Handball-Bundesliga

BHC steht vor dem größten Umbruch seit fünf Jahren

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Djibril M’Bengue ist dabei, sich in der Nationalmannschaft zu etablieren. Ab Sommer verstärkt er den Bergischen HC im rechten Rückraum.

Im Anschluss an das Bundesliga-Duell gegen den TuS N-Lübbecke verabschiedet der Club seinen Trainer und neun Spieler.

Solingen. Das Sportliche der Bundesliga-Begegnung gegen den TuS N-Lübbecke wird am Sonntagnachmittag (12. Juni, 15.30 Uhr, Klingenhalle) schnell in den Hintergrund geraten. Wenn das letzte Saisonspiel vorüber ist, nimmt der Bergische HC von so vielen Protagonisten Abschied wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Gleich neun Handballer sind neben Trainer Sebastian Hinze ein letztes Mal für den BHC im Einsatz. Im Sommer werden dann die Karten mit frischem Trainerteam und sieben Zugängen neu gemischt. Ein Überblick:

Trainer: Sebastian Hintze wechselt zu den Rhein-Neckar-Löwen

Trainer: Am Ende der Bundesliga-Saison 2011/12 hat Sebastian Hinze nach der Trennung von HaDe Schmitz gemeinsam mit dem damaligen Spielmacher Kristoffer Moen an der Seitenlinie übernommen. Der Abstieg war damals nicht mehr zu verhindern, doch im Sommer nahm der damalige Jugendkoordinator das Angebot an, die Löwen als Chefcoach zu übernehmen.

Unter Hinzes Führung gelang der direkte Wiederaufstieg gefolgt von drei Klassenerhalten in Serie. Dem bitteren Gang in die 2. Liga trotz acht Siegen in der Rückrunde 2017 schloss sich in der Spielzeit darauf ein denkwürdiger Umbruch an. Auch dank der Zugänge Max Darj und Linus Arnesson schaffte der BHC mit atemberaubenden 70:6-Punkten den erneuten Sprung ins Oberhaus, in dem er sich seitdem etabliert hat.

Sebastian Hinze geht nach zehn Jahren als Chefcoach.

Hinzes Ära endet nun nach genau zehn Jahren. Stetiger Wegbegleiter: Arnor Gunnarsson, der als einziger Spieler seit 2012 Teil des Kaders ist.

Dass Hinze zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt, steht bereits seit knapp anderthalb Jahren fest. Im vergangenen Sommer hat der BHC bereits seinen Nachfolger verpflichtet. Vom TuSEM Essen kommt Jamal Naji. Der 36-Jährige ist in dieser Saison mit dem Zweitligisten im oberen Mittelfeld gelandet.

Jamal Naji trägt künftig die Verantwortung.

Als Co-Trainer bringt er Peer Pütz mit, der zuletzt ebenfalls die Rolle als Chefcoach innehatte, nachdem sich Bayer Dormagen von Dusko Bilanovic getrennt hatte. Dem 30-Jährigen gelang trotz schwieriger Lage der Zweitliga-Klassenerhalt. Dem neuen Trainer-Duo stehen weiterhin Markus Pütz (Torhüter, Eliteförderung) sowie Björgvin Gustavsson (Torwart-Mentor) zur Seite.

Linksaußen: Wer geht, wer kommt?

Linksaußen: Jeffrey Boomhouwer geht zurück in seine Heimat nach Aalsmeer, und auch der Vertrag von Sebastian Damm läuft aus. Während der Niederländer in seinen vier Jahren beim BHC sehr gute Spiele hatte, zuletzt allerdings etwas im Abschluss nachließ, ist Damm der Durchbruch in der Bundesliga nie so ganz gelungen.

Das neue Gespann auf der linken Außenbahn ist außerordentlich vielversprechend. Von HBW Balingen-Weilstetten kommt in Tim Nothdurft ein Spieler, der mit 1,94 Meter für seine Position sehr groß gewachsen ist und eine entsprechende Reichweite mitbringt. So ist der 24-Jährige auch als Spitze einer 5:1-Deckung einsetzbar. In Balingen gehört der Linksaußen zu den besten Schützen seines Teams.

Tim Nothdurft kommt von HBW Balingen.

Erfolgreichster Torjäger des TuSEM Essen ist Noah Beyer. 184 Treffer, 111 davon per Siebenmeter, gehen auf das Konto des zweiten BHC-Zugangs auf der Außenbahn.

Rückraum links/Mitte

Rückraum links/Mitte: Auf diesen beiden Position präsentiert sich der BHC in der kommenden Saison unverändert. Lukas Stutzke hat sich in auf der linken Seite in den Vordergrund gespielt, Fabian Gutbrod hingegen laborierte in dieser Saison lange an einer Schulterverletzung.

Seine Schussstärke stellt immer wieder Alexander Weck unter Beweis. Auf der Mitte bilden Linus Arnesson und Tomas Babak das Gespann bereits seit der Saison 2017/18 erfolgreich. Vorwiegend in der Abwehr beziehungsweise der zweiten Welle bleibt das Vertrauen bei Csaba Szücs.

Rückraum rechts

Rückraum rechts: Maciej Majdzinski war während seiner Zeit beim BHC vom Pech verfolgt. Bei der Weltmeisterschaft 2021 zog sich der polnische Linkshänder den dritten Kreuzbandriss seiner Karriere zu und wird die Löwen nun verlassen, ohne ein einziges weiteres Spiel für sie bestritten zu haben.

