Saisonstart in der Handball-Bundesliga

Saison 2021/22: BHC gehört zum umkämpften Mittelfeld

Mannschaftsfoto des BHC für die Saison 2021/22
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Im Ratssaal des Ohligser Rathauses entstand in diesem Jahr das offizielle Mannschaftsfoto des Bergischen HC. Hinten, v.l.: Betreuer Siegfried Knapik, Teamassistent Jan Artmann, Lukas Stutzke, Alexander Weck, Csaba Szücs, Fabian Gutbrod, Tom Kare Nikolaisen, Tom Bergner, Geschäftsführer Jörg Föste; mittlere Reihe, v.l.: Co-Trainer Markus Pütz, Trainer Sebastian Hinze, Yannick Fraatz, Linus Arnesson, David Schmidt, Max Darj, Simen Schönningsen, Jonas Leppich, Athletiktrainer Oliver Schumacher, Physiotherapeut Severin Feldmann, Maskottchen Bergi; vorne, v.l.: Arnor Gunnarsson, Emil Hansson, Tomas Babak, Tomas Mrkva, Joonas Klama, Christopher Rudeck, Jeffrey Boomhouwer, Sebastian Damm, Tobias Schmitz. Es fehlt Maciej Majdzinski.

In der Handball-Bundesliga gibt es in dieser Saison nur einen echten Außenseiter.

Von Thomas Rademacher

Ein Großteil der Mannschaften in der Handball-Bundesliga liegt in dieser Saison eng zusammen. Sportlich dürfte der Bergische HC zu diesem Pulk gehören, geografisch eher nicht. Der BHC ist alleine auf weiter Flur, die Vereine aus Ostwestfalen sind 200 Kilometer entfernt, die kürzeste Tour haben die Löwen zur HSG Wetzlar mit rund 180 Kilometern. Ähnlich „einsam“ ist nur der HC Erlangen, der als einzige bayerische Mannschaft in die Saison startet.

Während der Spielzeit könnten sich Erlangen und der BHC allerdings erneut nahe kommen. Viele, darunter auch Löwen-Geschäftsführer Jörg Föste, rechnen mit extrem umkämpften Spielen und nur wenigen Teams, die nach oben oder unten ausreißen. „Gerade unter der definierten Top-Sechs ist alles sehr eng beisammen“, ist Föste überzeugt. „Und die Aufsteiger sind deutlich besser besetzt als die des Vorjahres.“

Bei der erwähnten Top-Sechs herrscht allgemeiner Konsens: Der THW Kiel, SC Magdeburg, die SG Flensburg-Handewitt, Rhein-Neckar Löwen, Füchse Berlin und MT Melsungen werden voran marschieren. „Alle Teams danach sind nicht so weit weg, wenn es bei uns richtig gut läuft“, meint Trainer Sebastian Hinze.

Handball-Bundesliga: BHC setzt auf guten Saisonstart

Von besonderer Wichtigkeit ist der Saisonstart. „Erfolgserlebnisse helfen“, weiß Hinze. „Das geht ganz vielen Mannschaften so.“ Und Föste ergänzt: „Wenn es uns gelingt, in den ersten fünf, sechs Begegnungen das Vertrauen in die eigenen Stärken auszuprägen, kann das eine sehr positive Saison werden.“ So sind sich die beiden einig, dass sie auf die Entwicklung der eigenen Mannschaft am gespanntesten sind – auch wenn der Blick auf die Konkurrenz in dieser Spielzeit ebenfalls sehr interessant ist.
Die ersten Zeichen stehen für den BHC positiv: BHC schlägt Hamburg - Bergische Löwen dürfen mit ihren Fans feiern

Leistungscheck: So sind die Teams in der Handball-Bundesliga einzuschätzen

Die Spitze: Wenn es um den Gewinn der Deutschen Meisterschaft geht, sieht Hinze den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt vorne. „An die beiden kommt wohl auch in dieser Saison keiner ran“, meint der Coach. Die Kieler sind Titelverteidiger, Flensburg lag punktgleich aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs dahinter. Der zählt in der neuen Saison übrigens nicht mehr, bei Punktgleichheit ist die Tordifferenz relevant.

Auch in dieser Kategorie lagen die Kieler im Sommer 2021 vorne. Nominell haben die beiden Clubs auch in der neuen Saison die besten Kader. Der THW Kiel – mit Sportdirektor Viktor Szilagyi – hat einen kleinen Vorteil: So haben Leistungsträger wie Steffen Weinhold und Hendrik Pekeler jüngst ihre Nationalmannschaftskarrieren vorerst beendet. Eventuell sind die Spieler des Rekordmeisters in der einen oder anderen Partie also fitter.

