuschauer sorgen beim BHC-Spiel für ein Stück Normalität
Zuschauer sorgen beim BHC-Spiel für ein Stück Normalität
Klingenhalle bietet perfekten Rahmen
Klingenhalle bietet perfekten Rahmen
Klingenhalle bietet perfekten Rahmen
BHC-Podcast: Stimmen zum Spiel gegen die HSG Wetzlar
BHC-Podcast: Stimmen zum Spiel gegen die HSG Wetzlar
BHC-Podcast: Stimmen zum Spiel gegen die HSG Wetzlar
Der Bergische HC und die Sorge um seine Linkshänder
Der Bergische HC und die Sorge um seine Linkshänder
Der Bergische HC und die Sorge um seine Linkshänder

Kommentare