Handball-Bundesliga

David Schmidt erlöst den BHC im Löwenduell

David Schmidt (r.) schrie seine Freude über das Tor zum Unentschieden heraus. Auch für den Linkshänder hatte das Spiel Höhen und Tiefen – es endete mit einem Befreiungsschlag.
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David Schmidt (r.) schrie seine Freude über das Tor zum Unentschieden heraus. Auch für den Linkshänder hatte das Spiel Höhen und Tiefen – es endete mit einem Befreiungsschlag.

Handball-Bundesliga: Mit einem Befreiungsschlag endet das Spiel des Bergischen HC gegen die Rhein-Neckar Löwen. Alles zum Spiel, Personalien und der Standpunkt von Thomas Rademacher.

Von Thomas Rademacher

Solingen. 15 Sekunden vor Schluss hat der Bergische HC gegen die Rhein-Neckar Löwen Glück. Lukas Stutzke schließt überhastet ab, trifft die Latte, doch der Ball landet in Händen der Gastgeber. Eine Auszeit hat Trainer Sebastian Hinze nicht mehr, doch er nimmt in Windeseile Torhüter Tomas Mrkva zugunsten eines siebten Feldspieler heraus. Der finale Angriff läuft über Stutzke zu David Schmidt. Der steigt hoch und donnert die Kugel zum 25:25 (13:13) in die Maschen – es ist ein Bundesliga-Punkt für die Moral, gleichzeitig der zweite des BHC im Düsseldorfer PSD Bank Dome jemals und der erste gegen die Rhein-Neckar Löwen seit mehr als sieben Jahren. Dazu auch die Meinung von Thomas Rademacher: Das Feuer ist zurück

Gerade offensiv steigerten sich die Bergischen im Vergleich zur mauen Vorstellung in Göppingen von Anfang an. Die Gastgeber setzten nicht nur auf Rückraumwürfe, sondern suchten auch die Lücken in der gegnerischen Verteidigung.

Lukas Stutzke und Linus Arnesson wirkten wild entschlossen. Beide hatten mit ihren Versuchen zwar nicht nur Erfolg, doch das lag bei Stutzke auch an den Unparteiischen. Ein augenscheinlich blitzsauberes Tor bekam der 23-Jährige zurückgepfiffen – es war eine von mehreren eher unglücklichen Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns, das sich auch bei den 2286 Fans unbeliebt machte.

Nikolas Katsigiannis entschärft spektakulär

Defensiv bekamen die Rhein-Neckar Löwen kaum Zugriff. Sie begannen mit einer 5:1-Deckung, stellten später auf die 6:0-Variante um. Die hatte zwar mehr Erfolg, doch das lag auch Nikolas Katsigiannis. Der Torhüter entschärfte flache Würfe von Tomas Babak und Simen Schönningsen spektakulär. Alexander Weck erkannte, wie schnell Katsigiannis nach unten unterwegs war, nagelte die Kugel zum 13:13 in den Winkel und beendete damit die Torflaute vor der Halbzeitpause.

Zuvor hatte sich der BHC eigentlich besser präsentiert als die Gäste. Der zwischenzeitliche 12:10-Vorsprung wurde dem Spielverlauf gerecht.

Offensiv agierten die Bergischen so flexibel, dass sich der favorisierte Kontrahent zu keinem Zeitpunkt darauf einstellen konnte. Es lief über außen, den Kreis, Zweikämpfe und gefährliche, zumeist gut vorbereitete Rückraumwürfe. Auf der anderen Seite fanden jedoch auch die Gäste Lösungen, kamen oft durch Juri Knorr frei zum Abschluss, so dass der BHC von einem starken Mrkva zwischen den Pfosten profitierte.

Nach Wiederanpfiff jedoch knüpfte Katsigiannis an seine Erfolgsserie an. Er hielt, was zu halten war, während seine Mitspieler einen 16:13-Vorsprung herauswarfen. Max Darj markierte das erste BHC-Tor der zweiten Hälfte nach mehr als sieben Minuten.

Hinze: Auszeit - zu viel Unsinn im Kopf

Hinze nahm eine Auszeit, urteilte, dass seine Mannen zu viel Unsinn im Kopf hätten und appellierte an die Dinge, die in der ersten Halbzeit funktioniert hatten. Stutzke und Schmidt kamen zurück, aber Letzterer kassierte beim versuchten Durchbruch ein Stürmerfoul – der nächste fragliche Pfiff.

Der BHC lief nun hinterher, weil die Gäste Treffer stets zügig beantworteten. Schönningsen traf mit aller Entschlossenheit, Csaba Szücs ebenfalls, und dann versenkte Sebastian Damm einen Schnellangriff sogar nach einer Drehung. Hinten aber bekamen die Bergischen den Gegner nicht mehr gestoppt.

Tomas Mrkva (l.) parierte mehr als 40 Prozent der Bälle auf seinen Kasten. Auch ein zwischenzeitlicher Kopftreffer konnte den Torhüter nicht stoppen.

Beim 18:22 nahm Hinze seine letzte Auszeit bereits eine Viertelstunde vor dem Ende. Und tatsächlich: Die Hausherren kamen noch einmal zurück, auch wenn sie durch Schönningsen, Stutzke und Arnor Gunnarsson noch haarsträubende Fehler begingen.

Mit dem Gefühl, das Spiel verloren zu haben, haben wir unseren Mut wiedergefunden.

Sebastian Hinze, BHC-Trainer

Mrkva parierte überragend. Gunnarsson, Stutze und Darj brachten ihre Farben auf 24:25 drei Minuten vor Schluss heran. Dann kam Schmidt und ließ die den BHC jubeln. „Der Punkt ist am Ende sicher glücklich“, meinte Hinze. „Mit dem Gefühl, das Spiel verloren zu haben, haben wir unseren Mut wieder gefunden.“

Rund um den BHC: Personalien Gutbrod und Bergner

Fabian Gutbrod: Der Mannschaftskapitän konnte wie schon im Pokalspiel unter der Woche nicht spielen. Er leidet unter einem Infekt.

Tom Bergner: Der Kreisläufer war erneut mit dem Tusem Essen in der 2. Liga unterwegs. Bei der SG Bietigheim kassierte das Team vom künftigen BHC-Coach Jamal Naji aber seine erste Niederlage (25:34).

Hier gibt´s Reaktionen zum Spiel: Stimmen zum Spiel des BHC: Es schlagen zwei Herzen in der Brust

Meinung: Das Feuer ist zurück

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Der Standpunkt von Thomas Rademacher

Der Bergische HC hat bei Frisch Auf Göppingen vor anderthalb Wochen zwar immer weiter gemacht und konsequent ordentliche Rückraum-Chancen kreiert, scheiterte aber auch in einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit am gegnerischen Torhüter. Emotional und mental fehlte einfach etwas, um in diesem Spiel eine Wende herbeizuführen.

Am Sonntagnachmittag war die Entschlossenheit zurück. Von Anfang an wirkten zum Beispiel Linus Arnesson und Lukas Stutzke so, als hätten sie etwas zu beweisen. Sie stießen in die Lücken der Abwehr, riskierten, dass es schmerzhaft werden könnte. Gleiches galt später für Simen Schönningsen.

Das Feuer beim BHC war gegen die Rhein-Neckar Löwen über ganz weite Strecken der Begegnung wieder da. Daher ist es der Mannschaft mehr als zu gönnen, dass sie noch einen am Schluss unverhofften Punkt mitgenommen hat – allen Fehlern zum Trotz, die die Bergischen auch in der Schlussphase nicht abgestellt bekommen haben. Sei’s drum!

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