Maciej Majdzinski verpasste die komplette Saison.

Simen Schönningsen bleibt den Bergischen erhalten, doch mit David Schmidt geht ein deutscher Nationalspieler zu Frisch Auf Göppingen. Der 28-Jährige bestach während seiner beiden Jahre beim BHC mit einem unbändigen Aktionswillen. Er übernahm auch in kritischen Situationen (erfolgreich) die Verantwortung.

Ersetzt wird Schmidt durch einen weiteren Nationalspieler. Djibril M’Bengue kehrt vom FC Porto in die Bundesliga zurück. „Das ist ein riesiger Anreiz für mich, wieder in der stärksten Liga der Welt spielen zu dürfen“, sagt der 30-jährige Linkshänder. „Auch im Hinblick auf die Nationalmannschaft ist es eine super Sache, weil man in der Bundesliga doch etwas präsenter ist. Ich freue mich, beim BHC mit einem jungen Trainer zusammenzuarbeiten, und bin gespannt, wie hoch hinaus es nächste Saison gehen kann.“

Rechtsaußen: Großer Umbruch

Rechtsaußen: Der große Umbruch auf dieser Position steht kurz bevor. Dauerbrenner Arnor Gunnarsson geht in seine letzte Saison als Spieler, bevor er ins Trainerteam wechselt.

Yannick Fraatz wurde durch seine schwere Knieverletzung zwar zurückgeworfen, hat sich zuletzt aber wieder erfolgreich zurückgekämpft.

Als dritter Mann kommt Isak Persson vom schwedischen Erstligisten Lugi HF in Lund. Der 21-Jährige gilt als riesiges Talent und hat bei der Europameisterschaft im vergangenen Januar sogar sein internationales Debüt gegeben. Wieder verlassen wird den Club Emil Hansson, der aufgrund der Verletzung von Fraatz für ein Übergangsjahr verpflichtet worden war.

Kreis: Schmerzhafter Abgang

Kreis: Den schmerzhaftesten Abgang hat der BHC im Deckungszentrum beziehungsweise am Kreis zu verkraften. Europameister Max Darj wechselt zu den Füchsen Berlin. Der Schwede kam 2017 als Abwehrspezialist zu den Löwen und hat sich in den vergangenen Jahren auch auf der anderen Seite des Feldes zu einem gefürchteten Spieler entwickelt.

Max Darj (vorne) hinterlässt große Fußstapfen.

Er hinterlässt große Fußstapfen, die zum einen von Tom Kare Nikolaisen gefüllt werden könnten. Der Norweger hat sich in den vergangenen beiden Saisons als herausragender Zugang erwiesen, der sich immer weiter gesteigert hat.

Zudem haben sich die Löwen die Dienste von Frederik Ladefoged gesichert. Der 26-jährige Däne kommt von Erstligist Sonderjyske Handbold und verfügt bei 2,01 Meter Körpergröße und einem Gewicht von 110 Kilo über ein handballerisches Gardemaß. In Dänemark erzielte der Kreisläufer in der abgelaufenen Saison exakt 100 Tore.

Als dritte Kraft am Kreis bleibt Tom Bergner erhalten. Vom 22-Jährigen ist der nächste Entwicklungsschritt zu erwarten. Jonas Leppich aus dem erweiterten Kader verlässt die Löwen in Richtung Drittligist TuS 82 Opladen.

Tor: Der Fels in der Brandung bleibt, amtierender Europameister kommt

Tor: Christopher Rudeck ist so etwas wie der Fels in der Brandung zwischen den Pfosten des BHC. Der Keeper kam 2015 als Spannmann von Björgvin Gustavsson, teilte sich ab 2017 die Zeiten mit Bastian Rutschmann und bildete in den vorigen drei Saisons das Torhüter-Duo mit Tomas Mrkva. Die zwei Schlussleute zeichneten sich durch eine insgesamt stabile Leistung mit nur sehr wenigen Spielen, in denen beide nichts zu fassen bekamen, aus. „Wir sind gut zusammengewachsen“, findet Rudeck. „Daher hätte ich – unabhängig davon, wer zu uns kommt – gerne mit ihm weitergemacht.“

Tomas Mrkva wechselt zum THW Kiel.

Während der 27-Jährige im Sommer bereits in seine achte BHC-Saison geht, verlässt Tomas Mrkva den Verein zum THW Kiel. Sein Nachfolger wird mit Peter Johannesson ein amtierender Europameister sein. Der 30-jährige Schwede kommt vom TBV Lemgo Lippe, verfügt mit einer Fangquote von mehr als 28 Prozent über ähnliche Zahlen wie Mrkva sowie Rudeck und ist dafür bekannt, seinen Kasten an guten Tagen zunageln zu können.

Als neuer dritter Mann rückt Louis Oberosler vom TuS Fürstenfeldbruck in den Kader. Er übernimmt die Aufgabe von Joonas Klama, der den Verein verlässt. Um den Österreicher bestmöglich auf die Bundesliga vorzubereiten, verfügt er über ein Zweitspielrecht bei Drittligist TuS 82 Opladen, wo er voraussichtlich – so Rudeck und Johannesson fit bleiben – überwiegend zum Einsatz kommen wird.

Dazu auch: Rückschau mit Christopher Rudeck: Das waren die Aufs und Abs der Saison 2021/22

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