Die Verfolger: Geheimfavorit ist der SC Magdeburg. Den Ostdeutschen ist es zuzutrauen, den beiden Teams aus dem hohen Norden das Leben schwer zu machen. In der vorigen Saison musste der SCM, der zu Hause die wohl frenetischsten Fans der Liga hat, lange auf Zuschauer verzichten, besiegte aber dennoch den THW Kiel. Gut verstärkt hat sich das Team von Trainer Bennet Wiegert ebenfalls – unter anderem kam Nationalspieler Philipp Weber. Ebenfalls zur Verfolgergruppe gehören die Füchse Berlin, Rhein-Neckar Löwen und MT Melsungen. Letztgenannte enttäuschen trotz nominell bärenstarkem Kader regelmäßig, die Hauptstädter hingegen befinden sich klar im Aufwärtstrend. Sie gewannen saisonübergreifend ihre letzten elf Spiele. Im Übergang sind die Rhein-Neckar Löwen, die eine Spielzeit unter Klaus Gärtner als Coach absolvieren, während sie auf Sebastian Hinze warten, der im Sommer 2022 kommen wird. Die Tendenz bei den Mannheimern zeigte zuletzt auch nicht unbedingt nach oben.

Der erste Pulk: Das extrem breite Mittelfeld der Bundesliga beginnt beim SC DHfK Leipzig, der in der vorigen Runde sogar Sechster geworden ist. Die Mannschaft von Trainer André Haber hat sich in der oberen Tabellenhälfte etabliert und könnte kurz davor stehen, den nächsten Schritt zu gehen. Mit Philipp Weber und Bastian Roscheck sind aber zwei Gesichter des Clubs gegangen, die kompensiert werden müssen. Ob der von Verletzungen gebeutelte Simon Ernst, der von den Füchsen kam, in Leipzig wieder an bessere Zeiten anknüpfen kann?

In der oberen Tabellenhälfte könnten außerdem Frisch Auf Göppingen und die TSV Hannover-Burgdorf landen. Die erstgenannten Schwaben waren überragend ins Jahr 2021 gestartet, bevor die Form (vermutlich aufgrund ungewohnt hoher Belastung) nachließ und ungewohnt viele Niederlagen folgten. Hannover hat über viele Jahre Eigengewächse herangeführt und könnte vor einer großen Saison stehen. Spannend ist bei den Niedersachsen auch, wie sich Ex-Nationalcoach Christian Prokop beim Wechsel zurück auf die Vereinstrainerbank schlägt.

Der zweite Pulk: Mindestens vier Mannschaften sind unheimlich eng zusammen. Der Bergische HC und TBV Lemgo Lippe dürften als Erstes zu nennen sein. Wie gut die Löwen spielen können, war im vergangenen März mit nahezu identischem Kader zu erkennen. 20:6-Punkte holt die Truppe damals in Serie und stand zwischenzeitlich auf dem sechsten Platz der Tabelle. Lemgo hingegen hatte seine beste Phase in den letzten beiden Monaten der Saison, als der Verein sensationell den nationalen Pokal gewann und im Halbfinale den THW Kiel trotz eines hohen Rückstands noch geschlagen hatte.

Hoch einzuschätzen ist außerdem der HC Erlangen, der zwar nur 13. wurde, aber ebenfalls über einen guten und durch Rückkehrer Christoph Steinert (Magdeburg) verstärkten Kader verfügt, dessen Durchbruch nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. Mit Spannung ist die Entwicklung der HSG Wetzlar zu erwarten. Im ersten Jahr nach der fast zehnjährigen Ära von Trainer Kai Wandschneider ist Benjamin Matschke neuer Coach bei den Mittelhessen. Drei Zu- stehen drei Abgänge gegenüber. Kristian Björnsen (Aalborg) und Anton Lindskog (Flensburg) dürften allerdings schmerzlich vermisst werden.

Der dritte Pulk: Ebenfalls den Anschluss ans Mittelfeld suchen GWD Minden, HBW Balingen-Weilstetten und der TVB Stuttgart. Erstgenannte haben in Christoffer Rambo, Juri Knorr und Kevin Gulliksen besonders namhafte Abgänge zu verkraften und insgesamt einen großen Umbruch im Team. Bei den Stuttgartern zeigt die Kurve auch nicht unbedingt nach oben. Zudem haben sie mit Torhüter Johannes Bitter ihren großen Rückhalt an Hamburg verloren. Die Balinger hingegen dürften – ähnlich wie Magdeburg – in besonderer Form von der Rückkehr der Fans profitieren. Die Unterstützung bei den Galliern von der Alb ist immens und war schon oft Faustpfand für den Klassenerhalt.

Die Aufsteiger: Hoch gehandelt wird der HSV Hamburg, der unter Trainer Torsten Jansen in die Bundesliga zurückgekehrt ist. Der Club hat eine Menge prominente Unterstützung. Martin Schwalb ist dort Vize-Präsident, der 554-fache Bundesliga-Spieler Johannes Bitter steht im Tor, dazu kamen mit Nicolai Theilinger (Göppingen) und Manuel Späth (Porto) noch mal etwa 600 Spiele Oberhaus-Erfahrung. Zum Kreis der möglichen Absteiger wird der HSV bei Experten selten gezählt.

Anders ist die Situation beim Tus N-Lübbecke. Die Ostwestfalen sind der einzige echte Außenseiter in dieser Saison. Die Mannschaft hat sich im Vergleich zur vorigen Zweitliga-Spielzeit kaum verändert, mit Abstand am wenigsten Bundesliga-Erfahrung und kann daher fast nur gewinnen. Gegen den BHC gelang dies zum Auftakt beim 20:24 allerdings nicht.

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