BHC verliert

GWD Minden kauft dem BHC den Schneid ab

Bei Max Darj und dem BHC herrschte nach dem Schlusspfiff Frust, während die Gäste existenziell wichtige Punkte feierten.  Foto: Kurt Kosler
+
Bei Max Darj und dem BHC herrschte nach dem Schlusspfiff Frust, während die Gäste existenziell wichtige Punkte feierten.  Foto: Kurt Kosler

Handball-Bundesliga: Die Löwen unterliegen in einer hitzigen Begegnung mit 25:26 (12:12).

Von Thomas Rademacher

In der zweiten Halbzeit scheint doch noch alles nach Plan für den Bergischen HC im Bundesliga-Duell gegen GWD Minden zu laufen. Fabian Gutbrod erzielt seine ersten Tore für den Bergischen HC seit dem 28. November 2021, David Schmidt verwandelt ebenfalls einige Versuche aus dem Rückraum, so dass die Löwen in der Wuppertaler Unihalle mehrere Male mit zwei Toren in Führung gehen. Doch haben die Handballer die Rechnung ohne Mohamed Darmoul gemacht? Der schnelle Tunesier in Diensten von GWD Minden kommt fünf Mal in Folge ohne große Vorbereitungsphase durch, hält Minden damit zunächst im Spiel und ebnet letztlich sogar den Weg zum Überraschungssieg. Während die Gäste ausgelassen zwei immens wichtige Punkte im Abstiegskampf feiern, herrscht beim BHC Frust angesichts einer vermeidbaren 25:26 (12:12)-Niederlage.

Stimmen zum Spiel hier im Podcast

Bereits in der ersten Halbzeit hatten die Bergischen alle Möglichkeiten, den Gegner auf Distanz zu halten. Nach der bitteren 21:25-Niederlage im Hinspiel wirkten die Löwen entschlossen, schnell für klare Verhältnisse zu sorgen. „In Minden hatten wir eines unserer schlechtesten Spiele der gesamten Saison geboten. Natürlich wollten wir jetzt zeigen, wer Chef im Haus ist“, meinte Rückraumspieler David Schmidt. Bis zum 8:4 war die Welt aus BHC-Sicht in Ordnung. Während einer Zeitstrafe gegen Tom Kare Nikolaisen hatte Simen Schönningsen zunächst einen wenig zwingenden Abschluss. GWD-Torhüter Malte Semisch parierte und warf den Ball ins leere BHC-Tor. Im nächsten Angriff leistete sich Schönningsen einen Fehlpass, der ebenfalls bei Semisch landete. Er durfte erneut in aller Ruhe Maß nehmen. Minden war zurück im Spiel, der BHC nutzte eine doppelte Überzahl nicht, stattdessen traf Christian Zeitz mit ganz viel Gewalt zum Ausgleich.

Wir waren da. Aber Minden war einfach mehr da.

Arnor Gunnarsson, BHC-Rechtsaußen

„Wir bauen in dieser Phase eine Unsicherheit auf, die wir über das ganze Spiel nicht mehr ablegen“, analysierte Trainer Sebastian Hinze später – und meinte damit vor allem die Offensive. Dabei lief es nach einer zerfahrenen Phase Mitte der zweiten Halbzeit sogar wieder besser. Die Gastgeber führten jeweils nach Toren aus dem gebundenen Angriff heraus 19:17, 20:18, 21:19 und 22:20, schlugen daraus aber überhaupt keinen Vorteil. Mohamed Darmoul ging durch die teilweise noch unsortierte BHC-Deckung wie das Messer durch die Butter. Der Tunesier nahm das Mindener Spiel in dieser Phase im Alleingang in die Hand und erzielte alle Treffer auf dem Weg zum 22:22.

„Da waren wir nicht sortiert im Rückzug und haben ihn zu nah dran kommen lassen“, urteilte Schmidt. „Vielleicht waren wir auch zu unaufmerksam.“ Noch klarer formulierte es Arnor Gunnarsson, der nach der Niederlage fast ungewohnt erbost wirkte. „Wir waren da“, sagte der Isländer mit Blick auf die kämpferische Einstellung. „Aber Minden war mehr da. Das muss man ehrlich sagen. Wir machen in dieser Phase jedes Mal ein Tor, kommen aber nicht schnell genug zurück. Das darf uns einfach nicht passieren.“

Da nutzte es auch nichts mehr, dass der BHC in den letzten zehn Minuten sichtbar alles hereinwarf, um das Spiel doch noch irgendwie zu gewinnen. Minden nutzte den Vorteil, dass Linus Arnesson für eine Aktion gegen Tomas Urban eine sehr umstrittene Rote Karte sah und ließ sich auch nicht davon beirren, dass die 1602 Fans in der Wuppertaler Unihalle mit dieser Entscheidung unzufrieden waren und für eine hitzige Atmosphäre sorgten.

GWD kaufte den Hausherren in den letzten Minuten regelrecht den Schneid ab. Der BHC war nun völlig von der Rolle. Fabian Gutbrod agierte bei einem Fehlpass und einem Wurf, den der starke Semisch einfach fing, sehr unglücklich. Aber auch Tomas Babak leistete sich in der Hitze des Gefechts einen Fangfehler, den man selten bis nie von ihm sieht. Dass Schmidt mit dem letzten Wurf sogar noch hätte ausgleichen können, spiegelt den Verlauf der letzten Minuten kaum wider. Um es mit Arnor Gunnarssons Worten zu sagen: „Am Ende hatte Minden einfach größere Eier.“

Rote Karte sorgt für Aufregung - Linus Arnesson muss das Feld vorzeitig verlassen

Linus Arnesson konnte mit der Entscheidung, vorzeitig vom Feld zu müssen, wenig anfangen.  Foto: Kurt Kosler

Als Tomas Urban zehn Minuten vor Schluss hochsteigt, stößt er mit Linus Arnesson zusammen, geht zu Boden und hält sich das Gesicht. Eine Szene, die wild aussieht, in einem Kampfspiel aber an der Tagesordnung ist. Die Schiedsrichter beraten sich kurz und geben Arnesson die Rote Karte – eine harte und ebenso umstrittene Entscheidung. „Vorher ist es ein Schrittfehler von Minden, deshalb habe ich mich so sehr aufgeregt“, sagte Trainer Sebastian Hinze.

Einig waren sich hingegen Arnor Gunnarsson und David Schmidt bei der Einordnung der eigentlichen Aktion. „Das war keine Rote Karte – zu 100 Prozent nicht“, meinte der Isländer, während Schmidt betonte: „Linus will da vielleicht ein Stürmerfoul provozieren, steht einfach nur da, und Urban springt herein. Das war Rot für nichts.“

Insgesamt zeigte sich der Rückraum-Linkshänder wenig begeistert von den beiden Unparteiischen. „Sie hatten generell keinen guten Tag für beide Seiten und haben ein bisschen dazu beigetragen, dass es ein Kampfspiel wurde, das Minden liegt.“ Die Schuld für die Niederlage sah Schmidt aber freilich bei sich und seinem Team: „Wir haben unser spielerisches Ziel ganz sicher verfehlt.“ Gerade mit Blick auf das verlorene Duell der Hinrunde ärgerte ihn das. „In Minden haben wir kläglich gespielt, und zu Hause waren wir jetzt nur 15 Minuten gut. Der Rest war eigentlich ziemlich für die Tonne.“

Trainer Hinze sah auch Positives: „Wir stehen mit Ausnahme der ersten zwei Angriffe sehr gut in der Deckung. Sicher können wir vieles besser machen, aber kämpferisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen.“

Rund um den Bergischen HC

Personal: Bis auf Csaba Szücs (Sehnenriss am Fuß) und Maciej Majd-zinski (in dieser Saison komplett ohne Einsatz) hatte Sebastian Hinze seinen kompletten Kader zur Verfügung. Um auf 16 Spieler zu kommen, strich der Coach Emil Hansson.

Minden: Der BHC ist die einzige Bundesliga-Mannschaft, die in dieser Saison nicht gegen die Ostwestfalen gepunktet hat. Leipzig hat aus zwei Spielen einen Zähler herausgeholt, alle anderen Teams haben mindestens ein Mal gegen Minden gewonnen.

Kommentar von Thomas Rademacher: Ein paar Prozente

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Es sah wirklich nicht danach aus, dass es der Bergische HC gegen GWD Minden locker hat angehen lassen. Das Team wollte dieses Spiel vor den eigenen Fans unbedingt gewinnen. Aber wollte es Minden vielleicht doch noch ein bisschen mehr? In der zweiten Hälfte haben die Bergischen immer wieder mit zwei Toren vorgelegt, schafften es auf der anderen Seite dann aber nie, den – zugegeben – überragenden Mohamed Darmoul zum Beispiel mit einem Stoppfoul aufzuhalten. Diese Phase spricht Bände. Da fehlen beim BHC ein paar Prozente. Nicht so bei GWD.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Rafael Baena kümmert sich um sichere Tore
Rafael Baena kümmert sich um sichere Tore
Rafael Baena kümmert sich um sichere Tore
Das sagen Geschäftsführer, Freunde und Spieler zu Sebastian Hinze
Das sagen Geschäftsführer, Freunde und Spieler zu Sebastian Hinze
Das sagen Geschäftsführer, Freunde und Spieler zu Sebastian Hinze